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Horst Müller, Gründer von Müller Fleisch in Birkenfeld.

Interview mit Horst Müller: „Ich habe klein angefangen“

PZ-Interview mit Horst Müller, Gründer von Müller Fleisch in Birkenfeld, der am Samstag 80 Jahre alt wird, über sein Lebenswerk.

Öffentliche Termine, gar öffentliche Auftritte oder Würdigungen sind gar nicht die Sache unseres Unternehmensgründers Horst Müller, der dieser Tage ein besonderes Jubiläum feiern darf. Als Macher hat er in seinem Leben aus kleinsten Anfängen viel aufgebaut, ein Lebensweg vom Viehkommissionär und „Dorfschlachter“ über den ersten privaten Versandschlachter in Baden-Württemberg zum Chef und Patron des größten privaten in Familienbesitz befindlichen süddeutschen Unternehmensverbundes, der Müller Gruppe spricht Bände.

Pforzheimer Zeitung: Was hat Sie bewogen, 1960 in jungen Jahren einen eigenen Schlachtbetrieb zu eröffnen?

Horst Müller: In diesem Alter oder als junger Mensch sucht man nach einer Zukunft. Zu dieser Zeit wurde der Fleischbedarf der Verbraucher durch Metzgereien gedeckt. Der Aufwand den die Metzgereien betreiben mussten bis der Schlachtkörper in der Metzgerei war, war sehr aufwendig. Eine meiner wichtigsten Überlegungen dazu war, dass der selbst schlachtende Metzger mit der Anschaffung und Unterhaltung der Schlachttechnik teilweise überfordert war. Deshalb hatten sich damals schon Metzgereien entschieden bereits geschlachtete Fleischteilstücke zur Herstellung der eigenen Produkte, für die eigene Metzgerei zuzukaufen. Diese Situation war mir bekannt, deshalb habe ich mich entschieden einen Schlachtbetrieb zu starten um die erste Stufe in diesem Prozess zu konzentrieren.

Sie können zurecht stolz auf ihr Lebenswerk sein, würden Sie alles wieder genau so machen?

Das kann ich so nicht sagen, dass ich alles wieder gleich machen würde. Ich habe als sehr kleiner Unternehmer angefangen und stetig aufgebaut und investiert. Ich habe mir 1965 zwischen Pforzheim und Karlsruhe ein kleines Schlachthaus gebaut und schon 1970 einen doch ordentlich größeren Betrieb am heutigen Standort erstellt. Mit dem damaligen Wachstum des Fleischverzehrs in Deutschland sowie der Beginn, Fleisch über den Lebensmitteleinzelhandel zu vermarkten war sehr viel potenzial und Wachstum für das Unternehmen vorhanden. Es war einfach die Entwicklung und die Zunahme im Fleischverbrauch.

Welche Rolle spielte ihr Vater für ihre unternehmerische Entwicklung?

Das Viehhandelsunternehmen meines Vaters hat damals die Metzgereien und auch meinen Betrieb mit lebenden Tieren versorgt. Ich habe dem Bedarf der Zeit entsprechend reagiert und bin in die Bedienung von Metzgereien sowie dem selbstherstellenden Lebensmitteleinzelhandel mit geschlachteten Fleischteilstücken eingestiegen.

Wie sehen Sie die Diskussion über artgerechte Tierhaltung, Biofleisch und Vegetarismus?

Die Tierhaltung ist meines Erachtens sehr viel besser als wie vor Jahrzehnten. Zu Biofleisch und Vegetarismus kann ich nur sagen, Biofleisch oder kein Fleisch zu verzehren ist eine persönliche Entscheidung eines Menschen, ich kann niemandem sagen war er essen will, er muss selbst davon überzeugt sein.

Essen Sie selbst Fleisch?

Schon immer und gerne. Nach außen hin mache ich auch einen gut genährten Eindruck. Ich esse am liebsten Rindfleisch, gerne auch Schweinefleisch und Geflügel sowie auch gerne Fisch.

Was ist der Unterschied zwischen Müller Fleisch und den führenden Konzernbetrieben?

Das Fleisch der Müller Gruppe kommt fast ausschließlich aus Süddeutschland. Unser Vorteil ist, dass wir inmitten von Erzeugungsgebieten ansässig sind. Unsere Produkte sind sehr aromatisch und geschmackvoll und werden gerne gekauft. In Süddeutschland herrschen gute klimatische Verhältnisse die auch für die Futtererzeugung, für die heimischen Tiere gut sind. Durch unsere Standorte in Ulm und Bayreuth haben wir kurze Wege zu den Erzeugern.

Was sind ihr Hobbies?

Mein derzeitiges Hobby ist die Planung der Erweiterungsbauten an unserem Schlachthofs in Ulm.