Besuch in der Werkstatt: CDU-Bundestagsabgeordneter Gunther Krichbaum (rechts) mit Jochen Benzinger. Foto: Moritz
Jochen Benzinger beim Guillochieren in seiner Werkstatt in Brötzingen. Foto: Moritz
Die in mühevoller Handarbeit entstandenen Schmuckstücke. Foto: Moritz
Wirtschaft
Jochen Benzinger verleiht mechanischen Uhren ein individuelles Gesicht
  • Lothar H. Neff

Pforzheim. Es ist wahrlich ein königliches Handwerk, das Jochen Benzinger meisterlich beherrscht. In seiner Manufaktur in Brötzingen entstehen in mühevoller Arbeit handguillochierte Zifferblätter für hochwertige mechanische Uhren. Das Guillochieren entwickelte sich aus dem Kunstdrechseln. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert erlernten Aristokraten – vom Kaiser bis zum Landgrafen – dieses Handwerk. „Es versinnbildlichte das damalige Weltbild, dass sich alles um den Souverän dreht – oder zu drehen hat“, erläutert Benzinger.

Aus den fürstlichen Drechselmaschinen entwickelten die Uhrenkünstler die ersten Guillochiermaschinen – mit denen etwa Abraham Louis Breguet seine einzigartigen Zifferblätter fertigte. Heute beherrschen nur noch ganz wenige die Kunst des Guillochierens. Einer davon ist Jochen Benzinger. In seiner Werkstatt stehen – wie in einem Technik-Museum – ein Dutzend historischer Maschinen. Die älteste ist 150 Jahre alt – aber noch täglich im Einsatz, wie Benzinger betont, der Graveurmeister gelernt hat. Jede der Maschinen hat dabei eine spezielle Aufgabe.

Benzinger zeichnet mit einem Stift die zu gravierenden Muster ein und sticht diese dann mit einem feinen Messer in die Messingplatte. Mit einer Lupe vor den Augen spannt der Gouillocheur das Metall in den Schraubstock. Dann arbeitet er das Muster Reihe für Reihe in das Zifferblatt – eine extrem komplizierte und filigrane Handarbeit. Nur ein kleiner Fehler während des Guillochierens würde bedeuten, dass er die gesamte Arbeit nicht verwenden kann. Nicht auszudenken, wenn etwa ein Email-Ei von „Fabergé“ dabei Schaden nehmen würde.

Für die blaue Farbe von Uhrzeigern und Schrauben sorgt die Erhitzung über einer Flamme. Dabei wird eine besondere Eigenschaft des Kohlenstoffstahls ausgenutzt. Nämlich, dass dieser bei bestimmten Temperaturen seine Farbe verändert. Bei 290 Grad wird er blau. In einem ähnlichen Prozess entsteht ein weißes Zifferblatt aus Silber. Man kann zum Guillochieren nämlich kein Reinsilber verwenden, weil dieses zu weich ist. Erst eine Legierung ermöglicht eine gewisse Stabilität. Damit das Ziffernblatt weiß wird, hält Benzinger dieses über eine Flamme. Die unedlen Teile oxidieren und das Ziffernblatt ist nun schwarz. Dann wäscht er es mit verdünnter Schwefelsäure ab. Diesen Vorgang wiederholt Benzinger mehrmals – bis alle unedlen Bestandteile herausgelöst und das reine Feinsilber an der Oberfläche weiß glänzt.

Die kostbarsten Zifferblätter finden ihren Platz beispielsweise über historischen Uhrwerken der Premium-Marke „Grieb&Benzinger“. Die Manufaktur stellt nur zehn Uhren im Jahr her, diese aber für einen Stückpreis zwischen 80.000 und 450.000 Euro. Sie basieren auf historischen Uhrwerken, die in der Zeit von 1880 bis 1930 entstanden sind. Diese werden von Jochen Benzinger und Uhrmacher Kay Jaeger komplett überarbeitet und nach Kundenwünschen veredelt. Bis zu 1000 Stunden Handarbeit werden dafür investiert. 2012 gründeten die beiden Geschäftspartner die Firma „Jaeger&Benzinger“ in Baden-Baden. Hochwertige Bauteile, die ausschließlich aus Deutschland und der Schweiz stammen, gepaart mit alter Handwerkskunst, machen jede der mechanischen Uhren zu einem Unikat.