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Ob der Knochenmann noch Implantate braucht? WSP-Chef Oliver Reitz mit den beiden Firmenchefs Thomas Kroyer und Ralf Petrawitz (Klingel medical metal) sowie Oberbürgermeister Gert Hager (von links). Foto: Seibel
Ob der Knochenmann noch Implantate braucht? WSP-Chef Oliver Reitz mit den beiden Firmenchefs Thomas Kroyer und Ralf Petrawitz (Klingel medical metal) sowie Oberbürgermeister Gert Hager (von links). Foto: Seibel
15.07.2016

Klingel medical metal wächst im Pforzheimer Altgefäll

Pforzheim. Der Besuch von Oberbürgermeister Gert Hager bei der Klingel medical metal GmbH im Pforzheimer Altgefäll hatte am Donnerstag mehrere gute Gründe: Schließlich ist das Unternehmen einer der größten Arbeitgeber der Goldstadt, zählt zu den wichtigsten Gewerbesteuerzahlern und trägt sich mit Erweiterungsabsichten.

180 CNC-Dreh- und Fräsmaschinen laufen im Zweischichtbetrieb. Einige der 300 Mitarbeiter müssen auch samstags ran. „Flexibilität ist alles“, erläutern die Geschäftsführer Thomas Kroyer und Ralf Petrawitz. Stolz sind sie auf eine Ausbildungsquote von fast zehn Prozent. Von Fachkräftemangel ist deshalb keine Rede. Über 32 Millionen Euro Umsatz macht das Unternehmen.

Begleitet wurde das Stadtoberhaupt von Hochschulrektor Professor Ulrich Jautz, der an einer Kooperation mit dem Medizintechnik-Zulieferer interessiert ist.

Die Klingel medical metal GmbH zählt zu den führenden Herstellern von Produkten aus Metall für die Medizintechnik. Aber auch die Luft- und Raumfahrtindustrie sowie die Mess- und Regeltechnik werden beliefert. Das Unternehmen wurde 1986 von Helmut Klingel im damaligen städtischen Gründerzentrum B.I.T. in Pforzheim-Büchenbronn gegründet. 1991 erfolgte der Umzug ins Altgefäll. Klingel verkaufte seine Geschäftsanteile 2012 an die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Halder. Seit dem vergangenen Jahr gehört auch die Firma Josef Ganter in Dauchingen zur Pforzheimer Klingel-Gruppe. Der Feinmechanik-Spezialist stellt hochpräzise Bauteile aus schwer zerspanbaren Werkstoffen wie Edelstahl oder Titan nach Kundenwünschen her, vorwiegend Zahn- und Wirbelsäulenimplantate. Klingel medical metal ist dabei häufig in die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten seiner Auftraggeber eingebunden.

Was die räumliche Erweiterung angeht, wurde bereits die ehemalige Disco „Kairo“ als zusätzliche Produktionsstätte ausgebaut. In Kooperation mit der Firma HMP Umformtechnik, die im Altgefäll ein neues Gebäude errichtet, ist eine weitere Expansion am Standort geplant, wie Petrawitz gestern ankündigte.

Große Pläne hat auch die Stadt Pforzheim: Das Zentrum für Präzisionstechnik auf dem Campus der Hochschule soll doch realisiert werden. Allerdings müssen neue Partner mit ins Boot, um die Finanzierung zu stemmen. „Sie können ja die sieben Millionen Euro von der Deutschen Bank nehmen“, scherzte Professor Jautz im Blick auf einen Vergleich mit dem Geldinstitut im Derivate-Streit.