Arbeitet noch immer gerne an seinem Schreibtisch: Joachim Köhle. Foto: Dast-Kunadt
Wirtschaft
Liebe zum Schmuck und zu den Menschen: Joachim Köhle feiert 90. Geburtstag
  • Yvonne Dast-Kunadt

Pforzheim. „Engagiert Euch für andere“, ist stets das Leitbild von Joachim Köhle gewesen. Der ehemalige Pforzheimer Schmuckunternehmer blickt anlässlich seines 90. Geburtstages am Donnerstag auch auf ein Leben im Zeichen des Ehrenamtes zurück. Eigentlich hätte der Jubilar gerne mit Familie und Freunden ein richtig großes Fest gefeiert. Doch bereits vor Monaten zeichnete sich ab, dass die Corona-Pandemie nicht nur ihm einen Strich durch die Rechnung machen würde. „Ich schätze die Nähe zu meinen Mitmenschen sehr“, sagt Köhle. Ein Satz, der ihn charakterisiert und der aussagt, was ihn ein Berufsleben lang und darüber hinaus angetrieben hat: sein unermüdlicher Einsatz für die Gesellschaft.

Denn der ehemalige Chef der J. Köhle GmbH – der Schließenspezialist musste Ende 2019 den Geschäftsbetrieb aufgeben – hat zahlreiche Ehrenämter begleitet. Warum das so war, kann der heute 90-Jährige nur mutmaßen: „Ich habe nie viel und groß geredet, aber zielgerichtet gehandelt.“ Der typische Politiker sei er damit wohl nicht gewesen, räumt er lachend ein. So war er seit 1966 aktiv im Verband der Deutschen Schmuck- und Silberwarenindustrie (VDSI). Ab 1978 gehörte er sogar dem Vorstand an und übernahm schließlich von 1988 bis 1994 dessen Vorsitz. Beinahe zeitgleich von 1971 bis 1997 war Köhle außerdem Mitglied der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald (IHK) als Vertreter der Schmuckindustrie und war während dieser Zeit von 1985 bis 1997 Vizepräsident der IHK.

1994 sei dabei ein besonders intensives Jahr gewesen, denn der damalige IHK-Präsident sei krankheitsbedingt ausgefallen, erinnert er sich. „Und die Firma war ja auch noch da“, schmunzelt Köhle. Wichtig ist dem Jubilar, dass seine Frau Waltraud ihn in all diesen Jahren immer intensiv unterstützt habe. Und das, obwohl die Familie in seinen Augen manches Mal zu kurz gekommen sei, wie er sagt. Besonderen Ausdruck hat ihre Unterstützung in seinem Wirken für die August Kayser Stiftung gefunden. 38 Jahre lang hat er sich als Mitglied des Verwaltungsrates, darunter auch mehrere Jahre als Vorsitzender, engagiert, eingebracht und Verantwortung übernommen. „Als Vorsitzender einer Stiftung öffentlichen Rechts war ich damals verantwortlich für alles“, sagt er. Das habe ihn viel Zeit und Arbeit gekostet. Und es sei sein längstes ehrenamtliches Engagement gewesen.

Seine Frau habe damals viel Verständnis gehabt, wenn er abends nach Geschäftsschluss noch so manche Stunde in seinem Stiftungsbüro verbracht habe. Zudem habe sie sich selbst in der Stiftung engagiert und alle zwei Monate Geburtstagsmittage für die Bewohner organisiert. Selbst an Heiligabend sei die Familie in der August-Kayser-Stiftung gewesen und hätten den 160 Bewohnern persönlich ein frohes Fest gewünscht. Schließlich kommt Köhle noch auf sein liebstes ehrenamtliches Engagement als Handelsrichter zu sprechen. „Dieses Amt habe ich 21 Jahre lang bekleidet“, sagt er.

Während dieser Jahre habe er viel gelernt, zahlreiche Erfahrungen gesammelt. „Das war eine tolle Zeit in einem tollen Kreis“, erinnert er sich. Die Bereitschaft „sich zu plagen“, wie er sagt, sei geringer geworden. „Ich wünsche mir, dass der Nachwuchs sich wieder mehr engagiert, wieder mehr Verantwortung übernimmt.“ Auch er sei einst in die Verantwortung eher reingerutscht und schließlich reingewachsen.

Lebenslauf

Joachim Köhle wurde am 30. Juli 1930 als Sohn des Pforzheimer Schmuckunternehmers Josef Köhle in der Goldstadt geboren. Im Alter von nur 20 Jahren trat er in das Familienunternehmen, die J. Köhle GmbH, ein. Als sein Vater 1955 verstarb, übernahm er die Leitung des Unternehmens, das zu diesem Zeitpunkt 60 Mitarbeiter hatte. Mit 28 Jahren heiratete der gelernte Werkzeugmacher und Kaufmann seine Frau Waltraud, die ihn fortan beruflich wie privat unterstützte. Gemeinsam haben sie drei Töchter und sechs Enkelkinder.

Köhle begleitete Jahrzehnte lang zahlreiche Ehrenämter und wurde für sein Engagement mehrfach hochkarätig ausgezeichnet. Unter anderem 1994 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande sowie 1997 mit der IHK Medaille in Gold. Bis heute ist er Ehrenbeirat des Verbandes der Deutschen Schmuck- und Uhrenindustrie (VDSI) sowie Ehrenmitglied des Präsidiums der IHK Nordschwarzwald.