Die Vorsitzenden der Fachvereinigung Edelmetalle blicken auf ein ungewöhnliches Jahr zurück: Franz-Josef Kron (links) und Georg Steiner. Foto: Meyer
Wirtschaft
Lokale Edelmetallbranche spürt Turbulenzen: Zur weltweiten Marktschwäche kommt das Coronavirus hinzu

Pforzheim. Der Rückblick auf das vergangene Jahr der Edelmetallbranche beginnt mit einer Vorschau, was das Jahr 2020 bereithält: ungewöhnliche Zeiten. Das Coronavirus hält die Rohstoffmärkte in Atem und der Produktionsstopp zeigt Auswirkung auf die Preise der Edelmetalle. Sie spielen verrückt, macht Franz-Josef Kron, stellvertretender Vorsitzender des Arbeitsausschusses Edelmetallwirtschaft und Vorstandsvorsitzender der Agosi (Allgemeine Gold- und Silberscheideanstalt AG), im Pressegespräch deutlich.

So fiel der Kupferpreis um zehn Prozent. Gleichzeitig stiegen im Januar die Preise der Edelmetalle – Palladium satte 18 Prozent. „Das vergangene Jahr war turbulent und nun setzt sich diese Entwicklung fort“, sagt Kron.

Warum die Nachfrage nach Basismetallen fällt, erklärt der Agosi-Chef mit der angespannten Situation in der Automobilindustrie. Da weniger Dieselmotoren gebaut werden, würde eine andere Art von Autoabgaskatalysatoren verwendet. „Bei Benzinern ist es Palladium, bei Diesel Platin“, erklärt Kron. Die Folge sind deutliche Preissteigerungen. Hinzu kommt: Palladium ist physisch knapp. „Das spüren Hersteller von Kontaktwerkstoffen, Galvanisier-Betriebe und Zulieferer der Automobilindustrie“, so Kron. Auch der Übergang zur E-Mobilität stelle die Edelmetallindustrie vor Herausforderungen. Eine extreme Preissteigerung erfuhr Gold, das in turbulenten politischen und wirtschaftlichen Zeiten vermehrt als „sicherer Hafen“ gilt. „Der Preis ging 2019 durch die Decke und erlebte seinen höchsten Stand aller Zeiten“, sagt Kron. Stand heute: 1487 Euro je Unze. Das Ungewöhnliche dabei: Die Nachfrage nach Gold in Investmentbarren und Münzen ging weltweit zurück, in Deutschland und Europa gab es aber einen Anstieg, insbesondere im letzten Quartal 2019.

Auch bei dekorativen Anwendungen wie Schmuck und Uhren hätte sich Deutschland gut geschlagen, sagt Kron. Die Nachfrage ging zwar um 5,7 Prozent zurück, aber bei Weitem nicht so stark wie im weltweiten Vergleich (minus zehn Prozent).

Nach einer dreijährigen Schwächeperiode erholte sich 2019 der Silberpreis. Anders als Gold sei Silber ein Industriemetall, das in großen Mengen verarbeitet wird. Der Verbrauch bleibt trotz Strukturproblemen in der Autoindustrie demnach stabil. Grund dafür seien die steigenden Einsatzmengen pro Fahrzeug und eine Ausweitung der Fotovoltaik.

Für die Schmuckindustrie sei der Nachfragenrückgang „keine schöne Entwicklung“, macht Georg Steiner, Vorsitzender des Arbeitsausschusses Edelmetallwirtschaft und Geschäftsführer von Heimerle + Meule, deutlich. Dadurch gehen die gelieferten Mengen an Schmucklegierungen zurück. Indes hätte sich die Nachfrage nach Platingruppenmetallen erhöht. Denn Palladium ist auch hier ein Extrembeispiel. Neben der Knappheit kommt eine weitere Belastung hinzu: „Hohe Schwankung der Finanzierungsraten und ein Leihzins-Niveau, das kurzzeitig sogar die Marke von 50 Prozent pro Jahr überstieg“, erklärt Steiner. Wenn das so bleibt, werde 2020 das Platin-Jahr für die Trauringbranche sein, die bei Legierungen bereits auf Platin umgesattelt hätten.

War der Ausblick für 2020 Ende 2019 noch optimistisch, muss die Fachvereinigung nun zurückrudern: Das Coronavirus zwinge sie zu einer vorsichtigen Prognose.