Der Autobauer Mercedes-Benz will die Lehren aus dem wettbewerbsintensiven chinesischen Markt mehr und mehr auf andere Länder übertragen. «Wir wollen die Vorteile aus der Entwicklung hier nutzen, auch in Deutschland», sagte Konzernchef Ola Källenius am Rande der Automesse in Peking vor Journalisten. «Da ist das Thema Geschwindigkeit ein ganz, ganz wichtiges.»
Auch wenn der Markt in China derzeit schwierig sei, wolle Mercedes die Entwicklungsmannschaft in China ausbauen und intensiv in Forschung investieren. Zudem will der Autobauer laut Källenius die Lieferkette in China möglichst komplett auf Anbieter vor Ort umstellen, um Kostenvorteile zu erzielen.
Seit Jahren gilt in der Branche die Entwicklung im weltgrößten Automarkt China vor allem als schneller. «Wenn du in der Formel 1 bist und jemand ist schneller als du, und du weißt nicht, wie es geht - dann musst du dir selbst sagen: Es geht aber», zog Källenius Parallelen zum Motorsport. Wenn die Geschwindigkeit in China bis jetzt schneller gewesen sei als beispielsweise in Europa, «dann heißt es, dass es geht. Also muss das dein neuer Maßstab sein.» Die Steuerungszentrale für die Entwicklung im Konzern bleibe aber Deutschland.
Die Strahlkraft der Marke Mercedes-Benz in China sieht Källenius trotz des Abrutsches bei den Absatzzahlen in den vergangenen Jahren weiter intakt. «Dein Markenimage musst du immer jeden Tag neu verdienen», sagte der Manager. Jüngere chinesische Kunden seien allerdings experimentierfreudiger und wechselbereiter. Das zeige sich aber auch bei großen chinesischen Marken, die ebenfalls starken Schwankungen bei den Verkäufen unterlägen.
Was der Konzern konkret in China plant
Das Umfeld bleibe hart, der Konzern stelle sich weiter auf harte Zeiten ein. In diesem Jahr würden unter anderem Modellwechsel belasten, sagte China-Chef Oliver Thöne. Mit der neuen vollelektrischen C-Klasse sowie der für China angepassten Elektroversion des SUV-Modells GLC will Mercedes in der Volksrepublik auch bei Elektroautos in größere Marktsegmente vordringen.
Bisher sei ein möglicher Hemmschuh bei chinesischen Kunden noch das Thema Intelligenzsysteme im Auto gewesen, sagte Thöne. Fortschrittliche technische Funktionen im Fahrzeug seien eine Erwartung, die in China jeder habe. Hier schließe Mercedes jetzt zu den chinesischen Anbietern auf. Dieses Jahr will der Konzern landesweit seinen automatischen Navigationsassistenten einführen, der die Insassen selbstfahrend von Punkt A nach Punkt B bringt - ein Eingreifen des Fahrers soll kaum noch nötig sein.
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