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Richard Eberhardt ist stolz auf die modernste Busflotte im Enzkreis. Foto: Meyer

Mit zwölf PS fing alles an: Busunternehmer Richard Eberhardt wird 70

Pforzheim. Die Liebe zu Busreisen wurde Richard Eberhardt quasi in die Wiege gelegt. Schließlich stammt er aus einem 1931 gegründeten Touristik-Unternehmen. Seinen 70. Geburtstag feiert der erfolgreiche Unternehmer heute ausnahmsweise nicht in der seiner geliebten Region Nordschwarzwald, sondern jenseits des Atlantiks in einer namhaften US-Metropole.

„Die Bustouristik hat nach wie vor einen starken Deutschland-Anteil“, freut sich der Jubilar – auch wenn viele Mitbewerber inzwischen vom Markt verschwunden sind. Von einst 6500 Busfirmen sind nur noch 3600 aktiv. Aber davon, das viele Menschen nach wie vor gerne mit dem Bus in den Urlaub fahren, profitieren mittlerweile mehrere Hundert Mitarbeiter. An zehn Standorten (darunter Pforzheim, Engelsbrand und Dresden) sind es 450 Mitarbeiter. 142 Busse fahren unter der Eberhardt-Flagge – sechs davon in grüner Lackierung mit dem Flixbus-Logo.

Das Pforzheimer Reisebüro Eberhardt bietet zudem eine große Auswahl an Pauschal- und Individualreisen an. „Mit viel Liebe und Herzblut“, beschreibt es Geschäftsführer Peter Wagner, würden viele Touren von den Eberhardt-Mitarbeitern konzipiert und speziell auf die Wünsche der Kunden zugeschnitten. „Wir schöpfen dabei aus der langjährigen Erfahrung eines Familienunternehmens. „Beratung und Betreuung sind gerade im Zeitalter der Digitalisierung wichtig.“ Für seinen hervorragenden Kundenservice wurde Eberhardt Travel mit dem Deutschen Servicepreis 2019 des Deutschen Instituts für Service-Qualität (DISQ) ausgezeichnet.

Das Zentrum der unternehmerischen Aktivitäten liegt nach wie vor in der Region Nordschwarzwald, wo das Engelsbrander Busunternehmen auch im öffentlichen Personennahverkehr tätig ist. Das Reisebüro in der Goldstadt wurde im Jahr 1951 eröffnet. Statt Kreuzfahrttickets wurden damals noch Schiffspassagen für Auswanderer in die USA verkauft. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Herbert übernahm Richard Eberhardt im Jahr 1975 die Geschäftsführung des florierenden Familienunternehmens. Zuvor machte er eine kaufmännische Lehre bei der Degussa, bevor er 1968 in den elterlichen Betrieb eintrat. Das offizielle Gründungsdatum der Firma wird mit 1931 angegeben, als sich die Eltern von Herbert und Richard Eberhardt selbstständig machten. Tatsächlich aber waren bereits die Großeltern von 1909 an mit einem Fuhrunternehmen und zwölf Pferden im Transportgewerbe aktiv. An Wochentagen wurden Baustoffe und dergleichen auf der Pritsche des ersten Lkw transportiert. An den Wochenenden hievten die Jungunternehmer eine Sitzbank-Karosserie auf den Lastwagen und chauffierten die Passagiere zu Fußballspielen oder Vereinsausflügen. „In den 70er-Jahren waren mehrtägige Saisoneröffnungsfahrten der Renner“, erinnert sich Eberhardt. Über 600 Reisende fuhren mit einem Dutzend Eberhardt-Bussen nach Österreich, um in der Tiroler Bergwelt Erholung zu finden. „Das hat allen großen Spaß gemacht.“

Ein weiteres Highlight im damaligen Reiseprogramm waren Rundflüge mit Jumbo-Jets, die in Zusammenarbeit mit Condor organisiert wurden. „Für 100 Mark konnten die Teilnehmer auf einem der 494 Plätze im Großraumflieger auf dem Flug von Frankfurt bis Zürich den Schwarzwald einmal aus der Luft genießen.“

Schwierig war es für das Reisebüro offizieller Lizenzpartner des mächtigen Reiseveranstalters TUI zu werden, dessen Vertriebsrechte damals wie eine hochwertige Modemarke gehandelt wurden. Wichtige Impulse gab es für die Bustouristik durch die Öffnung der innerdeutschen Grenze, wo sich die Firmengruppe Eberhardt mit einem eigenen Reiseunternehmen in Dresden frühzeitig eine starke Marktposition in den neuen Bundesländern sicherte.

Obwohl gerne selbst auf Reisen, weil er stark an fremden Kulturen und neuen Eindrücken interessiert ist, gilt der Engelsbrander Unternehmer als ausgesprochen bodenständig. Er geht gerne Wandern im Schwarzwald. Bis 2017 saß Eberhardt im Vorstand des Touristikverbands RDA, dessen Präsident er viele Jahre war. Nur eines von zahlreichen Ehrenämtern, die der Jubilar innehat – etwa im IHK-Verkehrsausschuss oder beim GPN. Beim Global Passenger Network handelt es sich nach eigenen Angaben um den „ersten internationalen Zusammenschluss von erstklassigen Busreiseunternehmen“ – Gründungsmitglied die Firma Eberhardt.