Ditzingen. Einfacher geht’s kaum noch: Benötigt ein Kunde ein neues Bauteil für seine Trumpf-Werkzeugmaschine, dann fotografiert er mit seinem Smartphone eines der mit Barcode ausgestatteten Teile und schickt die Aufnahme auf digitalem Weg als Bestellung an das Unternehmen. Geschieht dies bis 14 Uhr, „dann verlässt das Stanzwerkzeug noch am selben Tag fix und fertig verpackt das Werk“, sagt Mathias Kammüller. Er ist Chief Digital Officer (CDO) im Konzern, eine Position die im vergangenen Sommer neu geschaffen wurde. Als CDO ist Kammüller für die Planung und Steuerung der Digitalen Transformation verantwortlich.
Mehr als 2000 angemeldete Kunden informieren sich noch bis morgen bei der viertägigen Trumpf-Hausmesse in Ditzingen über Produkte und Strategie des Familienunternehmens mit Nicola Leibinger-Kammüller an der Spitze, mit knapp 12 000 Beschäftigten weltweit und einem Jahresumsatz 2016/2017 von rund 3,1 Milliarden Euro. Die Geschäftsbereiche teilen sich in Werkzeugmaschinen (etwa zwei Drittel Anteil) und Lasertechnik.
„Die Digitalisierung brummt bei Trumpf“, sagt Kammüller und weist darauf hin, dass im Unternehmen bereits mehr als 500 Beschäftigte an über 30 Projekten mit dem Thema befasst seien. Derzeit würden alle Trumpf-Standorte in hohem Tempo miteinander vernetzt. Mittlerweile arbeite die Fertigung nicht nur digital, sondern auch mobil via Smartphone: „Unsere Stanzwerkzeug-Fertigung in Gerlingen meldet beispielsweise den Bedienern auf ihr Smartphone alle wichtigen Informationen über den Zustand der Maschine.“ Auch in der hauseigenen Blechfertigung dominiere das Handy, mit dem kontinuierliche wichtige Daten abgerufen werden könnten.
Die Digitallösungen sorgen dem CDO zufolge nicht nur für mehr Transparenz im Fertigungsprozess, sondern auch für Effizenz: „Wir verringern unsere Kosten. In unserer hauseigenen Blechfertigung sparen wir eine ganze Maschine ein.“ In Chicago, in einer der größten Industrieregionen der USA, eröffnete Trumpf im Herbst vergangenen Jahres eine Smart Factory, eine vollvernetzte und digitalisierte Fabrik. Technologisches Herzstück sei das System zur Fertigungssteuerung, mit dem sich in Echtzeit Daten bearbeiten lassen. Von automatisiert fahrenden Transportsystemen über Steuerungsmöglichkeiten mit dem Smartphone bis hin zur Fernwartung mittels Datenbrille wird dort der gesamte moderne Produktionsprozess präsentiert. Das Motto in Chicago laute: „Digitalisierung first.“ Unterdessen sieht Kammüller den größten Wandel im Unternehmen weniger bei den Maschinen mit Tablet-Steuerung, „sondern bei den Kompetenzen unserer Mitarbeiter und ihrer Zusammenarbeit“. Bereichsübergreifendes Arbeiten in agilen, sich selbst organisierenden Teams gewinne an Bedeutung. In gleichem Maße führe Industrie 4.0 zu einem höheren Anspruch an die Beschäftigten, insbesondere im Hinblick auf soziale Kompetenzen wie Selbstorganisation, Flexibilität, Selbstlernkompetenz, Lernbereitschaft und –fähigkeit, innovatives Denken und Kommunikationsfähigkeit über alle Berufsgruppen hinweg. Und so wurde im Konzern der digitale Wandel als Jahresthema ausgerufen. Unter anderem bedeutet dies: „Schulungen und Veranstaltungen für alle Führungskräfte.“ „Vier Null“, sagt Kammüller, sei „der Anpfiff eines großen, gerade erst beginnenden Spiels“.
Neue Geschäftsfelder
Derweil erschließt der Konzern auch neue Geschäftsfelder. Trumpf setzt unter anderem auf die Elektromobilität, die, so Kammüller, „ohne die Digitalisierung kaum vorstellbar“ sei. Christian Schmitz, Chef der Laser Technologie bei Trumpf ist überzeugt: „Wir und der gesamte Maschinenbau werden von der Elektromobilität profitieren.“


