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Vor fünf Jahren waren Matthias Weik (links) und Marc Friedrich bereits im PZ-Autorenforum zu Gast.  Foto: PZ-Archiv/Ketterl 

Ökonom und Buchautor Marc Friedrich: „Der Crash ist auch die größte Chance“

Marc Friedrich, Ökonom und Buchautor, sieht die Probleme der Finanzkrise nicht gelöst – deshalb wird es seiner Ansicht nach krachen. Diesmal auch politisch.

Sie sind die Punks unter den Ökonomen: Marc Friedrich und Matthias Weik. Mit ihrem neuen Buch „Der größte Crash aller Zeiten“ stürmen sie die Spiegel-Bestsellerliste und ecken wieder an. Kommenden Donnerstag präsentieren die beiden im bereits ausverkauften PZ-Autorenforum ihr Buch. Im PZ-Interview erklärt Friedrich schon heute, warum der Crash unausweichlich ist und wie Anleger jetzt handeln können.

PZ: Herr Friedrich, ist es nicht eine alte Binsenweisheit, dass nach einem Aufschwung ein Crash folgen kann?

Marc Friedrich: Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel. Dieses Mal ist es nicht ein ordinärer Börsencrash oder eine Wirtschaftsflaute, sondern tatsächlich ein Systemcrash – und der ist nicht mehr aufzuhalten. Das hat man schon in den vergangenen Jahren gesehen, dass eine Zeitenwende beginnt. Wir hatten Wahlen wie den Brexit, Trump und Thüringen, wo erstmalig Linke und Rechte die Mehrheit ergattert haben. Aber auch als Gesellschaft dividieren wir uns auseinander: Einige werden immer reicher und die breite Mittelschicht erodiert. Und seit 2008 haben wir das Ganze noch befeuert, denn wir haben die Probleme der Finanzkrise nicht gelöst, sondern lediglich mit billigen Geld überdeckt und mit historisch tiefen Zinsen, die uns alle enteignen, in die Zukunft verschoben, in der Hoffnung, dass irgendwann die Lösung vom Himmel fällt. Das ist nicht passiert, ganz im Gegenteil: Die Probleme haben sich potenziert.

Ihr Ausblick ist ziemlich düster. Manche Kritiker bezeichnen Sie auch als Crashpropheten.

Die Fakten sind gegeben. Sie kann man nicht ignorieren und wenn jemand das Gegenteil beweist, dass es in dem bestehenden System eine Lösung gibt, dann bin ich für alles offen. Ich bin doch kein Dogmatiker. Im Gegenteil – wenn es bis 2024 nicht crasht, dann werde ich eine Champagnerflasche aufmachen. Keiner will diesen Crash, denn der wird nicht glimpflich ablaufen. Dahingehend hoffe ich, dass ich unrecht

behalte.

Im 2014 erschienen Buch fordern Sie aber: Der Crash ist die Lösung. Widersprechen Sie sich da nicht?

Gegenfrage: Wann hat man im Leben den größten Lerneffekt? Wahrscheinlich, wenn man auf die Nase fällt. Die Menschheit lernt durchs Scheitern. Das ist ein Naturgesetz. Und jetzt haben wir zum ersten Mal versucht, ein

Naturgesetz mit Mathematik zu überlisten, indem wir immer

weiter Geld drucken.

Und das

wird scheitern.

Wie wird das aussehen, wenn es kracht?

Wirtschaftshistorisch haben immer 97 bis 99 Prozent der breiten Masse die Zeche zahlen dürfen – denn sie haben zwischen 50 und 100 Prozent ihres Vermögens verloren, wenn etwa ein Staatsbankrott, eine Währungsreform oder andere Unruhen kamen.

Der Crash wird aber auch die größte Chance sein. An allem Schlechten ist auch etwas Gutes: Uns steht ein goldenes Zeitalter bevor.

Ist das der Postkapitalismus?

Es wird ein menschlicher Kapitalismus sein, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht das Geld und die Gier. Dass wir heute schicke iPhones und tolle Autos haben – das ist nicht alles. Es geht um andere Werte. Nach dem Crash wird es ein faireres System geben, von dem

Menschen weltweit profitieren können – und nicht nur ein paar wenige.

Sie sagen, dass unser Geldsystem das Grundübel wiederkehrender Krisen sei. Was meinen Sie damit?

Dass Banken, Notenbanken und Privatbanken aus dem Nichts Geld schöpfen können. Das wissen nur die Wenigsten. Jede Bank in Pforzheim kann Geld schaffen, indem sie Kredite vergibt – und dafür muss sie nur einen Bruchteil des Geldes tatsächlich besitzen. Wenn Sie dort morgen 10 000 Euro einzahlen, kann sie Hundertausende Euro damit

kreieren und weiter verleihen. Für dieses Luftgeld verlangt sie dann auch noch Zinsen, für die wir schuften und arbeiten müssen. Und dieses Geldsystem wächst exponentiell.

Ihre euroskeptische Haltung und das Aufräumen mit dem „Establishment“ weisen Parallelen zur AfD auf – dabei warnen Sie vor rechten Parteien.

Das ist der Vorteil einer Demokratie, dass Meinungen sich überschneiden können. In einer funktionierenden Demokratie ist der Dialog fundamental. Ich finde es bedenklich, dass man oftmals stigmatisiert wird. Wir haben schon 2013, bevor es die AfD gab, vor diesen Entwicklungen gewarnt und wir haben mit unseren Prognosen richtig gelegen. Im Übrigen haben auch die Linken vor dem Euro gewarnt. Wir fühlen uns von keiner Partei vertreten, wir sind unabhängig und lassen uns auch nicht in eine Schublade stecken. Die Tendenz wird anhalten. Wir werden weiterhin Populisten auf dem Vormarsch sehen, denn die Altparteien versagen, weil sei inkompetent und lethargisch sind. Auch das haben wir im Buch sozialwissenschaftlich mit dem Peter-Prinzip oder dem Dunning-Kruger-Effekt erklärt. Dabei steigen inkompetente Menschen bis zu einer gewissen Stufe auf, um dann, weil sie Angst um ihren Job haben und wissen, sie können nichts, noch inkompetentere Leute einstellen. Und die kompetent sind, werden weggebissen – deshalb hat die CDU ein massives Nachfolgeproblem und keinen Ersatz für Frau Merkel. Wir haben einen echten Fachkräftemangel in der Politik.

Im Buch präsentieren Sie eine Lösung: Maschinen an die Macht.

Die Künstliche Intelligenz (KI) kann die unfähigen Politiker ersetzen. Ich glaube nicht, dass irgendeine Partei die Probleme tatsächlich angehen kann. Das haben sie in den vergangenen Jahrzehnten bei der Finanzkrise bewiesen. Wahrer Wandel kommt von den Menschen durch den technologischen Fortschritt. Wenn wir Glück haben, läuft es wie 1989 in

Leipzig, wenn wir Pech haben, dann wie 1789 in Paris.

Sind dann auch Banken überflüssig?

Ja! Eine große Transformation ist in vollem Gange. Wir werden ein großes Bankensterben sehen, denn die Zukunft ist digital. Ob das Paypal oder Google Pay ist – das ist eine Zwischenstufe zum Bitcoin und so weiter. Apple hat eine Banklizenz und könnte ohne Probleme alle Banken Deutschlands aus der Portokasse kaufen – machen sie aber nicht, weil sie wissen, dass das eine sterbende Branche ist.

Wie sieht es mit Fondsmanagern aus? Sie und Herr Weik betreiben auch einen Fonds.

Aktuell geht es noch, weil sie noch etwas kreativer sind. Aber wenn die KI wirklich funktioniert und selbst lernt, wird sie den Menschen in vielen Bereichen komplett ersetzen. Und das ist auch gut so. Dann können wir uns aufs Wesentliche konzentrieren: auf unsere Kinder, Mitmenschen,

Müßiggang und Kreativität.

Sie raten Menschen, in Sachwerte wie Edelmetalle, schuldenfreie Immobilien, Land und ausgewählte Aktien zu investieren. Was ist aber, wenn man kein Vermögen besitzt?

Wir haben für kleine und große Portemonnaies Tipps. Ganz wichtig: keine Schulden machen. Kaufen Sie bloß keine Immobilie auf Pump – das ergibt keinen Sinn, denn die Preise sind völlig übertrieben. Auch diese Blase wird irgendwann platzen. Ansonsten kann jeder anfangen: Für 18 Euro gibt es eine Silbermünze. Silber ist durch die Natur limitiert. Genauso kann man ein Gramm Gold kaufen, das sind etwa 40 bis 50 Euro. Der eine muss vielleicht einen Monat sparen, der andere drei Monate. Aber jetzt in durch Natur limitierte Sachwerte zu investieren, ergibt Sinn. Genauso in durch die

Mathematik limitierte Sachwerte: Etwa ein Fünftel des Bitcoins kaufen und das spekulativ liegenlassen. Es gibt nur 21 Millionen Bitcoins weltweit – wir sind

sieben Milliarden Menschen, Tendenz steigend.

Sie setzten aber auch auf Bargeld. Ist es im Tresor noch sicher, wenn die nächste Bankenkrise kommt?

Ja, weil Geld in Schließfächern und Depots Sondervermögen ist und deshalb nicht in der Insolvenzmasse der Bank fällt – im Gegensatz zum Geld auf dem Konto oder dem Giro-Sparbuch. Weil das Geld, das Sie der Bank geliehen haben, nicht Ihnen gehört. Deshalb die Gläubigerbeteiligung. In Griechenland wurde das schon erfolgreich angewandt: Alles über 100 000 Euro war weg. Und jeder, der sein Geld im Schließfach hatte, egal wie viele Millionen, hatte keine Verluste zu beklagen.

Momentan erleben wir einen wahren Goldrausch. Bahnt sich da nicht eine Blase an?

Nein, davon sind wir noch weit entfernt. Momentan ist es ja so, dass Notenbanken die größten Käufer weltweit sind.

Seit der Finanzkrise kaufen sie tonnenweise Gold. Das heißt: Erstens, sie vertrauen ihrem

eigenen Produkt, dem ungedeckten Papiergeldsystem –

dem Euro, Dollar oder Pfund – nicht mehr. Und zweitens,

sie erwarten selbst eine weitere Krise, sonst würden sie sich

nicht so schützen.

Marc Friedrich

. . . ist 1975 in Waiblingen

geboren, studierte Internationale Betriebswirtschaftslehre in Aalen und erlebte 2001 den Staatsbankrott während eines Auslandssemesters in Argentinien. Da kamen ihm erste Zweifel am Turbokapitalismus. Seinen Geschäftspartner Matthias Weik kennt er schon aus dem Kindergarten. Gemeinsam betreiben sie die „Friedrich & Weik Vermögenssicherung UG“ mit Niederlassungen in Stuttgart und Lorch (Ostalbkreis). Außerdem halten die beiden Seminare und Fachvorträge.