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Rund 1,8 Tonnen Silber und 200 Kilogram Gold im Wert von neun Millionen Euro sind 2011 aus dem Tresor der Pforzheimer Firma "Cobra Schmuck" verschwunden. Das hat zum Beispiel die Scheideanstalt Carl Schaefer in die Insolvenz getrieben. 
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In der Schmuckkettenfabrik Cobra an der Pforzheimer Habermehlstraße sind im Jahr 2011 große Mengen Edelmetall verschwunden. Das hat auch andere Firmen in den Kinkurs getrieben.  Foto: Ketterl 
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Die Scheideanstalt Carl Schaefer befindet sich im Insolvenzverfahren. Das liegt auch an einem großen Edelmetallraub, der noch nicht aufgeklärt werden konnte.  Foto: Ketterl 

Opfer des Cobra-Goldraubs: Investorensuche für Scheideanstalt Carl Schaefer

Pforzheim. An Ostern 2011 verschwinden aus dem Tresor der Firma Cobra Schmuck an der Pforzheimer Habermehlstrasse angeblich rund 1,8 Tonnen Silber und 200 Kilogram im Wert von neun Millionen Euro. Es gibt keine Aufbruchspuren. Es ist einer der spektakulärsten Kriminalfälle in der glanzvollen Geschichte der Pforzheimer Traditionsindustrie.

Gefunden wurde das Edelmetall bisher nicht – die Firma ist längst pleite. Ein Teil des damals bei der Schmuckkettenfabrik Cobra verschwundenen Edelmetalls gehörte der Scheideanstalt Carl Schaefer, die im vergangenen Monat ebenfalls Insolvenzantrag gestellt hat. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Wolfgang Bilgery von der Stuttgarter Kanzlei Grub Brugger bestellt. Der ist in der Goldstadt kein Unbekannter und gilt als Sanierungsexperte. Er hat bereits Dutzende von Insolvenzfahren in der Region betreut, darunter auch die Schmuckkettenfabrik Eugen Schofer, die heute wieder erfolgreich am Markt tätig ist. Ob das auch für die Nachfolgefirma der Scheideanstalt Carl Schaefer gelingt, ist fraglich.

Betroffen sind von der Insolvenz knapp 60 Mitarbeiter – einige hätten inzwischen von sich aus gekündigt, weil sie einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben, erklärte Bilgery, der auch das Insolvenzverfahren bei Cobra leitete. Der Geschäftsbetrieb bei Carl Schaefer habe sich „auf abgeschwächtem Niveau stabilisiert“, was auch an den Goldschmiedsferien liege. Es gebe eine größere Anzahl von Anfragen, darunter ein halbes Dutzend ernsthaft an einer Übernahme interessierte Kandidaten. Allerdings sei das bestehende Gebäude mit Produktionsflächen auf vier Geschossen in einem dichten Wohnumfeld nicht gerade ideal für den Betrieb einer Scheideanstalt.

Die Inhaberfamilie um Seniorchef Alfred Schaefer-Krack (85) hatte in der Vergangenheit immer wieder Geld in das Traditionsunternehmen nachgeschossen. Nach PZ-Informationen befand sich die 1861 gegründete Scheideanstalt nämlich schon 2012 in einer Schieflage. Trotz über 400 Millionen Umsatz schrieb man rote Zahlen.

Cobra war 22 Jahre lang Kunde der Firma Schaefer. „Dieser Fall ist für die gesamte Branche bedeutsam, weil die Belieferung mit Edelmetall eben vorrangig auf Vertrauen beruht“, hatte der Geschäftsführer der Scheideanstalt damals gegenüber der PZ erklärt. „In diesem Vertrauen sehen wir uns enttäuscht, weil Edelmetall nicht einfach verschwinden kann.“

Doch auch das Vertrauen vieler Kunden in die Pforzheimer Scheideanstalt ist erschüttert, weil das von ihnen angelieferte Altgold zwar auf einem Metall-Konto gutgeschrieben wurde – aber jetzt Teil der Insolvenzmasse geworden ist. Je nachdem, wie hoch die Insolvenzquote ausfällt, wäre ein Großteil des Warenwerts verloren.

Für die Tochtergesellschaften von Carl Schaefer sieht Bilgery unterschiedliche Perspektiven: Ein kleiner Gießereibetrieb in Pforzheim werde weitergeführt. Die Firmen in Österreich und Ungarn könnten verkauft werden, möglicherweise auch über ein Konkursverfahren. Die Schweizer Tochtergesellschaft mit zehn Beschäftigten habe bereits Konkurs angemeldet und den Geschäftsbetrieb eingestellt. Besonders kleine Goldschmiedebetriebe in der Schweiz zählen nach PZ-Informationen zu den Geschädigten. Von einem Gesamtschaden in Millionenhöhe ist die Rede. Sie hätten sich von den Billigangeboten des deutschen Unternehmens beeindrucken lassen, dessen Preise von Anfang an nicht kostendeckend gewesen seien, heißt es dazu aus der Branche.

Zurück zu Cobra: Insolvenzverwalter Bilgery war damals schnell klar, dass der Fehlbestand wohl nur mit kriminellen Machenschaften zu erklären war. Das Ergebnis seiner Inventur: Es gab Verbindlichkeiten von 261 Kilogramm Gold und 3,6 Tonnen Feinsilber – so viel sollte eigentlich auch im Tresor liegen. Dem entgegen stand ein tatsächlicher Bestand von 60,4 Kilogramm Gold und 1,8 Tonnen Silber. Der größere Teil des Edelmetalls bei Cobra – vorwiegend hochkarätige Ware – fehlte. Bei einer Sichtprüfung hatten Vertreter von Pforzheimer Scheideanstalten und Banken Ende März 2011 festgestellt, dass das Edelmetall vorhanden war.

„Zumindest hat man uns damals entsprechende Mengen gezeigt“, berichtet ein Augenzeuge. Der Zugang zum Tresorraum war nur mit Schlüssel und Code möglich und nach PZ-Informationen nur einem kleinen Kreis von leitenden Mitarbeitern vorbehalten. Die polizeilichen Nachforschungen dauerten fast 20 Monate: In akribischer Kleinarbeit bemühten sich die Ermittler, die Waren- und Materialflüsse nachzuvollziehen, die zum Schwund der Edelmetall-Vorräte geführt hatten. Insider vermuten, die Firma habe sich verkalkuliert und ihre Schmuckketten zu günstig angeboten. Durch die stark gestiegenen Edelmetallpreise und die branchenüblichen langen Zahlungsfristen fehlte Geld in der Kasse. Um die drohende Pleite zu vermeiden, habe man wohl das von der Scheideanstalt Schaefer gelieferte Edelmetall für die Produktion neuer Ketten verarbeitet.