Der Stammsitz von Agosi an der Kanzlerstraße wurde 2014 um ein Produktions- und Logistikzentrum mit Silbermine erweitert. Foto: Agosi
Wirtschaft
PZ-Serie „Gold im Blut“: Allgemeine Scheideanstalt – ein Kind der Pforzheimer Traditionsindustrie
  • Lothar Neff

Agosi, das sind heute: 400 Mitarbeiter in der Goldstadt, 20 000 Anlieferungen und rund 2000 Tonnen verarbeitetes Scheidgut pro Jahr. Unter den europäischen Scheideanstalten nimmt die Allgemeine eine Spitzenstellung ein.

Das dokumentiert auch ein Umsatz von rund 1,16 Milliarden Euro. Blick zurück ins Jahr 1891: Um den zweifelhaften Ruf damaliger Kehretsanstalten, die weitgehend gestohlene Polierlumpen und goldhaltige Abfallmaterialien aufarbeiteten, durch ein seriöses Geschäftsmodell abzulösen, beschlossen elf Schmuckfabrikanten in der Goldstadt die Gründung eines seriösen Recycling-Unternehmens: Friedrich Behner, Johann Burkhardt, August Kiehnle, Carl Wilhelm Lutz, Clemens Veltman, Carl Mondon, Gustav Rössle, Oskar Schober, Emil Schütz, Heinrich Witzenmann und Emil Ziegler. Sie waren zugleich Teilhaber und Kunden der neu gegründeten Allgemeinen Gold- und Silberscheideanstalt – kurz Agosi. Seither hat das Unternehmen sein Spektrum von der reinen Edelmetallaufarbeitung bis hin zur Halbzeugherstellung ausgeweitet und gehört inzwischen zu den führenden Kreislaufanbietern für Edelmetalle in Europa.

Mit dem Wirtschaftsstandort Pforzheim ist das Traditionsunternehmen an der Kanzlerstraße nach wie vor eng verbunden und ein preisgekrönter Arbeitgeber. Der hohe Schornstein mit dem schwarzen Auge ist das Wahrzeichen der Scheideanstalt. „Holzauge“ nennen die Agosi-Mitarbeiter das kreisrunde Logo, das eigentlich ein Metall-Ion im Kreislauf symbolisiert. Mit den steigenden Anforderungen seiner Kunden ist Agosi stetig gewachsen und bietet dank eines glänzenden Geschäftsmodells hochwertige Produkte und Service für die Edelmetall verarbeitende Industrie.

Der Edelmetallkreislauf

Agosi fertigt für renommierte Firmen aus den Bereichen Schmuck und Uhren, der Münzindustrie aber auch für industrielle Anwendungen in der Elektrotechnik, der Automobilherstellung, der chemischen Industrie und der Medizintechnik. Aus edelmetallhaltigen Abfällen gewinnt die Firma wertvolle Rohstoffe als Feinmetalle in höchster Reinheit zurück. Und diese Rohstoffe sind heute wertvoller denn je. Der wachsende Bedarf an Edelmetallen und hohe Edelmetallnotierungen bewirken, dass inzwischen auch geringhaltige, bisher kaum rentable Edelmetallvorkommen abgebaut werden – leider oft auf Kosten der Umwelt und häufig zu Lasten der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten, erläutert Agosi-Vorstand Dietmar Becker. „Edelmetalle aus Sekundärgewinnung sind deshalb umso wichtiger, je weiter die Verantwortung für eine intakte Umwelt in den Fokus rückt.“ Mit dem kompletten Edelmetallkreislauf biete Agosi eine umweltgerechte Lösung für die Verfügbarkeit von Gold, Silber und Platingruppenmetallen.

Strenge Umweltauflagen

Diese Edelmetalle sind die Basis für Agosi Werkstoffe, Legierungen und Halbzeuge. „Wir versorgen unsere Kunden mit hochwertigen Produkten und handelsfähigen Edelmetallen, hergestellt mit strengsten Umweltauflagen und höchsten Qualitätsansprüchen“, sagt Vertriebsleiter Thomas Weiß. Als Rundum-Service-Anbieter sei die Agosi der kompetente Partner für den gesamten Edelmetallkreislauf. Ob Schmuck- oder Industriescheidgut – Agosi verarbeitet unterschiedlichste Formen und Mengen von edelmetallhaltigen Materialien. Von der Homogenisierung über die Probenahme und Analyse bis hin zur Abrechnung ist alles präzise aufeinander abgestimmt. „Die Edelmetalle, die wir aufgearbeitet haben, sind nun wieder in ihrer reinsten Form verfügbar.“

Die Ergebnisse dieser Aufarbeitungsprozesse sind – neben dem Basismetall Kupfer – die Edelmetalle Feingold, Feinsilber, Platin und Palladium. Für sich genommen sind sie bereits Produkte und werden zu Granalien oder Barren geformt. Agosi ist bei der London Bullion Market Association (LBMA) als Good Delivery Refiner und Hersteller von Investmentprodukten gelistet.

Seit 2003 gehört die Agosi zum belgischen Umicore-Konzern, der sämtliche Edelmetallgeschäfte der früheren Degussa übernommen hat. „Der Begriff Nachhaltigkeit und das damit verbundene langfristige Denken haben einen hohen Stellenwert in unserer Unternehmenskultur“, betont Dietmar Becker. „Die Mitarbeiter von Agosi sind mit Stolz Teil der Umicore, die im Jahr 2013 Platz 1 auf der Liste der 100 nachhaltigsten Unternehmen einnahm.“ Als Teil der Umicore-Gruppe ist die Agosi mit ihren Tochterunternehmen in den relevanten Regionen der Welt präsent.