Porsche-Chef Oliver Blume hatte beim Jubiläum im Vorjahr den elektrischen Hoffnungsträger Taycan angekündigt. Foto: dpa/Gollnow
Wirtschaft
Porsche unter Strom: Sportwagenbauer wagt sich mit dem Taycan aus der Deckung
  • Nico Esch

Stuttgart. Dass ihre Autos ja eigentlich kein Mensch braucht, ist etwas, mit dem sie gern kokettieren bei Porsche. Braucht keiner, will aber jeder. Das Motto ist schon ziemlich alt, zieht aber immer noch, vor allem wenn es besonders PS-starke und zugleich eher nicht so alltagstaugliche Supersportwagen zu bewerben gilt.

Der Taycan, der am Mittwoch seine Weltpremiere feiert und ab Ende des Jahres ausgeliefert werden soll, schlägt da womöglich ein bisschen aus der Art. Die Erwartungen an das erste reine Elektromodell aus Stuttgart-Zuffenhausen sind groß. Porsche steht, wie die Branche insgesamt, wegen Dieselskandal und der Debatte um Fahrverbote in der Kritik und wird skeptisch beäugt.

Der Konzern selbst hat Nachhaltigkeit und Elektromobilität unter Einsatz von Milliardenbeträgen zu Top-Themen gemacht und gar den Beginn einer neuen Ära ausgerufen – und muss nun liefern. Insofern braucht also vor allem auch die VW-Tochter selbst jetzt den Taycan.

Ob den neuen Porsche wirklich jeder will – das muss sich erst zeigen. Da geht es den Schwaben nicht anders als allen anderen Autobauern, die zum Sprung ins Elektro-Zeitalter ansetzen.

Der Konzern nimmt bis 2022 sechs Milliarden Euro in die Hand, um groß in das Geschäft mit der Elektromobilität einzusteigen und stellt 1500 neue Leute eigens dafür ein. Das komplette Werk am Stammsitz in Stuttgart-Zuffenhausen wurde in den vergangenen Monaten für den Taycan aus- und umgebaut. Die Belegschaft verzichtete auf Geld, damit die Produktion dort angesiedelt wird und nicht anderswo, wo es billiger gewesen wäre und mehr Platz gegeben hätte.

Blume ist überzeugt, dass das Geld gut angelegt und das Risiko kontrollierbar ist – und der Taycan als erstes Elektromodell das richtige Auto. „Wir haben uns bewusst für ein Segment entschieden, in dem unsere Marke bislang noch nicht vertreten war“, sagt er. Schaut man auf die Verkaufszahlen, hätte sich das SUV-Segment zum Start auch bei Porsche womöglich eher angeboten – als die sicherere Variante sozusagen. Der Taycan hingegen ist irgendwo zwischen dem Klassiker 911 und dem viertürigen Panamera zu verorten. Den aktuellen Topseller, den kleinen SUV Macan, soll es als reine E-Variante erst 2022 geben.

„Das ist in gewisser Weise ein Wagnis“, sagt Stefan Reindl, der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen. Aber letztlich sei es auch Marketing. Und Porsche lebe nun einmal davon, vor allem bemerkenswerte Autos zu bauen. Offiziell ist seit Monaten von mehr als 20 000 Interessenten für den Taycan die Rede, die quasi für die „Katze im Sack“ 2500 Euro anzahlen mussten. Sie warten gespannt auf die morgige Vorstellung.