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Silber in großen Mengen ist an Ostern 2011 aus einer Pforzheimer Schmuckfabrik verschwunden. Unser Symbolbild zeigt eine Menge von 470 Kilogramm. Weihrauch 

Raub aus Pforzheimer Firmentresor: Wo ist das Cobra-Edelmetall?

Pforzheim. Über Ostern im Jahr 2011 verschwinden rund 200 Kilogramm Gold und 1,6 Tonnen Silber aus dem Tresor der Pforzheimer Schmuckfirma Cobra. Es gibt laut Kripo keine Aufbruchspuren. Wo ist das verschwundene Edelmetall im Wert von acht Millionen Euro gelandet? Es ist einer der spektakulärsten Kriminalfälle in der glanzvollen Geschichte der Pforzheimer Traditionsindustrie.

Bis heute ist das Geschehen noch nicht juristisch aufgearbeitet. Immer wieder erreichen die PZ Anfragen von Lesern, die sich nach dem Stand des Verfahrens erkundigen. Auch (ehemalige) Kriminalpolizisten sind darunter, die damals monatelang im Fall Cobra ermittelt hatten. Monatelang wurde Material aus Durchsuchungen von Geschäftsräumen und Privathäusern ausgewertet sowie komplexe Warenströme analysiert.

Nach Aussage des Sprechers des Landgerichts Mannheim – dort liegt die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen frühere leitende Cobra-Mitarbeiter seit mehreren Jahren – ist in diesem Jahr wohl eher nicht mehr mit der Eröffnung eines Prozesses zu rechnen. Die Mannheimer Wirtschaftsstrafkammer sei überlastet, deshalb würden vorrangig Verfahren gegen Angeklagte anberaumt, die sich schon länger in Untersuchungshaft befinden. Zudem habe es eine personelle Veränderung in der Kammer gegeben. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hatte im Januar 2014 nach jahrelangen Ermittlungen gegen den vormaligen Inhaber der zwischenzeitlich insolventen Pforzheimer Schmuckfirma Cobra, dessen Sohn sowie den früheren Prokuristen Anklage beim Landgericht Mannheim erhoben. Dem Haupttäter wird Betrug und Untreue in mehreren Fällen, Insolvenzverschleppung, Bankrott sowie Vortäuschen einer Straftat zur Last gelegt. Sein Sohn soll ihn bei einem Vergehen der Untreue unterstützt haben.

Die Verantwortlichen der Schmuckfirma sollen zwischen Januar 2010 und Februar 2011 an einen ihrer Hauptkunden insgesamt 1,9 Tonnen Silber verkauft haben, obwohl die Firma über dieses Silber tatsächlich nicht mehr verfügte. Möglich soll dies aufgrund der langjährigen, vertrauensvollen Zusammenarbeit der Beteiligten und Verwendung interner Silber-Verrechnungskonten gewesen sein. Zudem sollen der mögliche Haupttäter und sein Sohn bei der Polizei in Pforzheim wahrheitswidrig einen Diebstahl von Edelmetall in Millionenhöhe angezeigt haben, heißt es in der damaligen Pressemitteilung aus Mannheim.

Zur Erinnerung: Ende April 2011 hatte der Chef des Pforzheimer Schmuckunternehmens Insolvenzantrag gestellt. Zuvor hatte er festgestellt, dass im Tresor große Mengen Gold und Silber fehlten. „Dieser Fall ist für die gesamte Branche bedeutsam“, erklärte damals der Geschäftsführer einer Pforzheimer Scheideanstalt – die später ebenfalls Insolvenz anmelden musste. Die Belieferung mit Edelmetall beruhe vorrangig auf Vertrauen. Cobra war seit 22 Jahren Kunde der Scheideanstalt. „In diesem Vertrauen sehen wir uns enttäuscht, weil Edelmetall nicht einfach verschwinden kann.“ Nicht einmal ihre Gläubiger habe die Geschäftsführung von Cobra unmittelbar benachrichtigt. „Dies wäre für uns als bedeutender Edelmetalllieferant außerordentlich wichtig gewesen,“ betonte der frühere Geschäftsführer.

Bei den regelmäßigen Inventuren von Cobra seien keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Eine Rechtsanwaltskanzlei hatte namens der Scheideanstalt eine hohe Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Wiederbeschaffung des Edelmetalls führen. Insider mutmaßen, die Firma Cobra habe das Silber für die Produktion neuer Ware verwendet.