Ein Ehepaar aus dem westlichem Enzkreis muss sich wegen Betrugs verantworten. Der Gesamtschaden liegt bei 450.000 Euro. Foto: Grecaud Paul - stock.adobe.com (Symbolbild)
Wirtschaft
Schaden liegt bei 450.000 Euro: Bauunternehmer aus westlichem Enzkreis wegen Betrugs vor Gericht
  • Silke Fux

Pforzheim. Schon die Verlesung der dicken Anklageschrift durch Staatsanwältin Christine Roschinski – was rund 30 Minuten dauerte – deutete an, dass es sich um einen komplizierten Fall handelt. Dieser wird derzeit vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Pforzheim unter Vorsitz von Richter Oliver Weik verhandelt: Auf der Anklagebank sitzt ein Bauunternehmer-Ehepaar aus dem westlichen Enzkreis, dem vorgeworfen wird, als die Firma 2014 in finanzielle Schieflage gerät, Bauherren um ihr Geld betrogen, Bauleistungen ganz oder teilweise nicht erfüllt zu haben. Auch Sozialbeiträge für Mitarbeiter seien erst verspätet oder gar nicht abgeführt worden.

Hinzu kommen viele Bürgscheine einer Versicherung, die über die drohende Insolvenz nicht informiert worden war. Als es später zum wirtschaftlichen Aus für das Bauunternehmen kommt, soll sich das Paar aus der Insolvenzmasse bedient haben. „Das Geld kann nur privat oder als Schwarzgeld verwendet worden sein“, so Weik, Direktor des Amtsgerichts. Um sich nicht zu belasten, äußerte sich das Paar zu diesem Punkt nicht.

Verständigung gescheitert

Rechnet man aus den beiden Anklageschriften alle Summen unterschiedlicher Betrügereien und Verfehlungen zusammen, dann steht unterm Strich ein Gesamtschaden in Höhe von rund 450.000 Euro. Sicherlich mit ein Grund, weshalb am ersten Verhandlungstag ein Verständigungsgespräch zwischen Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung scheiterte. „Im Fall eines Geständnisses gab es unterschiedliche Ergebnisvorstellungen“, betonte Richter Weik. Eine Bewährung lehnte die Staatsanwaltschaft mit Blick auf noch zu viele offene Fragen ab. Klar ist, dass die Frau mit amerikanischem Pass, geboren 1965, die als Inhaberin des Geschäfts eingetragen war und im Verwaltungsbereich mitarbeitete, nur auf dem Papier das Geschäft leitete.

„Es war immer eine Rechnerei, aber die Hoffnung war da, dass es noch funktioniert“, sagte die Frau, die nun als Sekretärin in einer Steuerkanzlei arbeitet und die Sache mit den Bürgscheinen und den nicht abgeführten Sozialleistungen zugab.

Doch der operative Kopf im Baugeschäft war ihr Mann, der bereits zuvor mit einem anderen, eigenen Bauunternehmen scheiterte. Der gelernte Zimmermann und staatlich geprüfte Bautechniker entschuldigte sich immer wieder: „Es war nie meine Absicht, jemandem Schaden beizufügen. Zuvor hat es keine Mängelrügen oder Bauschäden gegeben“, so der Angeklagte. Auch die Bauqualität hätte nie jemand in Frage gestellt. Seine jüngste Insolvenz machte der 53-Jährige an zwei gescheiterten Großprojekten fest, darunter ein geplantes Projekt mit einer Kommune im Enzkreis.

Provisionen an Vertriebsleute

Der zweifache Familienvater – seine Frau hat noch eine Tochter aus erster Ehe – sprach vom „Haifischbecken Hausbau“, von Provisionen an Vertriebsleute, die sich nicht an seine Preislisten gehalten hätten. Er nannte immer wieder wild durcheinander Namen und Zahlen, blätterte in zahlreichen Ordnern, räumte manchen Fehler ein, bestritt einiges und ging in seiner abgegebenen Stellungnahme hart ins Gericht mit dem Fernsehsender RTL, dem er – wie auch der Lokalzeitung – fiktive und falsche Berichterstattung vorwarf.

Es deutete am ersten Verhandlungstag einiges daraufhin, dass das Paar bereits seit Längerem finanzielle Probleme hatte und möglicherweise auf zu großem Fuß gelebt haben könnte. Vermögen auf Ibiza, Jet-Ski und Boot wiesen die beiden entschieden zurück und verwiesen stattdessen auf dortige Bauprojekte. Dies und viele andere offene Fragen soll der nächste Verhandlungstag am kommenden Dienstag um 9 Uhr in der Außenstelle des Amtsgerichts in Keltern-Dietlingen klären.