Freiburg/Pforzheim. Hanna Böhme hätte sich einen erfreulicheren Start vorstellen können. Bei ihrem ersten Auftritt vor der Presse als Hauptgeschäftsführerin der wvib Schwarzwald AG führt sie durch die Konjunkturzahlen der Mitgliedsunternehmen des Wirtschaftsverbandes. „Ernüchternd“ nennt sie die Lage, während sie das „fragile Versprechen“ eines Aufschwungs für 2026 beschwört.
Doch während die wvib-Chefin die „schwarze Null“ für die badische Industrie moderiert, sagt der Blick auf den Nordschwarzwald etwas anderes, wie an einer wvib-Grafik zum Geschäftsklima abzulesen ist. Während der Südschwarzwald positiv leuchtet – Waldshut (plus 39), Lörrach (plus 33), Emmendingen (plus 30), Freiburg (plus19) –, herrscht in Pforzheim und dem Enzkreis mit minus 11 Punkten Kaltwetter. Die Region sackt auch im Vergleich zum Landesdurchschnitt (plus 13) ab. Die Diskrepanz analysiert Hanna Böhme auf PZ-Anfrage so: „Die regionalen Auswertungen sind durch die geringere Zahl von wvib-Mitgliedsunternehmen anfälliger für Verzerrungen.“ Die Dynamik im Nordschwarzwald sei relativ gesehen schwächer, weil in der Region Automobilzulieferer und metallverarbeitende Unternehmen dominierten. Rottweil, der Zollernalbkreis und die Bodenseeregion stünden vor einer ähnlichen Herausforderung. Die Lage in allen Regionen mit hoher Zuliefererdichte sei eine Belastungsprobe. „Die Erwartungen sind verhalten, viele Betriebe stecken in einer zähen Seitwärtsbewegung fest“, konstatiert Böhme.
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Die Realität hinter den Zahlen untermauert Sinan Yesilgül, Leiter des Relationship Managements beim wvib. Er berichtet von einem erhöhten Insolvenzaufkommen. „Wir hören von Mitgliedern aus dem Automotive-Sektor, dass sie seit drei Jahren kein Geld mehr verdienen.“ Prominente Beispiele zeigten, dass beispielsweise neu eröffnete Abteilungen für E-Auto-Komponenten wieder schließen mussten, weil die Fahrzeughersteller keine Teile abgerufen hätten.
Dass der Verband mit aktuell 1060 Mitgliedern trotz einiger konjunkturell bedingter Austritte stabil bleibt, liegt laut Yesilgül zum einen an den Familienunternehmen. Diese stützen ihre Betriebe oft aus privatem Vermögen. Zum anderen biete der wvib zahlreiche Unterstützungsmaßnahmen und Angebote.
wvib-Präsident Bert Sutter wies auf die Jahreskampagne „Deutschland kann mehr“ des Verbandes hin: „Wir brauchen beherzten Bürokratieabbau, mehr Netto vom Brutto für Unternehmen und Privatpersonen, schnellere Genehmigungsverfahren, eine Reform der überkomplexen Sozialsysteme und eine Vertiefung des europäischen Binnenmarkts.“ Mit besseren Rahmenbedingungen könne auch der Standort Deutschland zu neuer Stärke gelangen.

