nach oben
Prominenter Befürworter einer Trennung von Einkommen und Arbeit und eines neuen Steuersystems: dm-Gründer Götz Werner. Foto: Weißbrodt
Prominenter Befürworter einer Trennung von Einkommen und Arbeit und eines neuen Steuersystems: dm-Gründer Götz Werner. Foto: Weißbrodt
16.06.2017

„Sonst knallt‘s!“: Radikales Umdenken und bedingungsloses Grundeinkommen gefordert

Hartz IV nennt er „offenen Strafvollzug“, die Wirtschaftsordnung und die politische Landschaft sieht er aus dem Lot geraten – und seit mehr als zehn Jahren kämpft er für die Durchsetzung des bedingungslosen Grundeinkommens für jeden Bürger: Götz Werner. Einkommen sei ein Bürgerrecht und Vollbeschäftigung eine Illusion. Ergo: „Wir müssen Arbeit und Einkommen trennen.“ Der dm-Gründer hat sich für sein neues Buch mit Marc Friedrich (Studium Internationale Betriebswirtschaft) und Matthias Weik (Studium International Business) zwei engagierte Autoren und Mitstreiter geholt. Titel des jetzt erschienenen und im PZ-Forum präsentierten Werks: „Sonst knallt‘s! – Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen.“

Wenn am Mittwoch und Donnerstag im Pforzheimer CongressCentrum (CCP) auf der zweitägigen IHK-Veranstaltung „Zukunftsforum 2030“ Experten verschiedener Bereiche die Bühne betreten, wird ein Zukunftsszenario deutlich: Roboter übernehmen in vielen Branchen die Arbeit der Menschen, selbst Juristen und Ärzte sind davon nicht ausgenommen. Referent Bernd Heinrichs (Cisco Deutschland) prophezeit im Vorfeld der Veranstaltung: „Bis 2030 werden 40 Prozent der etablierten Firmen nicht mehr existieren.“ Und Keynote-Redner Professor Richard David Precht dürfte das Auditorium darauf vorbereiten: „In rund 20 Jahren hat die Hälfte der Menschen keine Arbeit mehr.“

Der Philosoph und ZDF-Talker Precht sieht – ebenso wie Götz Werner – die Lösung in einem bedingungslosen Grundeinkommen. Der dm-Gründer glaubt, dass der Wandel in der Arbeitswelt den Weg zu dieser neuen Form des Einkommens begünstigen wird. In Europa gäbe es seiner Ansicht nach längst Wohlstand für alle, wenn es ein Einkommen für alle gäbe. Und wer soll das alles bezahlen? Die Bürger, macht Werner deutlich. Nicht das Einkommen, sondern der Konsum müsste besteuert werden.

Überhaupt das Steuersystem: In der aktuellen Version bremse es die Produktivität und verteuere Arbeit bis hin zur Unbezahlbarkeit. Werner spricht von einem Steuer- und Arbeitsparadies, sofern nur noch das Konsumieren besteuert und im Gegenzug die verteilenden und kontrollierenden Ämter ausgedünnt würden.

Hätten die Menschen überhaupt noch Lust am Arbeiten, wenn sie Einkommen – zwar ein vergleichsweise geringes – ohne Gegenleistung erhalten würden? Ja, meint Werner und verweist auf diverse Test-Ergebnisse. Lediglich ein Prozent der Empfänger würde den Müßiggang pflegen. Werner: „Aber die gibt es auch heute schon.“

Leserkommentare (0)