Blick in die Fertigung von Analyse-Geräten in Gräfenhausen./PZ-Archiv
Entlastet wurde gestern die Führungsriege von Stratec Biomedical bei der Hauptversammlung (von links) : Aufsichtsrat Wolfgang Wehmeyer, Produkt-Vorstand Claus Vielsack, Aufsichtsrätin Stefanie Remmele, Vorstandsvorsitzender Marcus Wolfinger, Vorstand Robert Siegle (Finanzen und Personal) und Aufsichtsratsvorsitzender Fred K. Brückner.
Wirtschaft
Stratec auf Einkaufstour
  • Lothar H. Neff

Als die kleine Birkenfelder Medizintechnik-Firma Stratec Biomedical im Jahr 1998 an die Börse ging, lag der Unternehmenswert gerade mal bei 30 Millionen Euro. Gestern betrug der Börsenwert nach aktuellem Aktienkurs 600 Millionen Euro. Der Umsatz stieg 2015 um 1,4 Prozent auf 146,9 Millionen Euro, das Konzernergebnis um 11,7 Prozent auf 22 Millionen Euro.

Nicht nur Firmengründer Hermann Leistner, der vor fünf Jahren in den Ruhestand ging, ist mit dieser Entwicklung sehr zufrieden, wie er gestern bei der Hauptversammlung im CongressCentrum Pforzheim anmerkte. Auch die Aktionäre des Unternehmens sind es. Sie dürfen sich neben der beträchtlichen Wertsteigerung ihrer Anteile über eine Dividende von 0,75 Cent pro Aktie freuen. Die Ausschüttung wurde ebenso wie die weiteren Beschlüsse mit einer Mehrheit von 99,9 Prozent befürwortet. Kenntnis erhielten die Aktionäre gestern von zwei Zukäufen, welche die Marktposition von Stratec als weltweit führendem Hersteller von Analysensystemen für Labore und Blutbanken weiter ausbauen sollen. „Wir sind ein schwäbisches Unternehmen und waren auch bei den Zukäufen sparsam“, versicherte Stratec-Vorstandschef Marcus Wolfinger. Ganz aktuell wurde die Firma Sony DADC BioSciences mit Sitz in Salzburg übernommen, ein weltweit führender Hersteller von intelligenten Verbrauchsmaterialien für Anwendungen in den Bereichen Diagnostik, Life Sciences und Medizintechnik. Das Unternehmen verfügt laut Wolfinger über herausragende Fähigkeiten in der Nano- und Mikrostrukturierung, der Beschichtungstechnik und polymerwissenschaftlichen Anwendungen. Zu den Kunden gehören sowohl Weltkonzerne als auch innovative Start-up-Unternehmen. Zusätzlich unterhalte das Unternehmen zahlreiche Partnerschaften mit Universitäten und Forschungseinrichtungen. Im aktuellen Geschäftsjahr, das am 31. März 2017 endet, wird für Sony DADC BioSciences ein Umsatz von rund 17 Millionen Euro erwartet.

Mit dem Erwerb von Diatron sei es im März 2016 gelungen, die Kompetenz der „kleinen Stratec“ aus Ungarn zu sichern, erläuterte Wolfinger. Die Diatron-Gruppe erzielt mit 200 Mitarbeitern in Budapest und Delaware (USA) rund 34 Millionen Euro Umsatz. Neue Kundenkreise erschließe sich Stratec dadurch im Bereich Hämatologie (Analyse von Bluterkrankungen).

Die Mitarbeiterzahl von Stratec hat sich von 544 auf 583 erhöht, davon knapp 400 am Stammsitz Birkenfeld-Gräfenhausen. Weitere Produktionsstandorte liegen in der Schweiz und Rumänien. Durch die Integration von Sony DADC und Diatron wird die Beschäftigtenzahl in der Gruppe bis zum Jahresende auf 900 steigen. Im kommenden Jahr wird durch organisches Wachstum und die beiden Zukäufe erstmals die Umsatzmarke von 200 Millionen Euro überschritten. Die Umsatzrendite soll dann bei 18 Prozent liegen.

Stratec profitiert als Partner der großen internationalen Diagnostik-Konzerne von den globalen Mega-Trends: Eine immer älter werdende Bevölkerung, präventive Gesundheitssysteme mit mehr Labor-Diagnostik und neue Testverfahren etwa bei der Krebsfrüherkennung. „Unsere Analysensy-steme könnten selbst Spuren eines Zuckerwürfels im Lake Michigan nachweisen“, nannte Wolfinger ein Beispiel für Fortschritte in der Molekulardiagnostik.