Viele werden ihn vermissen: Peter Ketterer war ein echter Pforzheimer mit Bürger- und Gemeinsinn. Foto: Ketterl
Wirtschaft
Trauer um Pforzheimer Urgestein: Peter Ketterer mit 91 Jahren gestorben

Pforzheim. „Hopfen und Malz, Gott erhalt’s“ – dieser fromme Wunsch begleitete Peter Ketterer wohl sein ganzes Leben: Naturverbunden, voller Gottvertrauen und bodenständig. Der Diplom-Braumeister und Seniorchef der Pforzheimer Privatbrauerei Ketterer ist am vergangenen Sonntag im Alter von 91 Jahren im Kreise seiner Familie verstorben. Seine vielen Ehrenämter hat er stets als Kundendienst an der Gesellschaft verstanden.

Er wurde am 10. Dezember 1929 in die Pforzheimer Bierbrauer-Familie Ketterer hineingeboren und verbrachte die ersten Lebensjahre häufig innerhalb der Brauereimauern. Dort habe er sich bevorzugt im Sudhaus bei den Biersiedern aufgehalten und von seinem „Hochsitz“ – einer Treppe – aus, deren Arbeit beobachtet, so wird berichtet.

Brauerei beim Bombenangriff zerstört

Seine Grundschulzeit verbrachte er in der Osterfeldschule und ab 1940 besuchte er die Oberrealschule. Bevor er diese jedoch 1948 mit dem Abitur beenden konnte, war er durch den Zweiten Weltkrieg gezwungen, mehrmals die Schule zu unterbrechen. So wurde er mit 15 Jahren für zwei Wochen ins Elsass zu Schanzarbeiten beordert und im Januar 1945 wurde er zur sogenannten „Wehrertüchtigung“ geschickt. So blieb ihm der Bombenangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 erspart, der seine Heimatstadt und die Brauerei in Schutt und Asche legte. Deshalb sollte er auch Maschinenbau studieren, weshalb er unter anderem Praktika bei den Stadtwerken und der Gießerei Casper machte. Doch er studierte in Dortmund, Passau und an der Technischen Universität in München, wo er 1952 seinen Diplombraumeister machte.

Unterstützung von Vetter Willi Ketterer

Zwischenzeitlich war der heimische Brauereibetrieb wieder angelaufen. Peter Ketterer war erst 23 Jahre alt, als sein Vater 1953 starb. Er übernahm Verwaltung und Vertrieb der Brauerei. Ende der 50er-Jahre bekam er von seinem Vetter Willi Ketterer, der die technische Betriebsleitung übernahm, familiäre Unterstützung. „Wir haben über Jahrzehnte hinweg gut und gerne zusammengearbeitet“, erinnerte sich Ketterer.

1967 heiratete er seine Frau Marianne und gründete mit ihr eine Familie. Sohn Michael hat längst in vierter Familiengeneration die Nachfolge seines Vaters angetreten und ist seit 2003 Geschäftsführender Gesellschafter. 1972 veränderte Peter Ketterer die Vertriebsphilosophie der Privatbrauerei. „Wir gingen weg von eigenen Lokalen und hin zur freien Kundschaft.“

Immer engagiert im Ehrenamt

Neben seiner beruflichen Tätigkeit begleitete Ketterer über viele Jahrzehnte hinweg zahlreiche Ehrenämter. So war er Vorstand des Arbeitgeberverbands der Ernährungsindustrie, Vorsitzender der Tarifkommission im Verwaltungsrat des baden-württembergischen Brauerbundes, Vorsitzender der Pfarrgemeinde St. Bernhard und seit 1967 Aufsichtsratsmitglied bei der Volksbank Pforzheim. Die größte Aufgabe sei jedoch die Übernahme des Vorsitzes im Aufsichtsrat der Bank gewesen, so Ketterer. Dieses Amt hatte er 22 Jahre inne und erlebte neben dem Generationswechsel im Vorstand, das 125-Jahr-Jubiläum und den VolksbankHaus-Neubau. Zudem war Ketterer lange erster Vorsitzender des Pforzheimer Verkehrsvereins. Als Rotarier, der in ein weltweit aktives, sozial engagiertes Netzwerk eingebunden war, lag ihm das Ehrenamt am Herzen, zu dessen Aktivierung seine Frau Marianne in besonderem Maße beigetragen habe, als eine Art „Kundendienst“ an der Gesellschaft, aber natürlich auch an seinen Kunden.

„Gemeinsinn geht zunehmend verloren“, brachte es Peter Ketterer einmal auf den Punkt. Frage man heutzutage nach ehrenamtlichem Engagement, so stellten sich die meisten Menschen die Frage: „Was bringt’s mir?“ Es sei weit verbreitet, die eigenen Rechte durchzusetzen, gesellschaftliche Pflichten wollten viele aber nicht mehr erfüllen. Wenn Peter Ketterer nicht im Unternehmen oder bei dessen Kunden war, arbeitete er am liebsten in seinem Garten. Dort baute er lange Zeit alles an, was geerntet werden konnte, auch wenn ihn seit einigen Jahren ein Unfall auf dem Betriebsgelände in seiner Bewegungsfreude einschränkte.

Sohn Michael Ketterer ist die vierte Generation

Es ist heutzutage sicher etwas ganz Besonderes, wenn ein Mensch sagen kann: „Ich habe meine Berufung zum Beruf gemacht.“ In meiner Familie genießen wir seit vier Generationen dieses Privileg, betont Michael Ketterer. „Mein Vater, der die Brauerei fast 60 Jahre lang geführt hat, wollte nie etwas andere machen. Ebenso sein Vater, Hermann Ketterer, und dessen Vater, Firmengründer Wilhelm Sebastian Ketterer, der 40 Jahre seines Lebens mit Leidenschaft am Weiherberg für das Bierbrauen lebte. Sie haben Qualitäts-Maßstäbe gesetzt, die Ketterer heute noch zu einer ganz besonderen Regionalmarke machen.

Die Trauerfeier findet im engen Familienkreis statt.