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Der Verleger Rudolf Röser ist gestorben.
Der Verleger Rudolf Röser ist gestorben. © pm
27.03.2013

Verleger Rudolf Röser mit 94 Jahren gestorben

Karlsruhe. Friedlich und im Kreise der Familie ist der Karlsruher Verleger Rudolf Röser am Mittwoch den 20. März im Alter von 94 Jahren gestorben.

Der Lebenslauf von Rudolf Röser ist exemplarisch für die Generation, die Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut hat. Geboren 1920 in Bensheim an der Bergstraße musste er sein Architektur- und Kunstgeschichte-Studium an der Universität Heidelberg wegen des

2. Weltkriegs abbrechen. Nach Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft war Rudolf Röser zunächst als freier Journalist beim Darmstädter Echo tätig.

1965 gründete er den „Fernsprechbuchverlag Rudolf Röser“ und setzte damit auf die rasche Verbreitung der Telefone und wachsende Bedeutung von Telefonverzeichnissen. Der Verlag mit Sitz in Karlsruhe zählt heute zu den großen Telefonbuchverlagen in Deutschland. Neben

Das Örtliche für Pforzheim und Umgebung betreut der Verlag weitere 85 Telekommunikationsverzeichnisse, die in Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland herausgegeben werden.

Seinen Rückzug aus dem aktiven Geschäftsleben leitete Rösler bereits 1986 ein, indem ein externer Geschäftsführer eingestellt wurde. 1996 wurde der Verlag dann in eine Familien-AG gewandelt. Die Standortwahl sowie der Bau des 1996 bezogenen Firmensitzes am Mendelssohnplatz im Herzen von Karlsruhe wurde von ihm maßgeblich mitbestimmt – nicht zuletzt unter Berücksichtigung der hohen Frauenquote im Unternehmen. Denn Rudolf Röser wollte für seine Mitarbeiter/innen die Möglichkeit erhalten, in der Mittagspause Besorgungen zu erledigen, so dass Beruf und Familie vereinbar bleiben.

Auch nach der Niederlegung des Aufsichtsratsvorsitzes im Jahr 2001 blieb Rudolf Röser den Geschicken des Unternehmens eng verbunden. Sogar die Entwicklung des jüngsten „Unternehmenskindes“, der SingLiesel GmbH, hat er nicht nur inspiriert, sondern wohlwollend begleitet.

Kraft für sein Unternehmertum zog Rudolf Röser Zeit seines Lebens aus dem christlichen Glauben und der 1956 geschlossenen Ehe mit Ortrud Bodemann. Der Ehe entstammen vier Kinder, die seit 1996 die Verlagsgruppe leiten.

Rudolf Röser war Bestandteil und ideell wie finanziell eine Stütze des Vereins- und Kulturlebens Karlsruhes. Gutbürgerliche oder mediterrane Küche in familiärer oder kollegialer Gesellschaft waren ihm Entspannung und Genuss. Die Liebe zu Frankreich und der Wille zur Völkerverständigung führte zu einem für die Verlagsbranche außergewöhnlichem Projekt: der Herausgabe eines grenzüberschreitenden Telefonverzeichnisses für die an der deutsch/französischen Grenze gelegene Gemeinde Scheibenhard(t) im Jahr 1993. Das Interesse an Kultur und Politik hat ihn nie verlassen: Die Lyrik von Rilke sowie Tagesschau und FAZ bildeten Eckpfeiler seines Alltags.

Familie und Belegschaft werden ihm dankbar ein ehrenvolles Andenken bewahren.