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Der Gründer der Drogeriemarktkette Müller: Erwin Müller. Foto: Puchner
Der Gründer der Drogeriemarktkette Müller: Erwin Müller. Foto: Puchner
08.09.2017

Vom Friseur zum Milliardär: Mit 85 Jahren blickt Erwin Müller auf ein großes Lebenswerk

Erwin Müllers Karriere sei die „schwäbische Variante der typischen amerikanischen Erfolgsstory“, liest man in der offiziellen Firmenbroschüre der nach ihm benannten internationalen Drogeriemarkt-Kette. Heute wird der Ulmer Unternehmer 85 Jahre alt. „Arbeit, Arbeit, Arbeit“, sagte Müller einmal, als er nach seiner Lebensphilosophie gefragt wurde. Zielstrebig schuf er von der Donau-Stadt Ulm aus ein Handelsunternehmen mit laut Firmenangaben heute 757 Filialen in sieben Ländern Europas, 34 000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zuletzt rund vier Milliarden Euro.

„Der Mogul“ taufte ihn ehrfurchtsvoll das Ulmer Stadtmagazin „Spazz“ – und beklagte zugleich, dass Müller die Medien auf Distanz halte. Interviews lehnt er meist ab. Manche nennen ihn deshalb „Phantom“ oder auch „Mysterium Müller“. Aus Unternehmenskreisen ist immerhin zu hören, der Firmengründer verwalte sein Lebenswerk auch im hohen Alter mit der ihm eigenen Akribie. Gelegentlich ist von „Kontrollsucht“ die Rede. „Das kann nerven“, sagt ein Mitarbeiter der Müller-Zentrale in Ulm-Jungingen, der namentlich nicht genannt werden will. Laut Müllers Selbstdarstellung sind seine Beschäftigten indes durchweg glückliche Arbeitnehmer: „Es ist die menschliche Seite, die unser Unternehmen ausmacht.“

Das scheint freilich kaum zu Müllers legendärer Abneigung gegen Gewerkschaften und Betriebsräte zu passen – er führte Prozesse, um sie aus seinen Unternehmen raushalten zu können. In einem im Mai erschienenen Bericht des Magazins „Stern“ wird ihm ein „herrschsüchtiger“ Führungsstil vorgeworfen und gar die Bespitzelung von Angestellten.

Auch, dass der Drogerie-Unternehmer Steuern hinterzog, kratzte am Lack. 2015 erklärte ein Sprecher: „Herr Müller hat im Jahr 2010 eine Selbstanzeige abgegeben, mit der er die Nachzahlung von Steuern eingeleitet hat.“ Ans Licht gebracht hatte das die „Süddeutsche Zeitung“. Es ging um einen – vergleichsweise kleinen – Teil seines Vermögens, den er bei der Schweizer Bank Sarasin gebunkert hatte.

Für Schlagzeilen sorgten Müllers private Geschäfte mit Sarasin 2017 erneut. Im Mai verurteilte das Landgericht Ulm das Geldhaus zu Schadenersatz für den Drogerie-Milliardär in Höhe von 45 Millionen Euro – für Verluste durch falsche Beratung bei Investitionen in den hochriskanten Luxemburger Sheridan-Fonds. Über diesen Fonds wurden umstrittene Aktiendeals abgewickelt.

Als das Bundesfinanzministerium 2012 die dafür beantragten Erstattungen von Kapitalertragsteuern grundsätzlich stoppte, brach der Fonds zusammen. Müller machte geltend, er sei über das riskante Geschäftsmodell im Unklaren gelassen worden. Das Gericht gab ihm Recht.

In Ulm ist Müller seit Jahrzehnten eine Legende. Geschätzt wird der Unternehmer auch dafür, dass er ohne viel Aufhebens für soziale Zwecke spendet. 1953 richtete der Friseur in der elterlichen Wohnung im bayerischen Unterfahlheim seinen ersten Salon ein, den er später nach Neu-Ulm verlegte. 1966 kam er auf die Idee, im Salon auch Kosmetik und Drogerieartikel anzubieten. 1969 brachte Müller dann von einer Rundreise durch Kanada und die USA die Idee von Drugstores mit Waren des täglichen Bedarfs und von großen SB-Warenhäusern mit. 1973 eröffnete er in Ulm schließlich seinen ersten reinen Drogeriemarkt.