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Symbolkräftig: Wolfgang Gsell übergibt den Schlüssel zum Saturn-Markt auf der Wilferdinger Höhe an Sohn Timo.
Symbolkräftig: Wolfgang Gsell übergibt den Schlüssel zum Saturn-Markt auf der Wilferdinger Höhe an Sohn Timo.
29.09.2011

Wie der Vater so der Sohn: Timo Gsell übernimmt SATURN für Vater Wolfgang Gsell

Pforzheim. Er kommt aus einer Pforzheimer Kaufmanns-Familie, Wolfgang Gsell, scheidender Chef von Saturn auf der Wilferdinger Höhe. Seine Eltern führten einen Lebensmittelladen mit Drogerie an der Durlacher Straße. Und dort hat er auch gelernt. Nicht ungewöhnlich, wenn der Sohn in die Fußstapfen des Vaters tritt.

Doch wenn Timo Gsell morgen die Nachfolge seines Vaters als geschäftsführender Gesellschafter des Elektronik-Fachmarkts Saturn auf der Wilferdinger Höhe übernimmt, ist das schon ungewöhnlich. Denn in Konzernkreisen sind solche familieninterne Nachfolgeregelungen eher selten.

Als Wolfgang Gsell im November 1990 in Pforzheim den Elektronik-Markt BigTech (später „Multimedia“) eröffnete, waren großflächige Verbrauchermärkte noch nahezu unbekannt. „Wir hatten damals Schwierigkeiten unsere Verkaufsflächen ausreichend mit Ware zu bestücken, denn durch die Wiedervereinigung war die Nachfrage nach Unterhaltungselektronik in der ehemaligen DDR enorm“, erinnert sich Gsell. „Doch es hat geklappt.“ Auch das Sortiment war kaum mit dem heutigen Multimedia-Angebot zu vergleichen. Computer und Handys gab es noch nicht, dafür eine große Schallplattenabteilung – von den heutigen Flachbildschirm-Riesen keine Spur.

Auch die Ladenschluss-Zeiten hatten etwas vom guten alten Tante-Emma-Laden. „Als mir ein Vertreter von Mannesmann erzählte, in nicht allzu ferner Zukunft seien die Menschen mobil mit tragbaren Telefonen erreichbar, dachte ich mir, der spinnt.“

Auch die Wilferdinger Höhe sah damals noch ganz anders aus, erinnert sich Gsell: grüne Wiesen und einige wenige Gewerbe- und Handelsbetriebe darin verstreut.

Doch die Idylle ist passé: Seit vielen Jahren unterstützt der Saturn-Chef die Interessengemeinschaft Wilferdinger Höhe, fühlt sich von der Stadtverwaltung und den Einzelhandelsvertretern nicht immer gut vertreten, die sich stets für einen Schutz der Innenstadt stark machten. „Da ist sicher vieles schiefgelaufen.“ Die Wilferdinger Höhe sei nun mal ein attraktiver Standort, der viele Kunden aus dem Umland anlocke. Das müsse man nutzen, um die Leute von dort oben auch in die Innenstadt zu holen.

„In anderen Städten funktioniert das besser“, ergänzt Timo Gsell, der in vergangenen drei Jahren den Saturn-Markt in Koblenz führte. „Leider hat es in Pforzheim nicht mit der Ansiedlung eines ECE-Einkaufscenters geklappt.“ Das hätte ein echter Magnet für die City werden können. Timo Gsell besuchte zunächst die Waldorfschule. Nach dem Abschluss machte er eine Ausbildung zum Vermessungstechniker. „Mein Vater wollte, dass ich etwas Ordentliches lerne.“ Nach dem Studium zum Vermessungsingenieur und zweijähriger Tätigkeit in der Biotechnik-Branche fasste er den entscheidenden Entschluss: „Ich bewerbe mich bei Saturn.“ Über ein Trainiee-Programm schaffte der Seiteneinsteiger den Sprung auf die Karriereleiter der Elektronik-Handelskette, die zur Mediamarkt-Saturn-Holding gehört. Über Stationen in Neuss, Dresden, Leonberg und Tübingen brachte er es bis zum Vertriebsleiter, bevor er Saturn-Geschäftsführer in Esslingen und später in Koblenz wurde. Vor einigen Monaten hat er sich um die frei werdende Position seines Vaters in der Goldstadt beworben.

Umbau steht an

„Ich übernehme damit die Verantwortung für 60 langjährige Mitarbeiter.“ Deren fachkundige Beratung und persönlicher Einsatz seien das Erfolgsrezept, um sich im Wettbewerb auch künftig behaupten zu können, betont Wolfgang Gsell. „Wir werden künftig eine Multi-Channel-Strategie fahren“, weist Timo Gsell in die nahe Zukunft. Ein Großprojekt steht auch an: Mit einem Umbau soll der Pforzheimer Saturn-Markt als stationäre Anlaufstelle neu aufgestellt werden.