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Weihen die neue Fertigungsstätte in Buchbusch ein: Geschäftsführer der Witzenmann GmbH Philip Paschen, Architekt Peter W. Schmidt, Vorsitzender der Geschäftsführung Andreas Kämpfe, Bürgermeisterin Sibylle Schüssler, Aufsichtsratsvorsitzende Professor Herbert Paschen und Betriebsratsvorsitzende Cornelia Ast.  Foto: Meyer 
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Schwarzes Rechteck: die neue Produktionshalle von Witzenmann, entworfen durch Peter W. Schmidt Architekten. 

Witzenmann setzt auf Kräftevergleich: Familienunternehmen eröffnet neuen Fertigungsstandort in Pforzheim

Pforzheim. Während es in der Weltwirtschaft rumort, eröffnet das Traditionsunternehmen Witzenmann einen neuen Fertigungsstandort im Industriegebiet Buchbusch in Pforzheim. „Es ist durchaus eine Herausforderung, aber es ist wichtig in solch einer Zeit, sich auf seine Stärken zu berufen“, sagte Andreas Kämpfe, Vorsitzender der Geschäftsführung, gestern bei der Einweihung. Im Falle von Witzenmann heißt das: die Produktion von flexiblen metallischen Elementen für Bauteile in Nutzfahrzeugen und Motoren.

Zwischen 50 und 60 Millionen Euro sollen dort als Umsatz im laufenden Jahr erwirtschaftet werden.

Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Professor Herbert Paschen betont: „Die Investitionen kommen in einer nicht all zu günstigen Zeit.“ Rund 13,5 Millionen flossen in den neuen Standort. Denn die Globalisierung mache auch vor Witzenmann nicht halt. „Wir stehen mit Lieferanten aus der ganzen Welt im Wettbewerb“, sagte Paschen. Das Bekenntnis zu Pforzheim sei deshalb ein deutliches Zeichen. „Stärken müssen verteidigt und ausgebaut werden“, lautet daher die Devise des Familienunternehmens.

Ohne die Unterstützung durch die Stadt wäre der Bau der rund 4000 Quadratmeter großen und zehn Meter hohen Produktionshalle nicht möglich gewesen, erklärte Kämpfe. Wichtig sei aber auch die Senkung der Gewerbesteuer. Ein Applaus der geladenen Gäste zeigte, wie bedeutsam dieses Instrument für den Industriestandort Pforzheim sei – ein freundlicher Wink an Bürgermeisterin Sibylle Schüssler. Für sie ist klar: „Familienunternehmer, wie etwa Witzenmann, bilden das Fundament, weil sie auf besondere Art in der Region verbunden sind.“ Es sei daher ein großes Bedürfnis der Stadt, diese Unternehmen zu unterstützen und gute Rahmenbedingungen zu schaffen.

Für das Architekturbüro Peter W. Schmidt war die die Bauzeit innerhalb von 13 Monaten kein einfaches Projekt. „Wir können als Architekten alles bewegen. Nur eine Größe sei unkontrollierbar: die Baugenehmigung“, sagte Peter W. Schmidt. Bei der Einweihung war von den Schwierigkeiten nichts mehr zu sehen – nur der schwarze Glanz vor der grünen Wiese, der „Ausdruck eines zeitgemäßen Industriegebäudes“ sei. So wurde nicht nur auf die Energieeffizienz geachtet, sondern auch auf prozessoptimale Fertigungslinien – ohne störende Stützen. Auch die Digitalisierungsstrategie findet Ausdruck am neuen Standort, der Modellcharakter für die zukünftige Gestaltung anderer Standorte der Gruppe weltweit hat, sagte Herbert Paschen.

Denn im Geschäftsbereich Motoren liegen für die Firma große Wachstumspotenziale – dank des Abgasskandals. Weil die Gesetzgebung nicht nur in Deutschland, sondern auch in Ländern wie China immer strengere Grenzwerte für Fahrzeuge vorgibt. Damit steigt der Bedarf an technologisch anspruchsvollen Bauteilen, so Kämpfe. Industrie 4.0 soll am Standort Buchbusch wachsen: Ein fahrloses Transportsystem in Kooperation mit SEW wird aktuell getestet. Ein Roboter, der entlang optischer Spurführung sich bewegt, fährt Kisten von der Montage und Schweißzelle, wo Entkopplungselemente für Lkws entstehen, ins Lager. Das spare die vielen Arbeitswege. Auch sogenannte Augmented-Reality-Brillen kommen dort zum Einsatz. Für Kämpfe steht fest: „Wir möchten das Werk zur Benchmark und zum Vorzeigestandort entwickeln.“