760_0008_9218958_Cobra_Schmuck_LG_Mannheim_39
Prozessauftakt am Landgericht Mannheim zum verschwundenen Edelmetall der Firma Cobra Schmuck Pforzheim. Links die Angeklagten mit ihren Anwälten.  Foto: Meyer 

Wo ist das Cobra-Gold? Prozessauftakt infolge einer der spektakulärsten Insolvenzen in der Pforzheimer Traditionsindustrie

Pforzheim. 200 Kilogramm Gold und bis zu 1,8 Tonnen Silber sollen vor den Ostertagen des Jahres 2011 aus den Tresoren des Pforzheimer Unternehmens Cobra Schmuck an der Habermehlstraße verschwunden sein. Zu damaligen Edelmetallpreisen ein Marktwert von acht Millionen Euro. Seltsamerweise wurden von der Polizei keine Aufbruchspuren gefunden. In 17 Verhandlungstagen will die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Mannheim klären, was mit dem Edelmetall passiert ist. Dass der Strafprozess erst am Freitag begann, wird mit den langwierigen Ermittlungen und der langjährigen personellen Unterbesetzung der Wirtschaftsstrafkammer begründet.

Einer der spektakulärsten Insolvenzen in der Pforzheimer Traditionsindustrie hat jetzt ein juristisches Nachspiel: Angeklagt sind seit Freitag drei leitende Mitarbeiter der ehemaligen Schmuckkettenfabrik Cobra. Verhandelt wird vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Mannheim– das Urteil soll erst im Februar fallen.

Es gilt einen komplexen Sachverhalt aufzuklären, zumal die Pforzheimer Schmuckfabrik auch Verflechtungen ins Ausland hatte. Bei einer Sichtprüfung hatten Vertreter von Pforzheimer Scheideanstalten und Banken zuletzt Ende März festgestellt, dass das Edelmetall tatsächlich im Lager von Cobra vorhanden war. „Zumindest hat man uns damals entsprechende Mengen gezeigt“, berichtet ein Augenzeuge. Durch die Insolvenz verloren 70 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.

Der Zugang zum Tresorraum war nur mit Schlüssel und Code möglich und nach PZ-Informationen nur einem kleinen Kreis von leitenden Mitarbeitern vorbehalten. Der Sohn des Inhabers hatte damals die Polizei verständigt, nachdem ein größerer Fehlbestand an Silber festgestellt worden war. „Wir waren gerade von einer Geschäftsreise zurückgekehrt“, erinnert sich der heute 35-jährige, der inzwischen selbst eine kleine Schmuckfirma betreibt, in seiner Aussage vor Gericht. Er ist wegen Beihilfe zum Insolvenzbetrug angeklagt. Sein Vater, ein 65-jähriger Pforzheimer, war Geschäftsführer der Firma Cobra. Er leidet schwer unter den Vorwürfen, hat einen Schlaganfall erlitten und hat nach eigenen Angaben seine berufliche Existenz und sein ganzes Vermögen verloren.

Ihm wirft die Mannheimer Staatsanwaltschaft vor, im Zusammenwirken mit dem damaligen Prokuristen, die Schmuckfirma Thomas Sabo um insgesamt 997 000 Euro geschädigt zu haben. Beide hätten das Vertrauen des langjährigen Kunden ausgenutzt und diesem große Mengen Silber für die Produktion von Schmuckketten verkauft, die gar nicht im Unternehmen verfügbar waren. Beide Angeklagte äußern sich gestern nicht zu den Vorwürfen. Darüber hinaus wird dem früheren Geschäftsführer zur Last gelegt, er habe den Insolvenzantrag vorsätzlich zu spät gestellt und zudem in der Bilanz für das Jahr 2010 unrichtige Angaben zu den tatsächlichen Vermögensverhältnissen von Cobra Schmuck gemacht. Des Weiteren soll er in drei Fällen, nachdem bereits die Überschuldung eingetreten sei, ohne rechtlichen Grund Überweisungen in Höhe von rund 128 000 Euro von den Konten der GmbH vorgenommen haben. Diese Überweisungen seien in Zusammenhang mit dem Erwerb einer Firma in Asien gestanden.

Vater und Sohn sollen zudem, um die Fehlbestände an Edelmetallen zu verschleiern, bei der Polizei in Pforzheim Strafanzeige wegen Diebstahls erstattet haben, obwohl sie wussten, dass diese nicht aus den Geschäftsräumen gestohlen wurden.

Für Wolfgang Bilgery, den Insolvenzverwalter von Cobra Schmuck, war schnell klar, dass der Fehlbestand wohl nur mit kriminellen Machenschaften zu erklären war. Das Ergebnis der Inventur: Es gab Verbindlichkeiten von 261 Kilogramm Gold und 3,6 Tonnen Feinsilber – so viel sollte eigentlich auch im Tresor sein. Dem entgegen stand ein Bestand von 60,4 Kilogramm Gold und 1,8 Tonnen Silber. Der größere Teil des Edelmetalls – vorwiegend hochkarätige Ware – fehlte.

In akribischer Kleinarbeit bemühten sich die Ermittler, die Waren- und Materialflüsse im Unternehmen nachzuvollziehen. Die Ergebnisse der Ermittlungen füllen 70 Aktenordner, die hinter der Richterbank aufgetürmt sind.

Lothar Neff

Lothar Neff

Zur Autorenseite