CV-Geschäftsführer Matthias Wolf verweist auf die hohe Realisierungsquote offener Forderungen der Gläubigerschutzorganisation von 82 Prozent.
Wirtschaft
Zahlungsmoral verbessert - Pforzheimer Creditoren-Verein legt Studie vor
  • Lothar H. Neff

Wenn Rechnungen verspätet oder gar nicht bezahlt werden, ist das nicht immer eine Frage der mangelnden Zahlungsfähigkeit, weiß Matthias Wolf, Geschäftsführer des Creditoren-Vereins (CV) Pforzheim.

Große Unternehmen hätten eher selten Schwierigkeiten ihre Rechnungen zu begleichen. Dennoch lasse die Zahlungsmoral häufig zu wünschen übrig. „Es ist häufig keine Frage der Zahlungsfähigkeit, sondern der Zahlungswilligkeit.“ Grund sei die Ausnutzung ihrer Marktmacht in Kombination mit einem liquiditätsschonenden Verhalten. Betroffen davon sind meist kleine und mittelständische Unternehmen, die von der Pforzheimer Gläubigerschutzorganisation vertreten werden. Denn gerade in der Traditionsindustrie sind lange Zahlungsfristen an der Tagesordnung. Das zeigt auch die aktuelle Studie des CV. Sie basiert auf den Ergebnissen der jüngsten Mitgliederbefragung.

Sollte es tatsächlich zu einem Forderungsausfall kommen, empfiehlt Wolf das rasche Einschalten des Creditoren-Vereins. Je länger man warte, desto höher sei das Ausfallrisiko. „Wir konnten im vergangenen Jahr 82 Prozent der Forderungen unserer Kunden im Inland und 66 Prozent im Ausland realisieren.“ Ein größerer zweistelliger Millionenbetrag, so Wolf. Dieses positive Ergebnis basiere nicht zuletzt auf der über 125-jährigen Erfahrung im branchenbezogenen Gläubigerschutz.

Für die Schmuck- und Uhrenindustrie fällt die Bilanz gemischt aus: Im Bereich Gold- und Silberwaren ging der Umsatz der Betriebe ab 50 Beschäftigten leicht zurück. Der Exportumsatz stieg um neun Prozent. Im Uhrensektor war ein leichtes Plus zu verzeichnen. In der Medizintechnik und der Optik gab es Zuwächse, die allerdings geringer als im Vorjahr ausfielen. Die Photonik als Schlüsseltechnologie im Zeitalter der Digitalisierung boomt. Der Brexit und die Wahl des neuen US-Präsidenten hätten die eigentlich positiven Exportaussichten deutlich eingetrübt, so Wolf. Allerdings schlugen sich die positive Konjunktur und die günstigen Finanzierungsangebote positiv nieder. Kleine und mittelständische Unternehmen zahlen offene Rechnungen möglichst schnell, um von Skonti zu profitieren.

Das durchschnittliche Zahlungsziel lag bei 26 Tagen. In der Praxis wird die Frist nochmals um 18 Tage überzogen. „Damit mussten Firmen drei Tage weniger auf ihr Geld warten als im Jahr 2015“, ergänzt Wolf. Die Zahl der Insolvenzen im privaten und unternehmerischen Bereich sank. Bundesweit waren es im Vorjahr noch 21 789 Firmenpleiten – gegenüber 23 222 im Jahr 2015. Es entstand ein Schaden von 27 Milliarden Euro (plus 54 Prozent). Mit 14,2 Prozent von Spät- oder Nichtzahlern sei die Zahlungsmoral auf einem Tiefstand angelangt, erläutert Wolf. Als Gründe für verspätete Zahlungen werden Zahlungsausfälle bei eigenen Kunden, ein momentaner Liquiditätsengpass, das verlängerte Ausnutzen von Lieferantenkrediten und schlimmstenfalls die eigene Insolvenz angegeben. Im Bereich Schmuck- und Uhren gab es 59 Insolvenzen. 31 Prozent der Mitgliedsfirmen waren als Gläubiger von einer Pleite betroffen.