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Die Optik stimmt bei Zara, wie diese Filiale in La Coruña in Nordspanien zeigt: Die Läden machen von außen einen hochwertigen Eindruck. Auch drinnen ist es durchgestylt und aufgeräumt. Foto: Cabalar
Die Optik stimmt bei Zara, wie diese Filiale in La Coruña in Nordspanien zeigt: Die Läden machen von außen einen hochwertigen Eindruck. Auch drinnen ist es durchgestylt und aufgeräumt. Foto: Cabalar
31.07.2015

Zara kommt nach Pforzheim - Eine topmodische Bereicherung

Pforzheim. Der „Sale“, wie sich der Schlussverkauf heute nennt, hat bei Zara voll durchgeschlagen. Der kurze, ausgefranste Sommerblazer in Gelb kostet gerade noch 25,99 Euro – satte 30 Euro gespart. Noch sind solche Schnäppchen für Pforzheimer nur in Karlsruhe oder Stuttgart oder eben übers Internet zu haben, die nächste Sommersaison aber wird auch in Pforzheim im Laden hängen.

Für das zweite Quartal 2016 ist die Eröffnung der 2700 Quadratmeter großen Filiale am Leopoldplatz – dort, wo bislang noch K&L Ruppert Kleidung verkauft – geplant, wie vorige Woche bekannt wurde. Vermieter Sparkasse und Stadtoberhaupt Gert Hager äußerten sich begeistert. Nicht von ungefähr: Auch unter Modeexperten gilt Zara, gegründet 1975 und Teil des spanischen Inditex-Konzerns, als eine Nummer. „Vom modischen Anspruch her sind die top“, sagt Christiane Fiegel, Modedesignerin aus Pforzheim, die sich von der Zara-Ansiedlung neue Impulse für die Goldstadt verspricht. „Zara ist einfach ein Magnet, vor allem für junge Leute.“ Dazu kommt das gewisse Etwas bei der Optik: „Zara hat als Erster angefangen, die Läden hochwertig zu gestalten.“ Die spanische Kette habe es aus der Schmuddel- und Billigecke heraus geschafft. „Die Läden machen immer einen super Eindruck, sind durchgestylt und clean.“

Auch die Händler in der Pforzheimer City sind voll des Lobes. „Zara ist ein absolut attraktives Haus für Pforzheim – mit Sicherheit eine Bereicherung“, sagt Horst Lenk, Vizepräsident des Handelsverbands Deutschland und Vorsitzender der Pforzheimer Einzelhändler. „Bei der Größe ist zu vermuten, dass Zara mit seinem gesamten Sortiment nach Pforzheim kommt, also auch Kinder- und Männermode anbietet.“

Schon das allein wäre eine gute Nachricht für eine Einkaufsstadt wie Pforzheim, die, so Lenk, ein größeres Angebot „absolut nötig“ habe. Vor allem aber verknüpft man mit der Ansiedlung der spanischen Kette die Hoffnung auf deutlich mehr Frequenz in der Innenstadt. „Das bringt zusätzliche Kunden von außen, beziehungsweise hält andere in der Stadt, die bisher eher nach Stuttgart oder Karlsruhe gefahren sind zum Einkaufen.“ Und davon können alle Modehändler profitieren – ja, die ganze Innenstadt.

Ziemlich begeistert äußert sich deshalb auch der Centermanager der benachbarten Schlössle-Galerie. „Toll“, sei es, dass Zara kommt, sagt Jochen Sauer. Nicht nur, weil er selbst ganz gerne dort shoppt. Sondern vor allem, weil der Zuzug das Areal rund um den Leopoldplatz aufwerte. Sorgen macht sich Sauer wegen der Konkurrenz zu vergleichbaren Läden wie H&M in der Schlössle nicht, im Gegenteil: „Da sehe ich eher eine Synergie aufgrund der Strahlwirkung, die beide Shops auf Kunden erzeugen. Dies wird nicht nachteilig sein.“ Nach Sauers Erfahrung dürfte die Ansiedlung von Zara auf die mittlere Sicht noch mehr positive Wirkung entfalten – andere große Ketten könnten folgen. „Das werden wir noch nicht im nächsten Jahr sehen, aber vielleicht im übernächsten. So wie die Schlössle-Galerie den Weg für andere Shops am Leopoldplatz geebnet hat. Da führt eins zum andern“, so der Centermanager.

In diesem Fall dürfte sich das Einkaufsgeschehen in der City allerdings noch mehr Richtung Leopoldplatz verlagern als bisher schon. Eine Gefahr für die Fußgängerzone fürchtet Einzelhandelssprecher Lenk dennoch nicht: „Ich sehe das völlig entspannt. Der Standort in der 1A-Lage am Leopoldplatz ist genau in der Mitte. Da gibt es keine Schwierigkeiten für die Fußgängerzone.“ Schlössle-Galerie-Manager Sauer hat auf die örtlichen Gegebenheiten ohnehin eine andere Perspektive: „Die Fußgängerzone endet für mich erst bei der Schlössle-Galerie.“ Gefühlt sei die Verschiebung des Schwerpunkts bereits vorhanden.

„Ein weiterer Schub für die Innenstadt“, so bewertet der Oberbürgermeister Zaras Entscheidung, sich langfristig in Pforzheim zu engagieren. Das Stadtoberhaupt sieht die Niederlassung des Textilunternehmens im Zusammenhang mit den Projekten von Leopoldplatz über Fußgängerzone bis Innenstadt-Ost. Vier Millionen Euro will die Stadt ab 2017 in die Gestaltung der Fußgängerzone investieren. Zu den Maßnahmen gehören unter anderem neuer Belag und neues Mobiliar. „Wir brauchen eine Erlebniskultur“, sagt Hager über den Umgang mit dem öffentlichen Raum.

In Sachen Optik hätte Centermanager Sauer noch einen Vorschlag: „Vielleicht muss man die Fußgängerzone gedanklich auch mal neu abstecken und baulich integrieren  – also die ,alte‘ Fußgängerzone und den Leopoldplatz optisch zusammenführen.“