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Andreas Baum, Geschäftsführender Gesellschafter von Sihn. Foto: Kollros
Andreas Baum, Geschäftsführender Gesellschafter von Sihn. Foto: Kollros
09.08.2017

Zurück in der Erfolgsspur: Autozulieferer Sihn nach Insolvenz und Umzug nach Mühlacker wieder auf Wachstumskurs

Mühlacker. Knapp sechs Jahre ist es her, dass die ehemalige Robert Sihn GmbH (Niefern) ins Schlingern geriet und in die Insolvenz ging. Seit 2012, als neue Gesellschafter das marode Unternehmen übernommen hatten, wurde der Betrieb schrittweise saniert und wieder auf Erfolgskurs gebracht. Unter der Firmierung Sihn GmbH stehen heute über 400 Mitarbeiter in zwei Werken in Mühlacker in Lohn und Brot.

Als traditioneller Zulieferer im Automobil- und Nutzfahrzeugbereich stellt Sihn Teile und Baugruppen aus Stahl her, die im Bereich mechanischer Verbindungen sowie fluidischer Systeme etwa im Kraftstoff- und Ölkreislauf Verwendung finden. Das Unternehmen bezeichnet sich in seinen Kernkompetenzen als Marktführer mit dem selbst auferlegten Anspruch, diese Stellung konsequent auszubauen. Andreas Baum, Geschäftsführender Gesellschafter, verweist auf drei Säulen der Unternehmenskultur: Tradition, Innovation und Wachstum.

Immerhin kann sich Sihn auf eine über 75-jährige Historie seit der ursprünglichen Gründung 1939 berufen. Mehr denn je ist mittlerweile mit den Namen Sihn der Anspruch verbunden, innovative Lösungen für die Fragestellungen der Kunden zu realisieren. Diese Zielsetzung gelinge, so Geschäftsführer Baum, weil eine qualifizierte und motivierte Belegschaft dieses Bestreben auch umzusetzen versteht. Sihn setzt dabei sowohl auf die Weiterbildung seiner langjährigen Mitarbeiter, die auch heute noch bis zu 40 Jahre im Unternehmen tätig sind, als auch auf die Ausbildung qualifizierter Facharbeiter und dualer Studenten.

2014 fiel die Entscheidung, den Standort Niefern aufzugeben und die Produktion in zwei Werken in Mühlacker neu zu organisieren. Dazu wurde für die Fertigung von Baugruppen eine Halle im Industriegebiet „Lugwald“ angemietet und die Drehteile-Fertigung am 2002 bezogenen Standort „Waldäcker“ konzentriert und sukzessive ausgebaut. In diesem Sommer wurde der Maschinenpark um drei auf jetzt elf Mehrspindler-Drehautomaten aufgestockt.

Geschäftsführer Baum bezifferte das Investitionsvolumen in diesem Jahr auf 2,5 Millionen Euro, und die selbe Summe werde im nächsten Jahr allein in Mühlacker bereitgestellt. Bereits im vergangenen Jahr ging die für rund drei Millionen Euro errichtete neue Logistikhalle mit Hochregallager auf dem neu dazu erworbenen Gelände in Betrieb.

Einen weiteren Produktionsstandort hat Sihn bei Plovdic in Bulgarien, der im vergangenen Jahr in Betrieb ging. Produkte, die in Deutschland nicht mehr wirtschaftlich gefertigt werden können, werden im bulgarischen Zweigwerk hergestellt, so Baum, dem hinzufügend: „Und nicht dem Wettbewerb Indien oder China überlassen“. Im bulgarischen Werk sind derzeit rund 20 Mitarbeiter beschäftigt. Auch deshalb, weil die deutsche Automobilindustrie diese Flexibilität und Kostenvorteile von seinen Lieferanten erwarte, und nur unter dieser Voraussetzung bereit sei, langfristige Verträge einzugehen. 2016 wurden 43 Millionen Euro Umsatz erreicht, die in diesem Jahr angepeilte Steigerung liege zur Jahresmitte „im Plan“, ebenso das Betriebsergebnis. Im kommenden Jahr soll die 50-Millionen-Marke geknackt werden. Sihn erwirtschaftet diesen Umsatz mit rund 310 aktiven Kunden weltweit.