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Die blogfoster-Gründer Simon Staib und Jan Homann mit Dominic Umbeer (von links). Foto: Privat
Die blogfoster-Gründer Simon Staib und Jan Homann mit Dominic Umbeer (von links). Foto: Privat
03.03.2017

blogfoster-Gründer aus Pforzheim über ihr Wachstum: „Deshalb mussten wir nach Berlin“

Pforzheim/Berlin. Geld verdienen mit dem eigenen Blog – das wollen die Startup-Gründer Jan Homann und Simon Staib den Deutschen leichter machen. Und auch den Engländern. Und den Franzosen. Der ganzen Welt. Ihr Unternehmen „blogfoster“ vernetzt Werbetreibende mit Bloggern und Nutzern von anderen sozialen Medien. In den vergangenen drei Jahren ist die Vision der beiden immer größer geworden. Mittlerweile verfügt das Unternehmen über 30 Mitarbeiter und rund 350 Kunden. Die Gründer des Startups stammen aus Pforzheim. Nun sind die jungen Unternehmer aber in Berlin zu Hause – in der boomenden Metropole werden jährlich rund 40 000 neue Unternehmen gegründet.

Um Pforzheim für Gründer attraktiver zu machen, müsste mehr Akzeptanz für Startup-Kultur geschaffen werden. Außerdem würden Förderprogramme jungen Unternehmen auf die Beine helfen. „Wenn wir in Pforzheim eine Gründerfinanzierung gefunden hätten, die die Anwaltskosten für unseren ersten Vertrag finanziert oder Steuerberatungskosten für das erste Jahr übernommen hätte, hätte es anders ausgesehen“, sagt Gründer Homann. Die blogfoster-Chefs kannten sich von der Schulzeit in der Goldstadt.

Beide wollten unternehmerisch tätig werden und hatten sich zusammen mehrere Ideen durch den Kopf gehen lassen. Damals studierte Homann Management am Bodensee, Staib Interface Design in Berlin. Zu Weihnachten 2012 trafen sich die beiden daheim. „Wir haben dann zusammengesessen und diese Ideen konkretisiert“, erzählt Homann.

Schnell ergab es sich, dass auch Jan Homann nach Berlin zog. Denn in der Gründerphase brauchen Startups vor allem Kapital und die Hilfe von Experten. In die Berliner Gründerszene fließt auch europaweit das meiste Kapital – 2015 waren es gut 2,1 Milliarden Euro.

Blogfoster wurde in ein Innovationsprogramm von Axel Springer aufgenommen. Die Gründer saßen dann drei Monate lang zusammen mit anderen Startups in einem Büro. Die Phase war sowohl intensiv als auch produktiv. „Man arbeitet an den gleichen Problemen. Jeder fragt jeden. Wir haben alle Tag und Nacht gearbeitet. Alle volle Kanne. Das war ein gutes Umfeld“, erzählt Homann. Wäre es möglich gewesen, das Startup in Pforzheim zu gründen? „Ja, aber es wäre deutlich langsamer gegangen. Es wäre schwer gewesen, an Kapital zu kommen, erläutert der Jungunternehmer. „Für ganz viele Investoren ist es auch wichtig, dass man ganz nah daneben sitzt“, sagt Homann. Dazu gäbe es sogar eine Theorie, dass Kapitalgeber nicht investieren, wenn die Unternehmen über 50 Kilometer entfernt liegen. Noch dazu seien sprachbegabte Mitarbeiter für das Unternehmen wichtig. „Wir machen die Internationalisierung aus Berlin: Native Englisch, native Französisch – das in Pforzheim zu finden wird schwierig“, sagt Homann.

Auch der Referatsleiter der AHK-Mitgliedschaft des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Michael Blank, sagt, dass es schwer sein kann, außerhalb der größten Städte ein Jungunternehmen schnell zum Wachsen zu bringen. Neben Finanzierung und Expertenhilfe ist vor allem auch das Humankapital wichtig. „In Berlin, Hamburg, Dortmund oder München hat man höchstwahrscheinlich keine Probleme, als Startup gute Mitarbeiter zu finden“, so Blank. Zudem brauchen diese ein internationales Umfeld. Schnelles Wachstum ist Teil der Definition von Startup, und deshalb müssen sie gleich in internationales Gewässer springen. An kleineren Orten gäbe es aber auch Vorteile. Die Mietkosten in Berlin steigen. „Wir haben schon 60 Büros  besichtigt und die Mietpreise sind teilweise so hoch wie in München. In Pforzheim könnten wir deutlich billiger mieten. Im Süden gibt es auch mehr Werbetreibende“, so Homann.