Drive-in-Impfaktion in Meerbusch
Die Impfkampagne sei, wie die Bewältigung der Pandemie insgesamt, eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, so das Sozialministerium in seiner Pressemitteilung.
picture alliance/dpa | Henning Kaiser
Baden-Württemberg
Baden-Württemberg überschreitet Marke von 5 Millionen Corona-Impfungen - Pforzheim Schlusslicht im Land
  • pm/pz

Stuttgart/Pforzheim/Enzkreis/Kreis Calw. Voraussichtlich an diesem Wochenende findet in Baden-Württemberg die fünfmillionste Impfung in den Impfzentren oder durch die an die Zentren angeschlossenen mobilen Impfteams statt. Das gab das Sozialministerium am Samstag in einer Pressemitteilung bekannt. Als das Land zuletzt Zahlen zu den Geimpften in der Region veröffentlichte, zeigte sich erneut, dass Pforzheim beim Impfen Schlusslicht in Baden-Württemberg ist.

„Die leistungsfähige Infrastruktur hat sich bewährt, das ist ein großer Erfolg. Mein Dank gilt deshalb allen dortigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, sagte der Amtschef des Gesundheitsministeriums, Dr. Uwe Lahl. „Gleichzeitig ist es schade, dass die Impfzentren derzeit aufgrund des Impfstoffmangels nur zu etwa 60 bis 70 Prozent ausgelastet sind. Aus diesem Grund setzen wir uns beim Bund auch weiterhin dafür ein, dass die Impfzentren mehr Impfstoff bekommen. Wenn das der Fall ist, können wir sie sofort unter Volllast setzen und weiter Tempo machen.“

Mehr als 43 Prozent in Baden-Württemberg mindestens einmal geimpft 

Bis einschließlich 3. Juni wurden mehr als 43 Prozent der Baden-Württembergerinnen und Baden-Württemberger mindestens einmal geimpft. Unter den besonders zu schützenden über 60-Jährigen sind es bereits mehr als 77 Prozent. Impfzentren, mobile Impfteams und seit Ostern auch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte haben gemeinsam zu diesem Erfolg beigetragen. Ab der kommenden Woche beginnen auch die Betriebsärztinnen und -ärzte zu impfen. 

Pforzheim hinkt hinterher

In Pforzheim waren nach Angaben des Sozialministeriums von Anfang Juni 11,7 Prozent der Einwohner zwei Mal geimpft, einmal geimpft waren 31,5 Prozent. In absoluten Zahlen hatten in der Goldstadt demnach bislang 39.760 Menschen ihre Erst- und weitere 14.734 Personen ihre Zweitimpfung bekommen.

Die Impfkampagne sei, wie die Bewältigung der Pandemie insgesamt, eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, so das Sozialministerium in seiner Pressemitteilung von Samstag weiter. Es gehe darum, die Bevölkerung in möglichst kurzer Zeit zu impfen. Das sei nur durch einen gemeinsamen Kraftakt von Impfzentren, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten und ab der kommenden Woche auch der Betriebsärzteschaft möglich.

Ministerium lobt Impfaktionen 

Vielerorts zeigen Kommunen, die Impfzentren und ihre mobilen Teams, dass es mit kreativen Ideen und Engagement gelingt, die Impfungen direkt zu den Menschen zu bringen – insbesondere auch in Teile der Gesellschaft, die bislang noch nicht erreicht wurden. Beispiele sind etwa Vor-Ort-Aktionen in sozial benachteiligten Stadtteilen oder auch der Kreisimpfbus, mit dem Landkreise und die niedergelassene Ärzteschaft gemeinsam Menschen vor Ort in den Kommunen ein Impfangebot machen. Auch in Pforzheim und der Region fanden bereits mehrfach solche Aktionen statt, zuletzt etwa im CCP oder auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Huchenfeld.

 „Alle lokalen Aktionen, die uns dabei helfen, den Impfstoff schnell und effizient zu verimpfen, finden bei uns große Unterstützung“, so Dr. Lahl.

„Die Landkreise und kreisfreien Städte haben derzeit sehr unterschiedliche Impfquoten. Dafür gibt es nicht den einen erklärenden Faktor. Bevölkerungszahl, Impfstoffmengen, die Frage, ob ein Zentrales Impfzentrum im Stadt- oder Landkreis liegt oder die Entfernung zum nächsten Impfzentrum sind letztlich keine Indikatoren, die jeweils für sich genommen Unterschiede erklären könnten.“

Stuttgart liegt leicht unter Impfquote

Als Beispiel nannte der Amtschef etwa die Landeshauptstadt Stuttgart, die trotz gleich zweier Zentraler Impfzentren etwas unter der Landes-Impfquote liege. So seien die zwei Stuttgarter Zentralen Impfzentren eine Anlaufstelle für viele Menschen aus der ganzen Region, und die mobilen Impfteams der Zentralen Impfzentren bringen die Impfungen auch in zahlreiche Einrichtungen der von ihnen mit betreuten Landkreise.

Auch Unterschiede in der Altersstruktur der Landkreise seien nur ein Faktor unter vielen. So habe Baden-Baden als Stadtkreis mit dem höchsten Altersdurchschnitt die dritthöchste Impfquote. Ein Zusammenhang sei jedoch bundesweit recht deutlich geworden: „Einkommen, Bildung und persönliche Lebensumstände haben einen deutlichen Einfluss darauf, wie gut der Zugang zu einer Impfung ist“, so der Amtschef des Gesundheitsministeriums. „Menschen mit geringem Einkommen oder einer geringeren formalen Bildung sowie aus sozial benachteiligten Stadtteilen sind oft noch nicht geimpft, obwohl dies anhand der Priorität schon lange möglich wäre.“ Gleichzeitig seien die Impfquoten in den Universitätsstädten und in Städten sowie Landkreisen oder in Stadtvierteln mit hohen Durchschnittseinkommen in vielen Fällen überdurchschnittlich.

„Ich begrüße es deshalb sehr, dass sich bereits viele Kommunen im Land der Herausforderung stellen, die Impfungen breit in die Gesellschaft zu tragen. Mit sogenannten sozialen Stadtteilimpfungen hat es etwa Mannheim geschafft, die Impfquote in den jeweiligen Stadtteilen deutlich zu steigern – und das bringt natürlich die Impfquote der ganzen Stadt voran“, ergänzte Dr. Lahl.

Zweitimpfungen haben Priorität bei der Impfstoffverteilung

„Bei der Impfstoffverteilung ist uns besonders wichtig, die Zweitimpfungen abzusichern. Schon das wird bei den geringen Liefermengen des Bundes nicht einfach. Wir werden, wenn es darüber hinaus möglich ist, auch zusätzliche Mengen in die Regionen geben, wo die Impfquoten vergleichsweise niedrig sind. Da die Menschen in Baden-Württemberg nicht an ein bestimmtes Impfzentrum gebunden sind, ist unklar, ob wir dadurch am Ende auch wirklich eine gleichmäßige Impfquote in den Stadt- und Landkreisen erreichen. Schon heute haben wir Impfzentren, in denen mehr als die Hälfte der Menschen aus Nachbarkreisen kommt. Daher sollte das solidarische Miteinander zwischen den Stadt- und Landkreisen aufrechterhalten werden. Die unterschiedlich hohe Impfquote zwischen den Stadt- und Landkreisen ist nur ein vorübergehender Zustand“, so der Amtschef des Gesundheitsministeriums abschließend.