Im kommenden Jahr soll an den Karlsruher Bahngleisen eine große Laubenkolonie entstehen, jetzt rückten erst einmal die Kampfmittelbeseitiger an. Bei Bauarbeiten in der Nähe des Hauptbahnhofs war zuvor eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Am frühen Abend wurde der 250 Kilogramm schwere Blindgänger amerikanischer Bauart erfolgreich entschärft. «Er wurde unmittelbar nach der Entschärfung verladen und abtransportiert», sagte ein Stadtsprecher.
Die Polizei hatte zunächst ein Gelände im Umkreis von 200 Metern um den Fundort herum geräumt. In der Zone sind nach Angaben der Stadt rund 1.000 Menschen gemeldet, die nach der Entschärfung wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren konnten.
Auch Bahnstrecken wieder frei
Die zeitweise gesperrte Bahnstrecke nördlich von Karlsruhe wurde ebenfalls wieder freigegeben. Durch die «Fächerstadt» führt auch die wichtige Nord-Süd-Bahnstrecke für den ICE-Verkehr. Die Bahn warnte aber noch vor Verspätungen, bis sich der Zugverkehr wieder normalisiert habe.
Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) dankte nach der Entwarnung allen Einsatzkräften von Kampfmittelbeseitigungsdienst, Polizei und Feuerwehr, den Hilfsorganisationen und der Stadt. «Durch ihren gemeinsamen Einsatz konnte die Weltkriegsbombe schnell, sicher und erfolgreich beseitigt werden», sagte er.
Riesige Evakuierungsaktion vor kurzem in Pforzheim
Im Mai wurde in Pforzheim eine 1,8-Tonnen schwere Bombe bei routinemäßigen Bauarbeiten für den neuen Quartierspark in der Oststadt gefunden. 30.000 Menschen mussten für die Entschärfung evakuiert werden:


Experten von Zustand überrascht: Pforzheims Weltkriegsbombe könnte tatsächlich Ausstellungsstück werden


Liveticker zum Nachlesen: So sieht die Fliegerbombe aus dem Oststadtpark aus
Immer wieder werden Bomben in Baden-Württemberg entdeckt
Auch mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden in Baden-Württemberg immer wieder Fliegerbomben entdeckt. Am Bahnhof in Bruchsal (Landkreis Karlsruhe) beispielsweise war erst vor wenigen Wochen eine Fliegerbombe entschärft worden, im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt Anfang Juli.
Im vergangenen Jahr hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg 19 Bombenblindgänger (2024: 13) mit einem Gewicht von je mindestens 50 Kilogramm unschädlich gemacht. 17 seien entschärft worden, 2 kontrolliert gesprengt, heißt es in einer Mitteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart. Bei 930 Einsätzen (2024: 811) hätten die Fachleute rund 18,8 Tonnen Kampfmittel und Munition (2024: 16,6 Tonnen) eingesammelt, die auf Baustellen, Privatgrundstücken oder in freier Natur entdeckt worden waren.
Weitere Blindgänger-Funde möglich
Je nach Fundort und Zustand der Weltkriegsrelikte handeln die Behörden sofort. In anderen Fällen vergehen einige Tage zwischen Fund und Evakuierung. In dieser Zeit werden die Räumungsmaßnahmen dann vorbereitet.
Im Zweiten Weltkrieg wurden laut dem Stuttgarter Regierungspräsidium etwa 1,35 Millionen Tonnen Munition auf das Gebiet des damaligen Deutschen Reichs abgeworfen. «Alleine auf das Land Baden-Württemberg entfielen rund 100.000 Tonnen Abwurfmunition.» Hiervon seien etwa 10 bis 15 Prozent nicht explodiert, so dass noch viele Blindgänger in Böden und Gewässern vermutet würden.
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