«Ich kann Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen. Das muss ich leider so sagen», sa
Juden fühlen sich durch zunehmenden Antisemitismus massiv bedroht - auch in Baden-Württemberg. Judenfeindliche Verschwörungsmythen sind demnach weit verbreitet. Seit Beginn der Corona-Pandemie werden diese demnach zusätzlich befeuert.  Foto: dpa-Archiv/Fredrik von Erichsen 

Corona-Krise befeuert Antisemitismus - Juden im Land fühlen sich laut Stiftung zunehmend bedroht

Baden-Württemberg. Juden fühlen sich durch zunehmenden Antisemitismus massiv bedroht - auch in Baden-Württemberg. Das geht aus dem «Zivilgesellschaftlichen Lagebild Antisemitismus» hervor, das die Amadeu Antonio Stiftung am Mittwoch veröffentlichte. Judenfeindliche Verschwörungsmythen sind demnach weit verbreitet.

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Seit Beginn der Corona-Pandemie werden diese demnach zusätzlich befeuert. «Die Behauptung, eine mächtige, raffgierige Elite habe das Coronavirus erfunden, um eine globale Diktatur zu errichten, mündet in Antisemitismus und NS-Vergleichen», teilte die Stiftung mit. Konstant weit verbreitet sei auch ein schuldabwehrender Antisemitismus, bei dem ein Ende des «Schuldkults» und ein «Schlussstrich» unter die Erinnerung an den Nationalsozialismus gefordert werden. Diese Erinnerungskultur werde von der AfD infrage gestellt - auch im baden-württembergischen Landtag.

"Die Behauptung, eine mächtige, raffgierige Elite habe das Coronavirus erfunden, um eine globale Diktatur zu errichten, mündet in Antisemitismus und NS-Vergleichen."

Amadeu Antonio Stiftung

Internet macht Antisemitismus deutlich

Den Angaben zufolge werden Juden im Internet besonders stark mit Anfeindungen konfrontiert. «Das Internet hat den Antisemitismus deutlich sichtbarer gemacht», sagte der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden und Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Pforzheim, Rami Suliman. Er betonte aber, dass Antisemiten «nie weg» gewesen seien. Auf Schulhöfen sei «Jude» ein Schimpfwort.

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Antisemitische Straftaten waren nach Angaben des Antisemitismus-Beauftragten der Landesregierung, Michael Blume, zuletzt enorm angestiegen, allein zwischen 2017 und 2018 um 40 Prozent.

In der Folge tragen viele Juden keine religiösen Symbole mehr in der Öffentlichkeit, viele verschweigen in bestimmten Situationen ihre Identität. Die Stiftung fordert, das Engagement gegen Antisemitismus zu fördern sowie Frühwarnsysteme und Forschung auszubauen. Die nicht-jüdische Mehrheitsgesellschaft müsse sich solidarisch zeigen und deutliche Signale senden, dass sie Betroffene nicht allein lässt.

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Ziel der Amadeu Antonio Stiftung ist es nach eigenen Worten, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Die gemeinnützige Stiftung steht unter der Schirmherrschaft des früheren Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse.