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Das Vereinsheim des MC Gremium in Rastatt wurde von der Polizei durchsucht. Die Aktion war eine Folge der Ermittlungen zu einer Messerstecherei in Baden-Baden, bei der ein Mann überfallen und fast getötet wurde. © Symbolbild: dpa
17.06.2013

Mann fast erstochen - Vereinsheim des MC Gremium durchsucht

Baden-Baden/Rastatt. Eine Rockervereinigung hat möglicherweise ihre Hand im Spiel bei einem beinahe tödlichen Überfall auf einen 35-Jährigen in Baden-Baden. Die Polizei durchsuchte am Montag ein Vereinsheim des MC Gremium in Rastatt. Dabei seien Beweismittel gefunden worden, die derzeit noch ausgewertet würden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

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Der Mann war vor einem Monat am 13. Mai um 2.15 Uhr von drei maskierten Männern im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses in Baden-Baden überfallen, niedergeschlagen und fast durch mehrere Messerstiche erstochen worden. Streifenpolizisten hatten wenig später einen 25 Jahre alten Verdächtigen vorläufig festnehmen können. Seine beiden mutmaßlichen Komplizen flüchteten.

Im Oktober 2011 konnte die Rastatter Polizei einen Schlag gegen die regionale Rockerszene landen. Sie stellte in zwei Wohnungen eine Reihe von Waffen sicher, zog damals der Leiter der Polizeidirektion, Kurt Wintermantel, eine Bilanz der einjährigen Überwachung des Rockerclubs MC Gremium. Insgesamt kamen im Juli 2011 bei einer Razzia 21 Schusswaffen zusammen, darunter 13 scharfe Waffen wie Pump-Guns und Flinten sowie eine Maschinenpistole. Außerdem fanden die Beamten 350 Schuss Munition und diverse Schlaggeräte aus Holz und Metall.

Später dann kam es im Januar 2012 zu einer Gerichtsverhandlung gegen Mitglieder des Rockerclubs Gremium MC. Angeklagt waren der Präsident des Chapters Baden-Baden sowie die Sicherheitschefs des Clubs. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen und zwei weiteren Angeklagten Drogendelikte in großem Umfang und Waffenbesitz vor.

MC Gremium ist nach eigenen Angaben einer der größten Motorradclubs in Deutschland. Auch in Pforzheim kennt man die Gremium-Rocker. Die hatten vor rund drei Jahren mit einer Sternfahrt nach Pforzheim den Hells Angels eine Art Drohgebärde übermitteln wollen, scheiterten aber mit ihrem Motorrad-Korso an einem großen Polizeiaufgebot. Möglicher Hintergrund dieser verhinderten Machtdemonstration: Im Sommer 2010 gab es auf Mallorca eine stundenlange Massenschlägerei zwischen Mitglieder von Hells Angels und Gremium MC.

Der „Portus Run“ sollte eine gemeinsame Ausfahrt der geladenen Mitglieder verschiedener Chapter aus dem süddeutschen und mitteldeutschen Raum mit anschließender Party im Clubhaus des Gremium MC Pforzheim an der B294 auf Birkenfelder Gemarkung werden. Als der Präsident der Polizei gegenüber wenige Tage vor der Zusammenkunft ankündigte, dass die Ausfahrt nur eine halbe Stunde dauern und durch Pforzheim führen sollte, läuteten bei den Beamten die Alarmglocken. Die Polizei ging auf das Amt für öffentliche Ordnung zu, um gemeinsam das weitere Vorgehen abzustimmen.

Das Amt für öffentliche Ordnung verbot deshalb den Gremium-Mitgliedern in bestimmte Teile der Stadt mit entsprechenden Vereins-Emblemen einzufahren. Gemeint war zum Beispiel eine Zone rund um das damalige, in der Nordstadt liegende Vereinsheim der inzwischen verbotenen Pforzheimer Hells Angels. An wichtigen Einfallstraßen gab es daher strenge Kontrollen, um eine mögliche Auseinandersetzung im Vorfeld zu verhindern.