Wolf
Es gibt wieder Wolfsnachwuchs im Südwesten. (Archivbild)
Bernd Weißbrod/dpa
Baden-Württemberg
Neues Wolfsrudel im Südwesten - Welpe tappt in Fotofalle

In Baden-Württemberg tapst wieder mindestens ein Welpe durch den Schwarzwald – und damit gibt es ein neues Wolfsrudel. Der mutmaßliche Vater ist schon seit Jahren bekannt im Oberen Enztal: der Rüde GW852m. Er gilt dort seit 2017 als sesshaft und hat vor allem mit einer Attacke auf eine Schafherde zwischen Bad Wildbad und Enzklösterle für landesweites Aufsehen gesorgt, bei dem über 40 Tiere starben. Auch ein totes Schaf beim Sommerberghotel ging 2019 auf sein Konto.

Mehr als zwei Jahre nach dem Tod des damals einzigen Welpen auf einer Straße am Schluchsee im Südschwarzwald sei am 17. September wieder ein kleiner Wolf in Baiersbronn abgelichtet worden. „Dieser konnte zweifelsfrei als Wolfswelpe bestätigt werden“, teilte die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg mit. Welches Geschlecht der junge Wolf hat und ob es weitere Welpen gibt, ist aktuell nicht bekannt.

Schon seit einiger Zeit streunte im Nordschwarzwald ein Wolfspaar herum – die mutmaßlichen Eltern des Welpen: Eine erst seit kurzem ansässige Wölfin und ihr Partner, GW852m. Experten wie Micha Herdtfelder von der FVA hatten es schnell für sehr wahrscheinlich gehalten, dass die Verpaarung funktioniert hatte.

„Wildbiologisch gesehen klappt eine Verpaarung zwischen Wölfen meistens“, hatte der Experte gesagt.

Die Wölfin war früheren Angaben zufolge vermutlich im Februar oder März trächtig geworden, die Tragezeit beträgt um die 60 Tage. Normalerweise hat ein Wurf vier bis sechs Welpen. Die Sterblichkeit ist allerdings hoch. Rund zwei Drittel der Jungtiere sterben in den ersten zwei Lebensjahren. So können ihnen Fressfeinde wie Eule, Fuchs oder auch Luchs zum Verhängnis werden – später vor allem Hunger, Krankheiten oder der Autoverkehr. Wölfe sind laut Herdtfelder monogam und kümmern sich gemeinsam um ihren Nachwuchs.

Bis der Nachwuchs in eine Fotofalle tappte, mussten sich Wolfsfans jedoch gedulden. Denn direkt nach der Geburt sind die Welpen, zunächst nur etwa 500 Gram leicht, noch taub und blind und bleiben im Nest. Erst später verlassen sie den Bau. Damit stieg in den vergangenen Monaten auch die Chance, einen oder mehrere Welpen zu Gesicht zu bekommen.

In der Vergangenheit war die Zahl der sesshaften Wölfe im Land höher. Einige wanderten ab oder wurden überfahren. Ein Rudel aber hatte es nicht mehr gegeben, seit der einzig lebende Welpe Ende 2023 in der Nähe des Schluchsees überfahren wurde. Im April 2024 starb dann das Muttertier bei einem Auto-Unfall nahe Lenzkirch. Es war trächtig mit mehreren Welpen. Weibchen für möglichen Nachwuchs gab es danach länger nicht mehr im Südwesten.

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