Pforzheim. Im kühlen Nass einfach mal entspannt seine Bahnen ziehen – für viele Pforzheimer ist das ein Wunschtraum. Das neue Ausstellungsprojekt „Wertmassen im Stattbad“ der Fotografin Maks Dannecker macht dies nun möglich, in der Jugendstil-Atmosphäre der ehemaligen Schwimmhalle des alten Emma-Jaeger-Bads. Und zwar virtuell, mit einer aufwendig, detailgetreu und optisch beeindruckend gestalteten 360-Grad-Begehung. Die Besucher können die Werke von weiter weg, aber auch aus der Nähe entdecken, indem sie hineinzoomen.
Unkonventionelle Optionen
Dannecker setzt sich thematisch mit der Schwimmhalle auseinander. Dabei greift die Künstlerin auf ihre auf wenige Farben reduzierte, fast geheimnisvolle Bildserie zurück. Sie verknüpft das Streben nach materiellen Werten und den Hype um den Börsenhandel und lässt dies in „Pool-Bildern“ gipfeln. Der Pool steht für die Fotografin dabei als Sammelbecken und Lagermöglichkeit in vielerlei Beziehung. Der Tresor als sicherer Ort und Schutzbehältnis birgt in ihrer freien Arbeit aber nicht (nur) materielle Werte, sondern erscheint offenkundig weiter gefasst zu sein.
Dannecker beschreibt ihre Pool-Bilder mit einem Augenzwinkern als „unkonventionelle Optionen, Tresore zur Lagerung von Edelmetallen“: Was an dieser Aussage real, was fiktiv ist, verrät sie nicht. Mal als Panorama, mal nahsichtig ausschnitthaft angelegt, ragen im Wechselspiel von extremen Schärfen und bewussten Unschärfen Fragmente weißer Baukörper aus wolkig schwarzen Vegetationen als Embleme von Landschaft. Türkis fluide Flächen lösen beim Betrachter die Assoziation von Rand- und Uferlagen künstlich angelegter Gewässer aus.

Mit der ersten Ausstellung „Betrachtung und Widerstreit“ startete das Projekt „Stattbad. Virtueller Projektraum 2019 im alten Emma-Jaeger-Bad“. In der ehemaligen Männerschwimmhalle des Bades, die seit vielen Jahren öffentlich nicht zugänglich ist, werden Kunst- und Designprojekte mit 360-Grad- Rundgängen virtuell erlebbar.
Digitale Plattform
„Das Stattbad gibt Kreativschaffenden eine digitale Plattform für ihre Projekte in der besonderen Atmosphäre der alten Schwimmhalle. Unsere spezielle Technik schafft dabei ein sehr realistisches Raumerlebnis, ermöglicht es dem Betrachter aber gleichzeitig, ungewöhnliche Perspektiven einzunehmen“, sagt Matthias Lüben vom Unternehmen Raumgang. Der Initiator und Leiter des Projekts hatte Dannecker über gemeinsame Freunde aus dem Kulturbereich kennengelernt und dazu eingeladen, ein raumbezogenes Konzept zu erstellen. Dann haben die beiden vor Ort die einzelnen Werkgruppen besprochen, bevor Lüben ans Realisieren ging. „Die große Herausforderung bestand beim Anordnen der Wertmassen darin, die natürlichen Lichtverhältnisse mit den technischen Besonderheiten des virtuellen Rundgangs in Einklang zu bringen“, so Lüben. Die Umsetzung erfolgte daher Zug um Zug mit digitaler Technik in mehreren Scanvorgängen. Das Format einer digitalen Installation ist seiner Ansicht nach perfekt geeignet, um Kunst und Kultur jederzeit Raum zu geben und historische Gebäude wie die alte Schwimmhalle wiederzubeleben.


Eintauchen in die Kunstwelt - „Stattbad“ ermöglicht 360-Grad-Rundgang durch Ausstellung
„Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, Kreativschaffenden eine Präsentationsmöglichkeit zu bieten, die zudem auch den Standort Pforzheim überregional positioniert“, ergänzt Almut Benkert, Fachbereichsleiterin Kreativwirtschaft beim Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim. Das „Stattbad“ ist eine Kooperation Pforzheimer Kreativschaffender mit dem EMMA-Kreativzentrum. Auch das nächste Projekt ist bereits in Vorbereitung: die Performance „Der Massenmensch“ der Designerinnen Janina Au und Lena Hetzel.
Die Installation „Wertmassen im Stattbad“ sowie die vorherige Ausstellung „Betrachtung und Widerstreit“ sind im Internet unter www.stattbad.digital abrufbar.
Maks Dannecker
Die gelernte Fotografin (Jahrgang 1976, wohnhaft in Salach) verarbeitet bevorzugt Fragmente aus ihrem beruflichen und privaten Alltag in verschiedenen Werkserien. Dannecker zeigte ihre Arbeit bislang national und international in einer Vielzahl von Ausstellungen und Beteiligungen. Seit 2019 ist sie Mitglied der Neuen Gruppe, Haus der Kunst, München. Ihre Arbeiten sind in verschiedenen Sammlungen vertreten, etwa in der renommierten Berliner Sammlung Haupt: „Dreißig Silberlinge – Kunst und Geld“, sowie in der Salzburger Sammlung Spallart.

