Liebevoll gestaltete Figuren und überraschende Zaubereffekte sorgen bei der Premiere für staunende Kinderaugen.
Frommer
Kultur
„Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“: Ein Grimm-Märchen verzaubert den Mottenkäfig
  • Robin Daniel Frommer

Pforzheim. Kindgerechte Premiere am Samstagnachmittag: Mit der gekonnt „verjüngten“ Neuinszenierung des Grimm‘schen Märchens „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ bereitete die Marionettenbühne Mottenkäfig allen Kindern und Junggebliebenen ein 60-minütiges Bühnenfest der Fantasie.

Weitere Aufführungen sind geplant, die nächste wird am Sonntag, dem 19. April folgen; es gibt noch Restkarten.

Was wird von der gut besuchten Premiere im Gedächtnis bleiben?

Bei den Dreikäsehochs ganz sicher die Wohnstube der Ellermutter, in der Besteck, Tassen und Teller, von Zauber bewegt, durch die Luft schwirrten wie sonst nur in Zeichentrick- oder Fantasyfilmen. Und bei den Erwachsenen: Vielleicht die erstaunliche Ruhe, die unter den erwartungsfrohen Kindern bereits herrschte, bevor die Aufführung begann – und die letztlich Regisseur Matthias Hamanns Meinung bestätigte, dass „modern erzählte“ Märchen die Magie besitzen, auch die Fantasie heutiger Kids zu beflügeln. Und frei von jedem Kniefall in vorauseilendem Gehorsam vor Jugendsprache, sozialen Medien, anderen Modeerscheinungen oder Wirren des Zeitgeists

Worauf konnte Matthias Hamann zurückgreifen?

Das sind in erster Linie die vom bekannten Pforzheimer Grafiker und Mottenkäfig-Urgestein Rainer Mürle (1930-2008) vor 45 Jahren gestalteten Figuren der bezaubernden Marionetten: Teufel, König und Reitpferd, die elegante Prinzessin, der Fährmann, die zauberkundige Ellermutter und allerlei Menschen, denen das Glückskind auf der Suche nach der Hölle begegnet. Wo es bei Figuren und Bühnenbild Bedarf gab, ergänzte der Dresdner Puppen-Designer Matthias Hänsel sowie Alexandra Berger. „Der Krönungssaal ist beispielsweise neu“, verrät Regisseur Hamann im PZ-Gespräch.

Was erlebten die Kinder und Premierenbesucher im Mottenkäfig?

Die Unerschrockenheit des Grimm’schen Glückskinds (live gesprochen von Jan Reiling), das weder vor dem König, noch vor dem Teufel (beide gesprochen von Michael Fauth) oder den Räubern (Stimmen: Thomas Vogt und Wilfried Manz) Angst zeigte und beharrlich sein Ziel verfolgte, die drei goldenen Haare zu ergattern, um die Prinzessin (Stimme: Ursula Michaelis) heiraten zu können. Unerwartete Hilfe erhielt der glückliche Müllersohn von der Ellermutter (Astrid Hellmer), Hinweise von einem Dorfjungen (Said Reutter). Christa Müller lieh ihre Stimme einer Korbmacherin und an den Fäden der Marionetten zogen unsichtbar Simon Bülwer, Ruth Fauth, Renate Plumbohm und Silvia Scognamiglio.

Woher rührt die Liebe Erwachsener zur kleinen Welt der Marionetten?

Regisseur Matthias Hamann fühlte sich schon immer vom Theater angezogen. Er ist bereits seit 25 Jahren Mitglied der Marionettenbühne Mottenkäfig, hat die Regie und die Spielleitung inne. „Vom bunten Holz an Fäden geht“, für ihn eine ungeheure Magie aus“. Nicht „nur“ für ihn.

Mit Fantasie erweckt die Marionettenbühne Mottenkäfig das Grimm-Märchen „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ zu neuem Bühnenleben.
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