Präsentiert ihre Arbeit in der Pforzheimer Raphaelkirche: Heidi Heyer.
Moritz
Kultur
Geht’s noch? Künstler reflektieren das Unterwegs-Sein - Gruppenausstellung eröffnet in Raphael Kirche

Pforzheim. Wohin gehen wir? Wie sieht es aus, dieses Gehen? Wie fühlt es sich an? In Philosophie und Kunst wurde das Gehen schon immer reflektiert. In unserem Alltag dient es nicht nur der Fortbewegung – vom Flanieren bis zum Wandern –, sondern auch der Sprache: Wie geht’s? Geht’s noch?

Bei der wieder von Monika Ziemer kuratierten Ausstellung in der Raphael Kirche, die am Sonntag um 11.45 Uhr eröffnet wird, spielt auch das Religiöse eine Rolle („Ich bin der Weg ...“), etwa in den anthroposophisch geprägten Farb-Übergängen einiger Acryl- und Aquarell-Gemälde. Viele der gut ein Dutzend Künstlerinnen und Künstler lassen sich von der Vieldeutigkeit des Wortes inspirieren: sterben, der letzte Gang, weggehen, sich trennen, unterwegs sein. So manche haben das Gehen während der Pandemie erst wieder für sich entdeckt. Was bedeutet es, sich nicht wegbewegen zu dürfen?

Helmut Oberst.
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Silvia Kiefer hat aus Fundstücken Objekte gefertigt. Auch wenn ihre Arbeit fünf Jahre alt ist, ein Käfig lässt Corona-Bezüge zu. Nach dem Wohin und Woher fragt Ute Morof in ihrer Collage und Papierzeichnung. In seiner ganz eigenen Formensprache bringt der Schmuckdesigner Rolf Elsässer Objekte in „Bewegung“, so der Titel seiner Installation (1995). Ganz neuen Datums ist jene von Ingrid Bürger. Schuhe aus Papier, über Holzleisten gezogen, auf der Sichtbeton-Wand der Kirche streben sie in die Höhe. Heidi Heyer macht blau: Sie arbeitet mit der Cyanotypie – einer Lichtmalerei, bei der sie sich chemische Prozesse zunutze macht.

In Reaktion mit dem Sonnenlicht entsteht ein Blau, das sie mit Gedicht und Wortwolke in ein Gesamtkunstwerk verwandelt. Brigitte Neufeldt und Manfred Bauer haben sich beim Gehen gefilmt. Das Video erzählt vom Balanceakt in Zeitlupe, dem Schwebezustand des Gleichgewichts, dem Abtasten der Oberfläche durch die Barfußschuhe. Später folgt das Bild einem Schatten im Gras. Die Clips entstanden zunächst unabhängig voneinander. Das Ergebnis der Zusammenarbeit ist nun in der Raphaelkirche zu sehen. Helmut Oberst hat Modefotografien zu Acryl-Gemälden verarbeitet. Seine Vorbeigehenden nehmen im Laufe ihrer Bewegungsfolge Blickkontakt zum Betrachter auf.

Die Ausstellung eröffnet am Sonntag, 11.45 Uhr, in der Raphael Kirche, Turnstraße 5, in Pforzheim – unter Wahrung der geltenden Abstandsregeln. Sie ist bis 13. September zu sehen: dienstags von 15 bis 16.30 Uhr, donnerstags von 12 bis 13 Uhr.

Manfred Bauer und Brigitte Neufeldt.
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