Wenige Farben in einer geheimnisvoll wirkenden Bildserie: Maks Dannecker stellt in der Galerie Brötzinger Art aus. Foto: Meyer
Kultur
Schau von Sibylle Möndel und Maks Dannecker in der Galerie Brötzinger Art: Kunst, die das Kopfkino ankurbelt

Pforzheim. Maks Dannecker bricht gerne mit Konventionen. In einem Raum der Galerie Brötzinger Art zeigt die gelernte Fotografin Porträts, bei denen sie so ziemlich gegen jede Regel des Handwerks verstößt: Man sieht den Rücken einer Frau statt ihr Gesicht, der Raum wirkt besser ausgeleuchtet als die Porträtierte – zu viel Boden, zu wenig Luft. Eine spannende Inszenierung, die sofort das Kopfkino auslöst. „Mich interessiert der Fehler im fotografischen Prozess“, sagt sie.

Auch bei anderen Bildern lässt Dannecker vieles uneindeutig. Die konzeptionell arbeitende Künstlerin, deren Werkserie „Wertmassen“ im virtuellen Projektraum „Stattbad“ zu sehen ist, erzählt gerne fiktive Geschichten. Sie verarbeitet Fragmente aus ihrem Alltag, die als selbstständige Bildelemente wieder auftauchen. Ihre Fotografien zeigen ein Wechselspiel von extremer Schärfe und bewusster Unschärfe. Die Digitaldrucke auf Leinwand sind auf wenige Farben reduziert, teils monochrom.

Dem Porträt gegenüber hängen drei Arbeiten aus Sibylle Möndels Serie „Wege“. Auch sie zeigt Figuren in urbanen Räumen, die uns den Rücken zuwenden. Was bewegt sie? Abschied, Schmerz oder Enttäuschung? Man kann es allenfalls erahnen.

Filigrane Landschaftsfragmente, belebt mit Tieren wie Hund, Wolf oder Vögel – Möndels Werke reflektieren auf poetische Weise die Verletzlichkeit von Natur. Sie schichtet siebgedruckte Strukturen auf Leinwände mit zurückhaltender, schwebender Farbigkeit, aufgetragen mit gestischem Duktus. In der Galerie erweitern installative Hängungen die Bildräume zu Räumen im Raum.

Bezüge ergeben sich in der „Auszüge: Mixed Media“ betitelten Ausstellung durch so manchen Inhalt: Hier Möndels fragmentarische Gebäudeensembles oder ihre in Landschaften kauernden „Hausungen“, dort Danneckers mit toller Linienführung gestaltete Architektursituation vor Vulkanen. Mit ästhetischem Anspruch und technischer Raffinesse hat sie digitale Lomografien von Alpengipfeln angefertigt, mit ihrem iPhone im kontrollierten Zufall. Dabei nutzt sie „Apps ohne Ende. Was kann solch ein Werkzeug und wie kann ich damit rumtricksen?“, beschreibt sie den Reiz – auch bei ihrer Werkgruppe „Schutzplatz Ferrum“.

Ein atmosphärisch starkes, auf Ausschnitte fokussiertes Foto eines Gebäudes, das pro Etage über einen Schutzraum verfügt, hat Dannecker per App daraufhin analysiert, welche Farbkombination ein harmonisches Gefüge ergibt, und dies als Basis für ein Abstraktionsverfahren verwendet: mit dreidimensionalen, fluoreszierenden, magentafarbenen Punkten auf schwarzer Fläche.

Die Schau eröffnet heute Abend, die Künstlerinnen sind anwesend: Galerie Brötzinger Art, Brunnenstraße 14, in Pforzheim. Die Schau ist bis 27. September zu sehen: Donnerstag von 14 bis 17 Uhr, Freitag und Samstag von 18.30 bis 22 Uhr, Sonntag von 11 bis 18 Uhr.