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Die Brandstiftung hat im Vereinsheim schlimme Spuren hinterlassen.  Fotos: Moritz 
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Generalkonsulin Banu Terzioglu (Mitte) spricht den Fatihspor-Mitgliedern Mut zu, rät zur Besonnenheit – und verdeutlicht, dass sich die türkische Seite Aufklärung wünscht. 

500 Menschen bei Kundgebung nach Brandstiftung bei Fatihspor

Pforzheim. Grün der Rasen, blau der Himmel, rot die Vereinstrikots – und düster der Anlass: Rund 500 Menschen, meist Angehörige der türkischen Community, haben sich am Montagnachmittag auf dem Fußballplatz von Fatihspor Pforzheim zu einer Solidaritätskundgebung getroffen. Außer Grüne-Liste-Stadtrat Emre Nazli hat kein Vertreter des Rathauses den Weg zu der Kundgebung gefunden, worüber sich Nazli und Vereinssprecher enttäuscht zeigen.

Hinweis (ergänzt am 15. Oktober, 9.30 Uhr): Inzwischen haben sich sowohl WiP-Stadtrat Christof Weisenbacher als auch die Stadt Pforzheim und der Jugendgemeinderat zu Wort gemeldet. Sie betonen, von den Veranstaltern keine Einladung erhalten zu haben.

Wie berichtet, war der Verein am Samstag Ziel von Brandstiftern geworden, die in die Clubräume eingedrungen waren und Feuer gelegt hatten. Alleine die zerstörte Elektrik schlage mit 40 000 bis 50 000 Euro zu Buche, sagt Fatihspor-Vorstandsmitglied Sinan Aydin.

Pforzheim

Hoher Schaden nach Brandstiftung im Fatihspor-Vereinsheim

Der Verein hat eine Pressemitteilung formuliert: „Abgesehen vom hohen finanziellen Schaden sind wir zutiefst erschüttert und verurteilen die Tat auf das Schärfste“. Aber während aus Fatihspor-Reihen am Wochenende noch die terroristische Kurdische Arbeiterpartei PKK als möglicher Verursacher genannt wurde, ist Aydin viel zurückhaltender, und die Pressemitteilung ist es auch: gegen jede Art von Hass und Spaltung, für ein friedvolles und respektvolles Miteinander.

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Nach Brandstiftung: 500 Menschen bei Kundgebung von Fatihspor

Ähnlich äußert sich die eigens aus Karlsruhe angereiste türkische Generalkonsulin Banu Terzioğlu: Die Mitglieder der türkischen Community sollten sich weiterhin nicht provozieren lassen, man baue auf die deutschen Behörden – und will sich selbst auf dem Laufenden halten. Denn: „Mit Sorge sehen wir eine steigende Zahl von Anschlägen“, sagt sie – ob diese nun einen terroristischen, sprich: kurdischen Hintergrund hätten, einen anti-islamischen oder einen ausländerfeindlichen. Später wird am Rand von der PKK die Rede sein. Die Diplomatin erwähnt zudem einen Drohbrief gegen die Ditib-Moschee und ordnet das verdächtige Päckchen an der Jet-Tankstelle in der Pforzheimer Innenstadt am Sonntag, aus ihrer Sicht eine Bombenattrappe, der Reihe zu. Der Tankstellenbetreiber gehört zur türkischen Community – und ist Trainer bei Fatihspor. Er selbst wie auch Ermittler sehen derzeit keine Anhaltspunkte für einen Zusammenhang.

Solidarität von Fußballern aus Wurmberg, Niefern und vom Buckenberg

Der Fatihspor-Vorstand bedankt sich bei allen Anwesenden, ausdrücklich auch bei den Vertretern des Fußballkreises und benachbarte Vereine, mehrerer gleichfalls türkischer, aber auch des FSV Buckenberg und der Fußballer aus Wurmberg und Niefern. „Wir Fußballer sind eine Familiue“, sagt Helmut Sickmüller – der Wurmberger ist Vizepräsident des Badischen Fußballverbands. „Ich bin sehr erfreut, dass viele da sind, mehr als ich erwartet hätte, Freunde, Konkurrenten, alles da“, sagt Sinan Aydin, „außer der Stadt Pforzheim.“ Ihr gehört die Anlage.

Videos mit Statements der Anwesenden gibt es auf dem Instagram- und dem Snapchat-Account der "Pforzheimer Zeitung": pznews

Marek Klimanski

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