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Am geforderten Tempo 30 in Pforzheim scheiden sich die Meinungen der PZ-Leser. 

An Tempo 30 scheiden sich die Geister: Das halten die PZ-Leser vom Lärmaktionsplan der Stadt

Pforzheim. Flächendeckende Geschwindigkeitsreduzierung, mehr Tempo-30-Zonen, eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde auf dem Innenstadtring, Lärmschutzwände, der Einbau lärmmindernder Fahrbahnbeläge und die Ausweisung sogenannter „ruhiger Gebiete“ – über diese Themen scheint nicht nur im Pforzheimer Gemeinderat noch Uneinigkeit zu herrschen, sondern auch unter den PZ-Lesern.

Eigentlich wollte das Gremium am Dienstag endlich über den städtischen Lärmaktionsplan entscheiden, doch letztendlich kam es anders. Die Verabschiedung wurde erneut an den Fachausschuss verwiesen und entwickelt sich langsam, aber sicher zur Hängepartie. Denn schon vor der Sommerpause war eine Entscheidung über das vom Gesetzgeber geforderte Maßnahmenpaket zur Senkung der Lärmwerte vertragt worden. Doch was halten eigentlich die Menschen in der Goldstadt von den geplanten Maßnahmen, und haben sie vielleicht sogar eigene Ideen, wie der Verkehr in der Pforzheimer Innenstadt künftig besser geregelt werden kann? Genau das wollte PZ-news von seinen Usern wissen. Um eines vorwegzunehmen: Einig sind sich die Leser keineswegs, vor allem am großflächigen Tempo 30 scheiden sich die Geister.

Sicherheit, Lärm und Gestank

„Ich fände eine großflächige Einrichtung von Tempo 30 sehr begrüßenswert, geht es hier doch nicht nur um Lärm, sondern auch um Sicherheit“, schreibt etwa Katrin Lechler. Zugleich argumentiert die Pforzheimerin aber, dass dies nur Sinn macht, wenn „deutlich mehr kontrolliert und geblitzt wird“, da die bestehenden Geschwindigkeitsbegrenzungen schon jetzt nicht durchgesetzt werden würden.

Zuspruch erhält sie unter anderem von Thomas Masatsch. Der Anwohner aus der Calwer Straße berichtet davon, dass vor allem im Sommer, bei geöffnetem Fenster, der Lärm vor seiner Haustür in den Abend- und Nachtstunden „echt erschreckend“ sei. Daher schlägt er neben Tempo 30 auch einer Blitzeranlage auf Höhe der Kallhardtbrücke vor.

"Pforzheim ist in Sachen Verkehr eine nicht überschaubare, unregelbare Katastrophe."

Ein User auf Instagram zur Verkehrssituation in der Goldstadt

„Leben an der Bleichstraße ist tödlich! Lärm, Gestank, Staub, Verkehr“ – so beschreibt Fritz Philipp Mathes die Situation. Für „mehr Sicherheit, weniger Lärm, weniger Dreck und bessere Luft“, fordert auch er daher mehr Tempo-30-Zonen. Friedemann Jeuter schlägt gar die Ausweitung von 30er-Zonen auf das ganze Stadtgebiet vor, „um von dem Schilderwald wegzukommen“.

Demgegenüber stehen die Kritiker des geforderten Maßnahmenpakets. Von „einem Etikettenschwindel erster Güte“ ist da unter anderem zu lesen: „Was hier unter dem Deckmantel des Lärmschutzes postuliert wird, ist nichts anderes, als dass man versucht, durch Überwachung des gesamten Verkehrs auf ‚Temposünder‘ die klamme Stadtkasse zu füllen.“ Sebastian Seiferheld führt an, dass Verkehrslärm und Fahrgeräusche auch bei Tempo 30 vorhanden seien, einzig die Lärmquelle schleiche langsamer an seinem Fenster vorbei. Ein wichtiger Ansatzpunkt für ihn wäre daher, statt einer flächendeckenden Geschwindigkeitsbegrenzung härter gegen Autotuner vorzugehen und diesen aufzuzeigen, „dass Fahrzeugveränderungen bei Lärmemissionen kein Kavaliersdelikt sind“.

"Leben in der Bleichstraße ist tödlich! Lärm, Gestank, Staub, Verkehr!"

PZ-Leser Fritz Philipp Mathes über die Situation vor seiner Haustür

Zur Differenzierung zwischen den Bedürfnissen der Innenstadt-Anwohner und denen der Berufspendler ruft hingegen Fabian Mikeleit auf. Tempo 30 findet er zwar „schön und gut“ für diejenigen, die im Innenstadtgebiet wohnen und arbeiten. Diejenigen, die entweder von Pforzheim als Wohnort auspendeln müssen oder zum Arbeiten in die Goldstadt einpendeln, würden durch die ‚Verkehrsberuhigung‘ vielmehr „bestraft und genötigt, noch längere Zeit im Auto zu sitzen, als ohnehin schon“.

Bessere Ampelschaltung

Neben den Zuschriften der Leser per Mail meldeten sich auch viele PZ-Follower auf Instagram und Snapchat zu Wort. Oftmals gefordert wurde dabei eine bessere Ampelschaltung im Stadtgebiet, „eine grüne Welle wäre mal was“ sagte etwa ein User flapsig. Das geforderte Tempo 30 stößt bei der Social-Media-Community dagegen auf deutlich weniger Gegenliebe. „Tempo 40 überall, die 30er-Zonen sind Shit“, „Keine Tempo-30-Zonen, da sonst mehr Stau und Abgase entstehen“, oder „30er-Zonen machen wenig Sinn, dann braucht der Lärm nur länger, um wegzukommen“ waren nur einige der unzähligen Antworten.

Viele Nutzer der sozialen Medien finden den Lärmaktionsplan sogar komplett unnötig, von „Geldverschwendung“ und „rausgeschmissenem Geld“ ist da die Rede, es solle doch einfach alles so bleiben, wie es ist. Ein User bezeichnete Pforzheim in Sachen Verkehr gar als „eine nicht überschaubare, unregelbare Katastrophe“.

Im Übrigen ist die Stadt Pforzheim gesetzlich dazu verpflichtet, Lärmschutz effektiv zu betreiben. Schließlich müssen – so Oberbürgermeister Peter Boch in einer früheren Ansprache im Juli an den Gemeinderat – Bundesgesetze befolgt werden. Und diese verlangen einen Lärmaktionsplan, der den Geräuschpegel für die ganze Bevölkerung merklich reduziert.

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Sven Sartison

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