„Pforzheim hat nun neben Jörg Augenstein einen weiteren singenden CDU-Stadtrat, also quasi einen Eutinger Tausendsassa.“
Eine Kolummne von PZ-Redakteur Claudius Erb
Vielleicht gibt es nur zwei Gewinner in der zweiten Staffel der ZDF-Dokureihe „Inside CDU“. Nein, die Rede ist hier nicht von Philipp Amthor und seinem Strandkorb. Wir meinen Gordon Schnieder (51) und Andreas Renner (50). Beide wurden CDU-intern lange unterschätzt. Der eine galt als bieder und provinziell, ehe er der Union in Rheinland-Pfalz einen der inzwischen so raren Wahlsiege bescherte und seit Mai Ministerpräsident ist. Der andere hatte auf hiesiger lokaler Ebene eigentlich keine Chance, weil die krichbaumgroßen Parteigranden einen anderen Kandidaten für den Wahlkreis Pforzheim ausgeguckt hatten. Doch Andreas Renner gab unverdrossen Gas, überholte Mitstreiter Bastian Meyer – und in ähnlicher Manier dann auch in einem atemberaubenden Finish den hiesigen AfD-Konkurrenten Alexsei Zimmer. Und das mit einem unerschütterlichen Optimismus, der irgendwie ansteckend ist. So wie das Lied „Davy’s On The Road Again“ von der „Manfred Mann’s Earth Band“. Eben dieses trällert der mittlerweile im Landtag vertretene und dem Ausschuss für Kultus vorsitzende Eutinger am Steuer seines Wagens, mit dem er in der Doku durch Pforzheim cruist. Das Ziel: Huchenfeld. Haustürwahlkampf. Bei dem ihn das Team um Filmemacher Steffen Haug – und auch die PZ – kurz vor dem Urnengang begleitet. Zum Tross gehören Marianne Engeser, Viktoria Stavenhagen, Mireille Iwanowski und Hans Draskowitsch.


Personalbeben im CDU-Kreisverband Pforzheim-Enzkreis: Geschäftsführer gefeuert
Erste Erkenntnis: Pforzheim hat nun neben Jörg Augenstein einen weiteren singenden CDU-Stadtrat, also quasi einen Eutinger Tausendsassa. Zweite Erkenntnis: Wahlkampf ist auch für einen, der früher einmal die Karriere eines Musicaldarstellers und große Bühnen anstrebte, keine vergnügungssteuerpflichtige Angelegenheit. Mancher Huchenfelder will erst gar nicht mit ihm reden. Andere geben sich einsilbig oder rechnen mit den etablierten Parteien ab. Auch zu beobachten in einer weiteren auf Pforzheims Leopoldplatz gedrehten Sequenz. Da werden Renner und sein so fideler Social-Media-Werber, Jugendgemeinderat Cihad Elmas, rüde beschimpft – von einem Mann mit, sagen wir mal, extrem quer gedachten Ansichten.


Ortschaftsrat Eutingen positioniert sich zur Feuerwache Ost: Gegen Dreschplatz – für Turnplatz
Renner boxt sich irgendwie durch.
„Wir brauchen solche Politiker, die sagen: ,Ich bin bereit, in den Ring zu gehen, auch wenn ich ab und zu mal auf die Fresse kriege‘“, bekommt er vom neuen Pforzheimer CDU-Lautsprecher Uwe Hück mit auf den Weg, in dessen Sportzentrum der Kandidat vor laufender Kamera im Duell mit einem jungen Recken die Fäuste schwingt.
Der Hagel hält sich in Grenzen. Aber so ließe sich ja die Gesamtbilanz der CDU bei dieser Landtagswahl überschreiben. Anders als der Manuel als Spitzenkandidat, hat der Andreas als zwischenzeitlicher Außenseiter im eigenen Wahlkreis die Nase vorn. „Jetzt heißt es ranklotzen“, sagt Renner in der Doku, selbst aufgenommen am frühen Morgen nach der Wahl mit der eigenen Handykamera. Nur wenige Stunden zuvor hat er freudetrunken im Alten Eutinger E-Werk musicalreif den Udo Lindenberg gegeben: „Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Pankow?“ Aber das war, anders als der PZ, dem ZDF-Team entgangen. Eingefangen haben die Kollegen aber jenen Moment, als Renner, um ein Bild von sich selbst in Hücks Ring zu erhalten, Mireille Iwanowski die Nummer zum Entsperren seines Handys zuraunt. Wäre für ihn sicher dufte, wenn er sich flugs vom nun allseits bekannten Code „4711“ verabschieden würde. Sorry, Herr Renner, aber das musste jetzt sein – als kleine Revanche dafür, dass Sie uns einen hartnäckigen Ohrwurm beschert haben. Und jetzt alle: „Davy’s On The Road Again!“


Qualen ohne Wahlen – oder: Dürsten nach der Wer-Frage in der Pforzheimer CDU



