Busse, blitzlangsam statt blitzschnell, dank „Micha“.
Röhr
Pforzheim
Blitzer „Micha“ steht an der Bahnhofstraße: Plötzlich entdecken Busfahrer die Schrittgeschwindigkeit

Pforzheim. Große Hitze, gnadenlose Sonne, langsames Tempo: So kennt man es aus südlichen Gefilden. Und jetzt auch bei uns. Man kann sich ja nicht drauf verlassen, dass sich ständig ein gnädiger Mond zwischen uns und das grelle Licht schiebt – schon gar nicht können das die Busfahrer auf der Bahnhofstraße. Sie sind dort nämlich dieser Tage ebenfalls auffällig langsam unterwegs gewesen. Ein Anblick zum Schmunzeln.

Eine Kolumne von PZ-Redakteur Marek Klimanski

Ein Bus nach dem anderen kam mit dem vertrauten zügigen Tempo auf der Straße an, um dann Gas rauszunehmen und in Zeitlupe an der Sparda-Bank vorbeizufahren. Dort schien zwar die Sonne nicht greller als sonst, aber Blitze drohten – durch „Micha“, den mobilen städtischen Blitzer.

Und weil ganz sicher kein Mond diese Blitze abschirmt, haben sie lieber gaaaanz laaaaangsaaaam gemacht, unsere Busfahrer. Und sich mal tatsächlich an das gehalten, was sie dort geschätzten 873 Milliarden Augenzeugen zufolge nie scherte – das Tempolimit. Maximal erlaubt ist dort nämlich Schrittgeschwindigkeit.

Also fünf Stundenkilometer. Wer da nun sagt: Das geht ja auch gar nicht, mit diesen schweren Fahrzeugen und ihren Kupplungen, weniger als 15 Stundenkilometer sind da nicht drin, der sieht nun: Geht nicht – gibt’s nicht. Weil wir sie trotzdem liebhaben, unsere Busfahrer – schließlich bringen sie uns seit Jahren in großer Zahl und aktuell in großer Hitze durch die Stadt – , wollen wir mehr Worte nun auch gar nicht mehr verlieren. Außer als kleine Warnung das wohl wunderbarste Paradoxon, das unser Dialekt zu bieten hat, weil es gleichzeitig zu Tempo und dem Gegenteil auffordert: „Macht emol gschwend langsam!“.