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Die Täter zeigen sich meist gezielt an uneinsehbaren Stellen, um nicht erwischt zu werden. Dies bestätigen auch die jüngsten Fälle in Pforzheim. Symbolfoto: PZ
Die Täter zeigen sich meist gezielt an uneinsehbaren Stellen, um nicht erwischt zu werden. Dies bestätigen auch die jüngsten Fälle in Pforzheim. Symbolfoto: PZ
10.08.2018

Das nackte Grauen: So verhalten Sie sich richtig bei Exhibitionisten

Pforzheim. In dieser Woche hat sich erneut ein Exhibitionist vor einer Passantin entblößt. Wie Opfer reagieren sollten und was das Erlebte bei ihnen hinterlässt, verraten Experten gegenüber der PZ

Der umgehende Anruf einer Spaziergängerin am Davosweg hatte letztlich zum Erfolg geführt: Wenig später konnte die Polizei am Donnerstag einen 21-jährigen mutmaßlichen Exhibitionisten fassen. Der Ungar kommt zudem für eine ähnliche Tat am Nagoldufer eine Woche zuvor als Täter infrage, bei der sich ein junger Mann ebenfalls vor einer Passantin entblößt und masturbiert hatte. Daneben wird geprüft, ob der Gefasste für weitere Fälle Ende Mai zur Rechenschaft gezogen werden kann. Damals war nach einer Serie von Vorfällen nahe der Goldschmiedeschule ein 19-Jähriger – ebenfalls ungarischer Herkunft – festgenommen worden. Anders als anfangs vermutet, konnte ihm laut Polizeisprecher Raphael Fiedler allerdings nur eine der Taten zugeordnet werden. Die PZ erklärt, wie wichtig schnelles Handeln der Betroffenen ist, wie sie überhaupt richtig reagieren und wie sie mit den Folgen umgehen.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass es Serien solcher Vorfälle gibt, weiß Fiedler. „Die meisten Fälle enden allerdings glimpflich.“ Es bleibe beim Zeigen der Geschlechtsteile oder sexueller Handlungen am eigenen Körper. Berührungen oder die Aufforderung zu sexuellen Handlungen der Opfer sei bei Exhibitionisten die Ausnahme. „Dennoch gibt es einige wenige Fälle, in denen sich das auch steigern kann“, sagt Fiedler.

Die Täter zeigen sich meist gezielt an uneinsehbaren Stellen, um nicht erwischt zu werden. Dies bestätigen auch die jüngsten Fälle in Pforzheim. „Es sind meist schnelle Taten“, so der Polizeisprecher. „Genauso schnell ziehen sie sich wieder zurück.“ Umso wichtiger sei es, dass die Betroffenen umgehend reagieren.

Die Polizei bittet ausdrücklich darum, per Notruf alarmiert zu werden. Zumal es sich bei exhibitionistischen Handlungen ganz klar um Straftaten handle. Tätern droht eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. „Es ist wichtig, dass die Kollegen sofort verständigt werden“, so Fiedler. Wer erst die Durchwahl des zuständigen Polizeireviers in Erfahrung bringen müsse, vergeude zu viel Zeit. Dabei solle die Beschreibung über das Normale rausgehen: „1,80 Meter groß, braune Haare – das hilft uns nicht weiter.“ Je besser die Hinweise, desto größer die Chance, den Täter auch zu fassen. Dies zeigt im Laufe der PZ-Recherche zu dieser Geschichte die Festnahme am Donnerstag. „Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Frauen denken, sie haben etwas falsch gemacht“, so Fiedler. Er ermutigt Betroffene, nicht lange nachzudenken und die 110 zu wählen.

Generell erlebt jede Betroffene eine solche Situation jede anders – und bewerte sie vor ihrem biografischen Hintergrund. Habe eine Betroffene bereits sogenannte Grenzverletzungen erfahren, könne ein Exhibitionist ein Trauma wachrufen, sagt Sarah Hary, Diplom-Sozialpädagogin und Beraterin bei pro familia. „Wer hingegen gefestigt ist und ein starkes soziales Umfeld hat, kann vielleicht sogar darüber lachen.“

Ein solcher Vorfall kann Folgen für die Opfer haben. „Insbesondere dann, wenn Frauen bereits traumatische Erlebnisse in ihrer Vorgeschichte haben“, sagt Hary. „Gab es etwa einen verdrängten Missbrauch und wird die Betroffene erneut gegen ihren Willen mit dem Anblick von Genitalien konfrontiert, kann das im Extremfall schwerwiegende Folgen haben“, warnt die Expertin. Es kann zu Problemen in der Partnerschaft und im Beruf kommen. Betroffene neigen zum emotionalen Rückzug, sie fühlen sich nicht mehr sicher.

Betroffene können sich an die Beratungsstelle von pro familia wenden. Das ist telefonisch unter (0 72 31) 6 07 58 60 oder per E-Mail an pforzheim@profamilia.de möglich.

Mehr lesen Sie am 11. August 2018 in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

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