Wegen eines defekten Ventils musste die Feuerwehr am Montag zu einem Ammoniak-Einsatz an der Jahnstraße ausrücken.

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Weil Ammoniak ausgetreten ist, sind die Einsatzkräfte der Feuerwehr mit einem Großaufgebot an die Jahnstraße geeilt.

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Pforzheim
Defektes Ventil: Ammoniak aus Brauerei ausgetreten - Mitarbeiter verletzt
  • nig/erb/pol

Pforzheim. Rettungskräfte von Polizei, Feuerwehr und Rotem Kreuz mussten am Montagmorgen um 8.30 Uhr zu der Brauerei Ketterer an der Jahnstraße ausrücken, weil dort wegen eines defekten Ventils Ammoniak aus einem speziellen Kühlgerät im Keller ausgetreten war. Ein Mitarbeiter wurde dabei leicht verletzt und in eine Klinik eingeliefert.

Weil Ammoniak in einem Keller austrat, musste die Feuerwehr Pforzheim an die Jahnstraße ausrücken.

Die gute Nachricht zuerst: Der Mitarbeiter der Brauerei Ketterer, der beim Austritt von Ammoniak in einem Kellerraum leichte Verletzungen erlitten hat, ist wohlauf. „Ich bin froh, dass nichts passiert ist und es unserem Mitarbeiter gut geht“, sagte Brauerei-Chef Michael Ketterer am Montagnachmittag im PZ-Gespräch, ehe er sich aufmachte zum Besuch des Kollegen im Krankenhaus. Dort befand sich der Mann weiter vorsorglich zur Beobachtung. Auch die Produktion laufe wieder ganz normal. Aber klar: Das Erlebnis am Vormittag sei „definitiv ein Schreck“ gewesen. Tatsächlich hatte der gestrige „Tag des Bieres“ für die Betroffenen, die eigentlich zum Start der Hochsaison alle Konzentration aufs Brauen und Abfüllen richten sollten, mit einer bösen Überraschung begonnen.

Die Feuerwehr war mit sechs Fahrzeugen und 17 Einsatzkräften vor Ort, wo sie zunächst Messungen durchführte und gleichzeitig in speziellen Schutzanzügen den Bereich sicherte. "Es bestand zu keiner Zeit eine Gefahr für die Umwelt", erklärte Armin Reissert, der den Einsatz der Feuerwehr leitete. Seine geschulten Mitarbeiter waren unter Atemschutz in den Keller vorgedrungen und entdecken schnell die Ursache für den Ammoniak-Austritt: Das Ventil eines Kühlgerätes war defekt und musste von den Einsatzkräften geschlossen werden. "Wir haben es mit einer Dämmmasse versiegelt, bevor die Herstellerfirma das Ventil nun gegen ein intaktes austauscht", so Reissert weiter.

Unterdessen saugte die Feuerwehr das ausgetretene Ammoniak ab und verdünnte es, um es schließlich wieder außen an der Luft freizugeben. Dort wurde das stark riechende und farblose Gas mit Wasser aus einem Feuerwehrschlauch benetzt, um es schließlich zu Boden zu bringen. Ammoniak kann Menschen zu Tränen reizen und erstickend wirken. Es wird in der Industrie häufig als Kühlmittel verwendet – so auch in der Brauerei.

Während des Einsatzes sicherte die Polizei den Bereich ab, auch das Rote Kreuz war neben dem Umweltamt der Stadt Pforzheim vorsorglich vor Ort. 

Unterdessen war ein Notarzt mit seinem Fahrzeug auf dem Weg zu einem anderen Einsatz und kam dabei an der betroffenen Brauerei vorbei. Allerdings bildeten die Autofahrer vor Ort keine Rettungsgasse – so musste das Notarztfahrzeug notgedrungen ein Verkehrshütchen überfahren. Dieses verfing sich jedoch im Rad des Wagens und ein Verkehrspolizist musste das Hütchen entfernen. So verlor der Notarzt im Endeffekt etwa zwei Minuten, die möglicherweise für einen Patienten sehr wichtig waren.

Größere Ammoniak-Unfälle in der Region

Zwischenfälle mit Ammoniak kommen laut Feuerwehr-Einsatzleiter Reissert sehr selten vor. "Maximal einmal im Jahr", schätzt er. Dennoch sei es für Feuerwehrleute sehr wichtig, grundlegende chemische Kenntnisse zu besitzen. Für alles Weitere werden im Fall der Fälle Fachleute zu Rate gezogen.

Größere Ammoniak-Unfälle in der jüngeren Vergangenheit gab es in Pforzheim in der St.-Maur-Eissporthalle im November 2012, also dort austretendes Ammoniak dazu beitrug, dass die Eisfläche taute und die Feuerwehr das austretende Gas mit einer gesprühten Wasserwand niederschlagen musste. Außerdem bei einem stillgelegten Betrieb an der Tullastraße in Remchingen-Nöttingen, wo bei Rückbauarbeiten das hochgiftige Gas aus einem Leck austrat.

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