Uwe Hück Rücktritt Betriebsversammlung 12
"Wir müssen die Braut Pforzheim wieder schön machen", sagt Uwe Hück. Der 56-Jährige tritt als Porsche-Betriebsratschef zurück, dafür will er in die Pforzheimer Politik. 
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Bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung am Montag gab Hück sein Ausscheiden bekannt. 

Er will in die Pforzheimer Politik: Uwe Hück tritt als Porsche-Betriebsratschef zurück

Pforzheim/Stuttgart. Es ist ein Paukenschlag: Uwe Hück tritt mit sofortiger Wirkung als Betriebsratsvorsitzender und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche AG in Stuttgart zurück. Grund dafür: Er will sich mehr auf sein soziales Engagement sowie auf die Politik konzentrieren – und zwar in Pforzheim.

Soziales Engagement im Vordergrund

Das gab der 56-Jährige am Montag bekannt. Der gelernte Autolackierer und Thaiboxer war seit 1990 im Betriebsrat von Porsche. „Demokratie lebt vom Wechsel, davon bin ich überzeugt, doch diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen,“ so Uwe Hück. „Ich bin durch und durch Porscheaner. Aber nach knapp 35 Jahren bei dieser intergalaktischen Firma will ich mich jetzt ganz meiner anderen Leidenschaft widmen: Gutes mit meiner Lernstiftung tun! Ich habe in meinem Leben so viel erreicht; es ist Zeit, etwas davon der Gesellschaft zurückzugeben und mich ganz in den Dienst der Hilfe für benachteiligte Kinder und Jugendliche zu stellen. Die Arbeit in meiner Stiftung erfüllt mich und ich möchte mich künftig voll auf meine sozialen Projekte konzentrieren.“

Interview: Uwe Hück über seinen Rücktritt und seine Pläne für Pforzheim
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Interview: Uwe Hück über seinen Rücktritt - Archiv 4.2.2019

Auf einer vom Unternehmen kurzfristig einberufenen Mitarbeiterversammlung, an der mehrere Tausend Porscheaner teilnahmen, unterrichtete Hück die Belegschaft von seinen Plänen. Mitglieder des Betriebsrats zeigten sich geschockt. „Uwe Hück war der Letzte aus der Wiedeking-Zeit. Eine Ära geht zu Ende.“

Eigene Liste im Pforzheimer Gemeinderat

Außerdem gab Hück bekannt, mit einer eigenen Liste im Pforzheimer Gemeinderat bei den Kommunalwahlen antreten zu wollen. „Die Bürger Pforzheims haben etwas Besseres verdient“, sagte der 56-Jährige am Montag. Und er fügte als neue Marschrichtung hinzu: „Nicht mehr bruddeln, sondern nach vorne schauen.“

Seit Anfang Januar lebt Hück in Pforzheim und nicht mehr in Mühlacker wie bisher, daher wird eine Kandidatur in der Goldstadt für ihn relevant. Laut dem Portal kommunalwahl-bw.de ist derjenige wählbar, der seit mindestens drei Monaten seine Hauptwohnung oder einzige Wohnung in der Gemeinde hat.

Hücks Aufgaben als Betriebsrat übernimmt bis auf Weiteres sein bisheriger Stellvertreter, Werner Weresch. Weresch (57) ist seit 1985 beim Zuffenhausener Sportwagen-hersteller beschäftigt, bereits seit mehreren Jahrzehnten in der Arbeitnehmervertre-tung aktiv und seit 1998 Mitglied des Aufsichtsrats der Porsche AG. Hück bleibt Mitglied im Kuratorium der Ferry-Porsche-Stiftung und der Volkswagen Belegschaftsstiftung.

[ Mit diesen Worten hat sich Uwe Hück von seinen Porsche-Kollegen verabschiedet ]

Uwe Hück Rücktritt Betriebsversammlung 01
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Uwe Hück tritt überraschend als Porsche-Betriebsratschef zurück

Uwe Hück Rücktritt Interview 01
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PZ-Interview mit Uwe Hück über seine Zukunftspläne

Das sagen Vorgesetzte und Kollegen über Uwe Hück

„Uwe Hück ist eine Kämpfernatur – ob im Boxring oder am Verhandlungstisch –, er nimmt kein Blatt vor den Mund und er hat ein großes Herz. Er hat viel für die Porsche-Belegschaft und unser Unternehmen geleistet; sein Wort hat aber auch in der Gesellschaft und in der Politik Gewicht. Wir respektieren seine Entscheidung und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute“, so Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG.

Dr. Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche AG, würdigte die Verdienste des langjährigen Betriebsratschefs: „Streitbar und kampflustig, aber immer auch sehr wirtschaftlich denkend – so habe ich Uwe Hück kennen- und schätzengelernt. Mein Respekt vor seinem Mut und viel Erfolg für die soziale Arbeit!“

So war Uwe Hücks Werdegang bei Porsche

Uwe Hück ist gelernter Lackierer. Seine Karriere bei Porsche begann er am 1. April 1985. Bereits 1987 wurde er zum Vertrauensmann gewählt, 1994 dann zum Leiter des Vertrauenskörpers. Seit 1990 gehört Hück dem Porsche-Betriebsrat an; seit 1994 wurde er dafür freigestellt. 1997 übernahm er das Amt des Betriebsratsvorsitzenden in Zuffenhausen/Ludwigsburg. Seit 2002 ist er Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Porsche AG, seit 2003 Vorsitzender des Konzernbetriebsrats. Bereits seit 1998 gehört Hück dem Aufsichtsrat an; seit 2010 ist er stellvertretender Aufsichtsratsvorsit-zender der Porsche AG.

In seine Zeit fielen zahlreiche wegweisende Unternehmensentscheidungen, an denen er großen Anteil hatte oder die auf seine Initiative zurückgehen. Durch seine Idee des „Zukunftsbeitrags“ wurde es beispielsweise möglich, den Taycan – den ersten rein elektrischen Sportwagen von Porsche – im Stammwerk Zuffenhausen zu wirtschaftlich attraktiven Bedingungen zu bauen.

Für sein soziales Engagement außerhalb von Porsche wurde er im März 2017 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 2013 gründete Hück in Pforzheim seine eigene Stiftung, die „Lernstiftung Hück“. Sie unterstützt benachteiligte Jugendliche aus der Region durch Ausbildungs-, Lern- und Integrationsprojekte.

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