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Ein langer Demo-Zug schlängelte sich am Freitag durch Pforzheims Innenstadt. 
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 Foto: Schierling 
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Auf dem Marktplatz demonstrieren am Freitag nicht nur Schüler, sondern auch Erwachsene für das Klima. 
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Seit Monaten gehen vor allem Schüler freitags auf die Straße statt zur Schule, um für stärkere Klimaschutzmaßnahmen zu protestieren. Zum globalen "Klimastreik" sind nun auch Berufstätige aufgerufen, mitzumachen. 

Etwa 1000 Pforzheimer sind fürs Klima auf der Straße - Weltweite "Fridays for Future"-Demo

Stuttgart/Pforzheim. Auf mehr als 300 Demonstranten hatten die Organisatoren von „Fridays for Future“ in Pforzheim gehofft. Am Ende sind es dann laut Polizei knapp 1000 geworden.

Wortführer Lorenz Hornung freute sich besonders über die „gesellschaftliche Breite“ der Unterstützer, die diesmal an der Seite der Schüler durch die Pforzheimer Innenstadt zogen. Dies zeige, wie essenziell die Forderungen zu mehr Klimaschutz seien.

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Bildergalerie

Fridays For Future: 1000 Pforzheimer demonstrieren fürs Klima

Und dass auch Senioren wie die „Omas gegen Rechts“ sich beteiligten, mach deutlich, „wie drängend das Problem ist“. In seiner Abschlussrede prangerte Hornung zudem den Kapitalismus an. Klimaschutz dürfe nicht am Einzelnen hängen, vielmehr müsse man über das System reden, das klimaschädliches Leben fördere und auf immer mehr Wachstum und immer mehr Ausbeutung abziele.

Weitere Informationen und Bilder zur FFF-Demo in Pforzheim gibt es am Samstag, 21. September, in der "Pforzheimer Zeitung". Aktuelle Einblicke gibt es auch über den Instagram-Account der PZ: pznews

Unterstützung gab es für die Schüler in Pforzheim auch vonseiten der Stadtverwaltung und des Landratsamts des Enzkreises. "Fünf vor Zwölf" – um diese Uhrzeit und damit ausnahmsweise fünf Minuten früher als sonst schließen alle Dienststellen des Enzkreises – inklusive KFZ-Zulassung, Beratungsstellen und Jobcenter – symbolisch ihre Pforten. Auch bei der Stadt konnten die Beschäftigten – nach Absprache mit ihren Vorgesetzten und unter Inanspruchnahme von Gleitzeit – an der Demo teilnehmen.

Die Kundgebung fand von 11 bis 12 Uhr auf dem Marktplatz statt. Danach zieht die Demonstration durch die Innenstadt. Gegen 13 Uhr war eine Abschlusskundgebung geplant, bei der auch Holger Egger für Verdi sprechen sollte.

Demonstrationen im Südwesten

Der Zulauf in Deutschland war groß: In Berlin gingen nach Angaben der Aktivisten etwa 270.000 Menschen auf die Straße, die Polizei ging von 100.000 aus. In Köln waren es laut Veranstalter 70 000, in Hamburg laut Polizei 70.000. In München und Hannover beteiligten sich gut 25.000 Menschen, und selbst in kleineren Städten wie Münster und Freiburg waren es rund 20.000. Fridays for Future erklärte, 1,4 Millionen Menschen hätten in der Bundesrepublik demonstriert.

Auch unter anderem im südafrikanischen Johannesburg, dem indischen Delhi und in Athen gab es Demonstrationen. Allein in Australien folgten rund 300 000 Menschen dem Protestaufruf, wie die Veranstalter mitteilten.

Die schwedische Aktivistin Greta Thunberg äußerte sich aus New York per Livestream zufrieden über den Zuspruch zu den weltweiten Protesten. Übertragen wurde dieser vor Demonstranten in Stockholm. „Es ist unglaublich, was wir zusammen erreicht haben. Es ist ein historischer Tag“, sagte sie, während die überwiegend jungen Schweden immer wieder jubelten und „Greta, Greta!“ riefen.

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Die von Thunberg angestoßene Klimabewegung wird von Schülern und Studenten getragen. Sie fordern von der Politik mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderhitzung und die drohende Klimakatastrophe. Vor allem müsse gemäß dem Pariser Klimaabkommen die globale Erwärmung auf unter 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit eingedämmt werden.

In ganz Deutschland waren in Dutzenden Städten mehr als 570 Aktionen und Demonstrationen angemeldet. Auf Plakaten waren Slogans zu lesen wie „Ihr habt verschlafen, wir sind aufgewacht“, „Hört auf, uns zu verKOHLEn“, „Kurzstreckenflüge nur für Bienen“ oder „Dieser Planet wird heißer als mein Freund“. In Berlin standen drei Menschen auf abtauenden Eisklumpen unter einem Galgen - mit einer Schlinge um den Hals. Vereinzelt wurden von Gruppen wie Extinction Rebellion Straßen blockiert, unter anderem in Frankfurt und Berlin. In Frankfurt drangen Protestierer in die Paulskirche ein. Für die internationale Streikwoche, die nun begonnen hat, haben Aktivisten Proteste in mehr als 2900 Städten in über 160 Staaten angekündigt.

Für Deutschland fordert Fridays for Future unter anderem, schon bis Jahresende alle Subventionen für fossile Energieträger wie Öl und Kohle zu streichen, ein Viertel der Kohlekraft abzuschalten und eine Steuer auf Treibhausgasemissionen zu erheben. Die Bewegung bekommt breite Unterstützung. Mit dabei sind Umwelt- und Entwicklungsorganisationen wie Greenpeace und Brot für die Welt, aber auch die Evangelische Kirche, die Gewerkschaft Verdi und der Deutsche Kulturrat.

Zum globalen Klimastreik wiesen Umweltaktivisten von Scientists for Future auf wissenschaftliche Fakten zur Erderhitzung hin. So sei weltweit die Durchschnittstemperatur bereits um ein Grad gestiegen, relativ zum Zeitraum 1850 bis 1900, schrieben die Wissenschaftler auf Twitter. Und die vergangenen vier Jahre seien die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen. Auch sei es erwiesen, dass der Mensch mit seinen Treibhausgasemissionen nahezu vollständig verantwortlich sei für dieses Temperaturplus. Schon jetzt verursache die Erderwärmung in vielen Regionen Extremwetter wie Hitzewellen, Dürren, Waldbrände und Starkregen.