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Spielerisch lernen im Grünen: Beim Familientag freuten sich die Beauftragte für kulturelle Bildung, Susanne Reinmüller (links), und Museumspädagogin Anne Einsiedler (hinten, Mitte) über viele Familien, Kinder und Jugendliche.  Foto: Roller 

Familientag im Reuchlin-Museum Pforzheim: Programm speziell für Kinder

Pforzheim. Wie haben Kinder zur Zeit Johannes Reuchlins ihre Freizeit verbracht? Wo befand sich einst die Bibliothek des in Pforzheim geborenen Humanisten? Und warum waren Bücher früher so teuer und kostbar? Fragen über Fragen, die alle beim Familientag im Museum Johannes Reuchlin beantwortet wurden.

Drei Stunden lang hatten Familien mit Kindern am Sonntag nicht nur freien Eintritt, sondern auch die Möglichkeit, richtig etwas zu erleben. „Wenn sie wieder gehen, dann sollen die Kinder, Jugendlichen und Familien sagen: Das hat mir Spaß gemacht, da will ich wieder hin“, erklärt Susanne Reinmüller. Die Beauftragte für kulturelle Bildung an den städtischen Museen ist am Sonntag zusammen mit der Museumspädagogin und Architektin Anne Einsiedler vor Ort. Unterstützt werden sie von Loretta Hoffmann, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Bereich Kultur absolviert. Alle drei sind mit viel Engagement bei der Sache und versuchen, den Familien einen unvergesslichen Tag zu bereiten, an dem sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen mit Freude etwas Neues lernen.

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Pforzheim

Gesprächskonzert in Pforzheim: In Reuchlins Zeit ist Musik drin

Bewährt hat es sich dazu laut Reinmüller, mit den Familien zunächst einmal durchs Museum zu gehen, ihnen alles zu zeigen und zu schauen, was gerade die Kinder am meisten interessiert. Diese Inhalte werden dann mit spielerischen und kreativen Angeboten weiter vertieft. Die Kinder können alte Schriften kennenlernen, indem sie in diesem Stil selbst eine Urkunde erstellen und sie anschließend mit einem echten Siegel aus Wachs versehen. Sie können mit Holzkreiseln und Glasmurmeln spielen, die es zu Reuchlins Zeiten auch schon gegeben hat.

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Pforzheim

Beim Reuchlin-Jam im Haus der Jugend entsteht das Gespräch ganz ohne Worte

Sie können sich mittelalterliche Kopfbedeckungen, sogenannte „Gogel“, aufsetzen und das Laufen mit den Überschuhen probieren, die man im Mittelalter über die eigentlichen Schuhe gezogen hat, um auf den Gassen nicht in den damals herumliegenden Unrat zu treten. Mit einem alten Plan des Pforzheimer Schlosses können die Kinder im Freien auf Entdeckungstour gehen und schauen, welche der alten Gebäude heute noch stehen. Und sie können ihre eigenen bunten Kirchenfenster entwerfen. Dazu hat Reinmüller ein Fenster der Schloßkirche fotografiert, die verglasten Bereiche freigestellt und das Ganze auf ein großes Blatt Papier gedruckt.

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Pforzheim+

Kunstvolle Annäherung an Reuchlin in Pforzheims Altem Schlachthof

Reinmüller und Einsiedler lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen – und versuchen dabei, die Angebote stets auf das Alter und die Fähigkeiten der Kinder anzupassen. Auch mit Kindergärten und Schulen arbeiten sie eng zusammen. Ziel ist es, dem Nachwuchs einen Eindruck von der Zeit Reuchlins zu vermitteln, etwa von den Lebensumständen, von den wichtigen Ereignissen, von der Denkweise und von der Architektur. Die Kinder und Jugendlichen sollen den Humanisten spielerisch kennenlernen: seine Reisen, seine Schriften, sein Interesse am Fremden, sein Werben für Toleranz und Menschlichkeit. Im Reuchlinjahr hat es im Museum Johannes Reuchlin seit Mitte März mehr als 50 Veranstaltungen mit mehr als 1000 Kindern und Jugendlichen gegeben. Und Reinmüller rechnet damit, dass es so weitergeht. Sie und Einsiedler hoffen, dass das etwas versteckt liegende Museum durch das Reuchlinjahr einen Schub bekommt, der nachhaltig wirkt. „Viele Schulen haben jedenfalls angekündigt, dass sie wieder kommen wollen.“