Pforzheim. „Wenn ich kann, dann bezahle ich das zurück.“ Diesen Satz hören die Mitarbeitenden des PZ-Hilfsvereins „Menschen in Not“ immer wieder. Oft gesprochen mit zitternder Stimme. Oft begleitet von Tränen. Und fast immer verbunden mit großer Dankbarkeit. Denn wer in einer schwierigen Lage Hilfe erhält, vergisst das nicht so schnell. Viele wünschen sich, irgendwann etwas zurückgeben zu können.
Rita H. (Name geändert) meldet sich telefonisch und kündigt an: Sie möchte 800 Euro zurückgeben – exakt die Summe, die sie im Jahr 2005 vom PZ-Hilfsverein bekommen hatte.
„Mein schlechtes Gewissen hat mich nicht losgelassen“,
sagt die heute 64-Jährige.
Es ist ein Satz, der berührt. Und der zeigt, wie tief Unterstützung wirken kann – selbst Jahrzehnte später.
Damals stand Rita H. vor einem Neuanfang, der keiner war. Sie kam frisch aus dem Frauenhaus. Allein mit ihren Kindern. Ohne Netz. Ohne Absicherung. Und mit der Verantwortung, irgendwie weiterzumachen.


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Eine Ausbildung an der Restaurant-Fachschule musste sie abbrechen. „Die Kinder waren noch zu jung, um abends immer allein zu sein“, erzählt sie. Unterstützung aus der Familie gab es kaum. Die Großmutter war krank und konnte nicht einspringen. Rita H. nahm, was möglich war, und fand eine Stelle als Putzkraft bei einem Pforzheimer Reinigungsunternehmen. Es war harte Arbeit. Aber es war ein Einkommen. Und plötzlich stand Rita H. vor einem Problem, das viele unterschätzen – und das Menschen trotzdem in existenzielle Not bringt: die Beerdigungskosten. „Alles war ganz einfach“, sagt sie. „Aber ich hatte kein Geld. Trotz Arbeit.“ Die Ausgaben überstiegen ihre Möglichkeiten. Eine würdige Bestattung schien unerreichbar.
In dieser Situation half der PZ-Hilfsverein „Menschen in Not“ schnell und unbürokratisch. 800 Euro, die damals den entscheidenden Unterschied machten. „Das habe ich nicht vergessen“, sagt Rita H. Und man merkt: Das meint sie genau so.


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Bis heute führt sie ein Haushaltsbuch. Jede Ausgabe, jeder Euro ist notiert. „Ich habe schon mehrfach gedacht, dass ich es schaffe, die Spende zurückzugeben“, erzählt die Frau, die inzwischen zur Altenpflegerin umgeschult hat. Doch das Leben spielte nicht mit. Rita H. musste weiter kämpfen, weiter tragen, weiter funktionieren. Aus den Kindern wurden Erwachsene. „Ich war als Mutter immer gefordert.“ Und Sorgen begleiteten sie durch die Jahre.
Umso größer ist jetzt die Erleichterung. „Jetzt fällt mir ein dicker Stein vom Herzen“, sagt sie. „Und ich freue mich sehr, dass ich die 800 Euro zurückgeben kann.“ Rita H. weiß, dass das Geld nicht in irgendeiner Kasse verschwindet. Sondern dort ankommt, wo es dringend gebraucht wird. Bei Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind. Bei Familien, Alleinerziehenden, Kranken oder Rentnern, für die plötzlich nichts mehr geht. Genau dafür steht „Menschen in Not“.
Und manchmal – wie in diesem Fall – kommt sogar etwas zurück. Nicht als Pflicht. Sondern als Geste. Aus Dankbarkeit. Und weil Hilfe manchmal über Jahre nachwirkt.

