Pforzheim. Der Enzkreis schützt seine Bewohner vor gesundheitsschädlichem Verkehrslärm durch zahlreiche Tempo-30-Abschnitte auch auf größeren Straßen. In Pforzheim, wo umgekehrt der Schutz des Auto-Fahrvergnügens einen hohen Stellenwert in der Stadtpolitik genießt, steht diese Umsetzung von landesweit vorgeschriebenen Lärmaktionsplänen noch aus. Sie rückt aber näher.
Voraussichtlich vor den Sommerferien wird sich erstmals ein Ausschuss des Gemeinderats damit befassen.
Hintergrund: Grundlage ist eine so genannte Lärmkartierung, die im Frühjahr im Planungs- und Umweltausschuss vorgestellt wurde.
Aus ihr geht hervor, dass an zahlreichen Straßen im Innenstadtbereich, aber etwa auch den Hauptstraßen in Eutingen und Huchenfeld die Lärmbelästigung in vielen anliegenden Häusern über dem zumutbaren Höchstwert liegt. Dieser beträgt zunächst 55 Dezibel tagsüber (das entspricht etwa dem Lärmpegel von Regen, einem Kühlschrank, leisen Gesprächen) und 50 Dezibel nachts. Besonders kritisch wird es ab 65 Dezibel (etwa Kantinenlärm) tagsüber und 55 Dezibel nachts: „Bereiche mit solchen Lärmbelastungen sind besonders zu berücksichtigen, da diese Lärmbelastungen in einem gesundheitskritischen Bereich liegen“, heißt es in einer Antwort der Stadtverwaltung auf eine PZ-Anfrage. Kurz: Da besteht besonderer Handlungsbedarf. In den Lärmkarten der Stadt sind die hiervon betroffenen Häuser braun dargestellt, rot ist der darunter liegende Lärmbelastungsbereich.
Mit Ausnahme des Stadtteils Würm, wo überall Tempo 30 gilt, ist nahezu das ganze Stadtgebiet betroffen.
Tempo 30 ist nicht die einzige mögliche Maßnahme, um den Verkehrslärm zu verringern – das Aufbringen von Flüsterasphalt, der Bau von Lärmschutzwänden oder -wällen sowie der von der Stadt hoch bezuschusste Einbau von Lärmschutzfenstern können weitere sein – und sehr teure. Deshalb wird Flüsterasphalt nur dann auf Straßen aufgebracht, die ohnehin saniert werden, wie etwa die Christophallee oder die Eutinger Hauptstraße. Alle Straßen mit diesem Belag zu versehen, ist angesichts der Finanzlage der Stadt schlechterdings illusorisch. Und das Schallschutzfensterprogramm wird nach PZ-Informationen von den Bürgern nicht nur schlecht nachgefragt, es gilt Experten auch als die „zweitbeste Lösung“.
Mehr lesen Sie am Freitag, 17. Mai in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.



