Allgemeinmedizinerin Suzann Kirschner-Brouns zeigt im PZ-Forum auf, wie esFrauen gelingen kann, einen gesunden Schlafrhythmus zu finden.
Uria Ravahi
Pforzheim
„Guter Schlaf beginnt am Tag“: Dr. Suzann Kirschner-Brouns kommt ins PZ-Forum

Allgemeinmedizinerin und Buchautorin Dr. Suzann Kirschner-Brouns beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren mit Frauengesundheit – und mit einem Thema, das oft unterschätzt wird: Schlaf. In ihrem neuen Buch „Frauen und Schlaf“ zeigt sie, warum Frauen nachweislich schlechter schlafen als Männer und welche Folgen das für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität hat. Hormonelle Veränderungen, gesellschaftliche Rollen und mentale Belastungen greifen dabei eng ineinander. Ihr Buch präsentiert Kirschner-Brouns am Donnerstag, 23. April, 19 Uhr, im PZ-Autorenforum.

PZ: Frau Kirschner-Brouns, haben Sie heute Nacht gut geschlafen?

Suzann Kirschner-Brouns (schmunzelt): Ja, ich bin allerdings um 5 Uhr aufgewacht, weil die Vögel vor meinem Schlafzimmerfenster anfingen, zu zwitschern. Aber ich liebe diesen Frühlingsgesang und habe mich von ihm dann noch einmal in die letzten zwei Schlafstunden wiegen lassen.

Das neue Buch der Allgemeinmedizinerin.
Dumont

Frauen schlafen schlechter als Männer. Ist das Mythos oder Medizin?

Ganz klar Medizin. Dafür gibt es zwei unterschiedliche Gründe: zum einen biologische – vor allem die weiblichen Hormone –, zum anderen sozio-kulturelle. Darunter versteht man die kulturellen und gesellschaftlichen Einflüsse auf die Rolle der Frau.

Welche Rolle spielen die Hormone?

Die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron beeinflussen den Schlaf ein Leben lang. Schon im Menstruationszyklus kommt es zu Schwankungen. In den Wechseljahren wird das Thema besonders relevant, weil diese Hormonspiegel erst schwanken und dann deutlich abnehmen.

Wie sehr rauben Stress, Alltagsorganisation und Rollenbilder Frauen den Schlaf?

Guter Schlaf beginnt am Tag. Je mehr Stress wir mit in den Abend nehmen, desto schlechter kommt unser Herz-Kreislauf-System zur Ruhe. Wenig Stress ist die beste Vorbereitung für guten Schlaf. Frauen leisten zudem mehr sogenannte Care-Arbeit – laut Statistischem Bundesamt rund neun Stunden pro Woche mehr als Männer zusätzlich zum Job. Das ist eine erhebliche Belastung.

Viele Mütter kennen jahrelangen Schlafmangel. Was macht das langfristig mit Körper und Psyche?

Viele Mütter erleben Schlafmangel, weil sie die Hauptverantwortung für die Kinder tragen. Studien zeigen, dass bis zu sechs Jahre nach der Geburt ein Schlafdefizit bestehen kann. Danach verbessert sich die Situation meist wieder.

Was sind die größten Schlafkiller im Alltag moderner Frauen?

An erster Stelle steht die Mehrfachbelastung. Außerdem spielt Vertrauen eine wichtige Rolle: Wer sich nicht sicher und geborgen fühlt, schläft schlechter. Auch der Social-Media-Konsum ist problematisch. Wer abends noch am Handy ist – vor allem ohne Blaufilter –, überflutet das Gehirn mit Reizen. Das führt dazu, dass man grübelnd wachliegt oder schlechter schläft.

Was sollten Frauen heute Abend anders machen, um besser zu schlafen?

Man sollte mindestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen abschalten und zur Ruhe kommen. Auch ein frühes, leichtes und eiweißreiches Abendessen kann den Schlaf verbessern.

Eintrittskarten für das PZ- Autorenforum am Donnerstag, 23. April, 19 Uhr, erhalten Sie bei der „Pforzheimer Zeitung“, Poststraße 5, 75172 Pforzheim, Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr, auch telefonisch unter (07231)933-125 und auf www.pz-forum.de. Der Eintritt kostet 10,50 Euro, für Inhaber der PZ-Abo-Card 6,50 Euro.