AdobeStock_169911189
Ein Messerstecher aus Pforzheim wurde jetzt vom Karlsruher Landgericht schuldig gesprochen. 

Haftstrafe für Pforzheimer Messerstecher vom Schloßpark

Karlsruhe/Pforzheim. Ein 55-jähriger Deutscher mit kasachischen Wurzeln ist am Dienstag wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt worden. Die Schwurgerichtskammer des Karlsruher Landgerichts sah es als erwiesen an, dass er am 30. September vergangenen Jahres im Schloßpark einen 43-Jährigen mit einem Messer lebensgefährlich verletzt hatte.

„Er hat bei seiner Tat den Tod billigend in Kauf genommen“, erklärte der Vorsitzende Richter Fernando Sanchez-Hermosilla. Nur eine Notoperation konnte das Leben des 43-Jährigen retten. Allerdings wich die Kammer vom Tatvorwurf des versuchten Mordes ab. Diesen hatte Oberstaatsanwalt Harald Lustig zu Prozessbeginn in den Raum gestellt und bei seinem Plädoyer untermauert. Sowohl Täter als auch Opfer stammen aus der ehemaligen Sowjetunion und verkehren im Trinkermilieu des Schloßpark. Wegen einer ähnlichen Tat, bei dem das Opfer starb, saß der 55-Jährige bereits einige Jahre in Haft.

Pforzheim

Versuchter Mord im Schloßpark Pforzheim: Staatsanwaltschaft fordert hohe Haftstrafe

Auslöser für den Messerangriff war vermutlich ein verbaler Streit zwischen den beiden, der sich in den Wochen vor der Tat hochschaukelte. In ihrem Plädoyer machte Verteidigerin Jutta Götz auf den Alkoholismus ihres Mandanten aufmerksam. Nach der Tat wurden bei ihm 2,34 Promille festgestellt, zum Tatzeitpunkt soll er drei Promille gehabt haben. Sie zeigte sich enttäuscht über die Art des Gutachtens der Sachverständigen, die eine verminderte Schuldfähigkeit ausschloss und Kriterien des Affekts nicht prüfte. Aufgrund des Sachverhaltes sah Götz nur den Tatbestand der schweren Körperverletzung als gegeben an.

„Das Unrecht der Tat war trotz des Alkoholkonsums weder aufgehoben noch vermindert“, hielt der Vorsitzende Richter beim Urteil dem entgegen.

Die Kammer habe weder Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit noch für eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung. Der 55-Jährige wird zwei Jahre in einer Haftanstalt verbringen und anschließend aufgrund seines Alkoholproblems für zwei weitere Jahre in eine Entziehungsanstalt kommen. Nach einem erfolgreichen Entzug kann er nach vier Jahren freikommen. Am Rande der Verhandlung wurde die Dolmetscherin informiert, dass sie Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatte. Der anschließende Test verlief negativ. Deshalb musste die Urteilsverkündung auf den Mittag verschoben werden.