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Zu Fuß sind die Geschäfte von Peter Ferenz (links) und Dieter Hartung gut zu erreichen. Aber Reinigungen und Matratzenhandel leben davon, auch vom Autoverkehr nicht abgeschnitten zu sein. Das sind sie – länger als geplant. Und auf der Baustelle ist seit Wochen kein Arbeiter zu sehen.  Foto: Moritz 

Hilferufe aus dem Abseits: Vollsperrung und Baustellen hängen Oststadt-Geschäfte ab

Pforzheim. Die Vollsperrung an der Deimlingstraße macht die Östliche Karl-Friedrich-Straße zur Sackgasse. Jahrelange Baustellen vor der Tür und damit verbundene Umsatzeinbußen haben die Inhaber von Geschäften zermürbt.

Die Verzweiflung von Peter Ferenz hat eine lange Vorgeschichte. „Baustelle an der Östlichen versetzt Händler in Existenzangst“, titelte die PZ im Jahr 2016, ähnliche Beiträge finden sich auch aus folgenden Jahren. Eigentlich ist es ein Wunder, dass Ferenz mit seiner Reinigung noch da ist. In doppelter Hinsicht. Denn neben dem ständigen Kampf ist da auch noch sein Plan, mit dem Geschäft wegzuziehen, an eine besser erreichbare und nach seiner Wahrnehmung von der Stadtverwaltung auch weniger stiefmütterlich behandelte Adresse. Nun wenden sich er und weitere Händler von der Östlichen Karl-Friedrich-Straße im Abschnitt zwischen Deimlingstraße/Schlossberg und Parkstraße erneut an die PZ, und wieder geht es ums städtische Bauen, das ihre Kundschaft fernhält.

Stillstand auf der Baustelle

Nach unbenutzbaren Parkplätzen vor den Geschäften ist es die Sperrung der Östlichen zur Deimlingstraße wegen der Vorbereitungen auf die Innenstadtentwicklung Ost. Kein Fahrzeug kommt durch, nur wenige finden den Umweg in die zur Sackgasse gewordene Östliche hinein. Von erfahrungsgemäß bis zu 30 Prozent weniger Umsatz in solchen Situationen spricht Dieter Hartung, Inhaber des Geschäfts „Matratzentraum“ vorne am Eck direkt in der Baustelle. Deren Notwendigkeit ziehen er und Ferenz gar nicht in Zweifel. Nur: Hätte man denn nicht wenigstens eine Spur als Einbahnstraße offenlassen können, fragen sich die beiden. Und: „Seit Wochen wird nicht gearbeitet, seit zwei Wochen ist keiner da“, fügt Hartung an. „Im April hätte es fertig sein sollen.“

Mittlerweile gebe es durch Aktionen der Stadt jährlich ein anderes großes Problem für ihn, sagt Ferenz.

„Der Verkehrsfluss ist tot.“

Die Kundschaft bleibe weg. Natürlich könne die verwaiste Baustelle an Corona liegen, aber was die Händler, die nach ihrer Auskunft auch für benachbarte Geschäfte sprechen, besonders ärgert: Das Rathaus kommuniziere nicht mit ihnen, schon gar nicht komme jemand aus der Stadtverwaltung von sich aus auf sie zu. „So kann man nicht arbeiten als Stadt“, urteilt Ferenz. Hätte er nicht die Einbußen infolge der Corona-Pandemie, er hätte längst in einen Umzug an eine andere Straße investiert. „Ich wäre längst weg, mit der Östlichen geht es nur weiter abwärts.“

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Stadt weist Kritik zurück

Das sieht man im Rathaus grundsätzlich anders: „Es sind im Quartier durchaus einige Maßnahmen umgesetzt worden. Die Östliche war von 2009 bis 2015 im Geltungsbereich des Sanierungsgebiets ,Innenstadt Südost‘“, sagt der städtische Pressesprecher Stefan Baust: Häuser seien saniert, der Fahrbahnbelag erneuert worden. Und auch in die Zukunft gedacht, soll es Verbesserungen geben für die Östliche: Ein erklärtes Ziel der aktuellen Rahmenplanung Innenstadtentwicklung Ost und der daran anschließenden weiteren Maßnahmen sei, durch einen Brückenschlag die Östliche zwischen Deimlingstraße und Parkstraße besser an die Einkaufsinnenstadt anzubinden. Die Rahmenplanung Ost solle Verbesserungen bis nach Eutingen bringen.

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Was die eigentliche Problematik anbelangt, über die man in Gesprächen und über die Presse wiederholt informiert habe: Auf der Baustelle sei durchaus stets gearbeitet worden, wie Nachfragen bei Stadtwerken und zuständigen Firmen ergeben hätten. Von Fertigstellung im April sei keine Rede gewesen, allerdings von vorübergehender Öffnung. Jedoch hätten Corona-Abstandsregelungen zu verringerter Personalstärke auf den Baustellen und somit tatsächlich zu Verzögerungen geführt.

Man bemühe sich, sie aufzuholen. Aber: „Im Kreuzungsbereich läuft ab dem 25. Mai ein größerer Zusammenschluss von Fernwärmeleitungen, der etwa zehn Tage in Anspruch nehmen wird. Eine Freigabe der Fahrbeziehungen von der Deimlingstraße in die Östliche wird daher nicht vor Mitte/Ende Juli möglich sein.“

Marek Klimanski

Marek Klimanski

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